Schlechtes Chili, gute Bücher

Schlechtes Chili, aber tolles Buch

Zuletzt konnte ich den Buch-Lesestapel etwas verkleinern. Das ist immer gut, denn an Nachschub mangelt es bekanntlich nie. Hier mal die gelesenen Bücher im Schnelldurchlauf:

»Die Flüsse von London« von Ben Aaronovitch hat mich allerdings nicht überzeugen können, trotz der guten Kritiken, trotz der Empfehlung, wegen der ich es mir geholt habe. Ich kann nicht sagen, dass es schlecht geschrieben ist, und ich mag auch die Ideen, aber es hat nach 200, 250 Seiten einfach immer noch nicht »klick« gemacht bei mir. Aber ich sehe, wieso das Ganze für viele so gut funktioniert.

Der erste »Niceville«-Roman von Carsten Stroud ist mir zu kalkuliert, obwohl er routiniert und gefällig geschrieben ist. Auf dem Backcover wird von den Coens über Tarantino bis hin zu McCarthy und Lynch ja alles zitiert, was Rang und Namen hat, und am Ende fühle ich mich tatsächlich am ehesten an David Lynchs »Twin Peaks« erinnert: Das Reinkommen in Stadt und Story ist nicht wirklich einfach. Auftakt einer designierten Bestseller-Serie, ich denke, ich werde es bei diesem ersten Band belassen.

Mit »Feurige Schatten« ist der vierte Lady-Alexia-Roman von Gail Carriger erschienen – und damit der vorletzte Band von meinem Chic-Lit-Steampunk-guilty-pleasure. Zur Mitte hin zeigt das Buch 150 Seiten lang, wieso die Mischung so gut taugt – davor und danach gefiel mir einiges nicht so, am allerwenigsten der Umgang mit der Schwangerschaft und dem »ungeborenen Ungemach«. Und natürlich ist es unnötig, nach drei Bänden das Buchrückendesign selbst auch nur leicht zu modifizieren, Herrschaften.

Douglas A. Andersons kommentierte Fassung von J. R. R. Tolkiens »Der Hobbit«, die Klett-Cotta als »Das große Hobbit-Buch« auf Deutsch gebracht hat, ist dagegen ein echtes Prunkstück, auch wenn es mit Blick auf den Film ein bisschen früh erschienen ist. In der nächsten phantastisch! werde ich ausführlicher von diesem Band berichten, an dieser Stelle schon mal so viel: Es ist schon faszinierend, was für verschiedenartige Infos und was für eine üppige Werkgeschichte sich in den blauen Randspalten um den klassischen, zeitlosen Haupttext des Romans ranken, mit dem für mich alles in Sachen Fantasy-Literatur begonnen hat und den ich inzwischen über ein Dutzend Mal gelesen habe. Tolles Buch in einer großartigen, hoch interessanten Fassung, die für die deutsche Ausgabe von Lisa Kuppler auch sorgsam editiert wurde. Sogar die ersten Versuche, den »Hobbit« noch während der Hochzeit des Nationalsozialismus hierzulande zu veröffentlichen, werden beleuchtet.

Und dann war da natürlich noch »Schlechtes Chili« von Joe R. Lansdale, der vierte Roman mit Hap und Leonard, der bei Dumont gerade im Taschenbuch neu aufgelegt worden ist. Schade, dass die Romane um die beiden ungewöhnlichen Freunde aus dem Osten von Texas auf Deutsch über mehrere Verlage verteilt erschienen und hier dann nicht mal lückenlos veröffentlicht worden sind. Allerdings ist auch dieser vierte Teil der Reihe ein exzellenter Einstieg, und ich kann das Buch – wie die meisten Lansdales – nur wieder jedem ans Herz legen, der für den Southern-Gothic-Charme empfänglich ist. Doch auch wer Kumpel-Krimis mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Die Übersetzung hat ein paar Macken im Detail (»Horse« hätte ich lieber unübersetzt gesehen als Name, und Andre the Giant ist natürlich nicht Andre der Riese), im Großen und Ganzen klingt es aber wie immer, nämlich lässig und cool und unverkennbar Lansdale.

Okay, das ist jetzt länger geworden als beabsichtigt. Ihr seht, man sollte mich nie dazu bringen, über Bücher und Comics zu schwadronieren, denn da helfen am Ende alle guten Vorsätze nichts…

Excelsior!

4 Responses to “Schlechtes Chili, gute Bücher”

  1. Peter Reineke Says:

    Lansdale rules.
    Habe leider Samstag den Band mitgenommen, in Unkenntnis dessen,
    das ich ihn 2001 schon gelesen hatte.
    Warum Neuauflagen, wenn es noch nicht alles andere gibt?

  2. Christian Says:

    Weil die bereits übersetzten Teile einfach billiger für den Verlag sind, I suppose. Und in dem Fall ist er sogar halbwegs sinnvoll gewählt, wie man zugeben muss: Ist in meinen Augen einer der besten, wenn nicht sogar der beste Roman der Serie, und eben absolut einsteigertauglich. Wenn nun die lange vergriffenen Bände folgen, wäre ich nicht böse drum, ich hab die nämlich nur als Mix aus deutschen und englischen Bänden hier stehen, und das Dumont TB sah jetzt schon ziemlich stylisch aus.

  3. Peter Reineke Says:

    Ja, das mit der Übersetzung passt natürlich.
    Toll, dass ich Hamlet den Titel nicht gleich mit “schon gelesen und vorhanden” assoziieren konnte.
    Jetzt kommt wieder die Gewissensfrage: behalten und verschenken oder doch nochmal in die Stadt latschen und umtauschen.

  4. Christian Says:

    Weiterverschenken! Zum Anfixen ist es doch ideal.

Leave a Reply