Rezension: The Spirit Never Dies

Falco: The Spirit Never Dies, Dezember 2009Als ich eben aus der Firma nach Hause kam, wartete das »neue« Falco-Album The Spirit Never Dies bereits im Briefkasten (besser ist das, mein Lieblings-Amazönchen! Schließlich ist die Amazone an jedem Vormittag die Erste, die abbucht – manchmal 6 bis 7 Stunden, bevor die Post das abgebuchte Produkt tatsächlich ausliefert, da ich sowohl beim Briefträger wie auch beim Paketpostboten meist am Ende der Route liege, ohne am Arsch der Welt zu wohnen. Trotzdem).

Nun ja. Da ist da. Es ist nun etwa zwei Mal durchgelaufen. Wollen wir’s zusammen mal kurz durchgehen? Hm. Okay, ihr habt es so gewollt …

Hülle/Cover/Booklet
Das Cover? Lieblos, ja fast hässlich. Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass das, was man seit einer Woche bei amazon sah, ein Platzhalter ist. Aber nein. It’s the real thing. Well. Aua. Da bekäme ich mit Word ja besseres hin. Selbst wenn ich die Maus nur mit dem kleinen Zeh bedienen darf. Im ebenso schmalen wie schlichten Booklet gibt’s neben einem wenigstens sehr schönen Foto aus der Nachtflug-Ära einen Text von Falco-Biograf Peter Lanz sowie die Infos zu den einzelnen Tracks (bei den wenigsten steht ein Hoelzel oder Bolland dabei, so viel sei hier schon verraten). Die da wiederum wären:

1. Return To Forever
Was bist du? Ich weiß es immer noch nicht. Irgendeine obskure, trommlerische Overtüre. Wenn man mal ein Lied für eine spontane Aufführung vom König der Löwen braucht, bestimmt ein tolles Teil …

2. Nuevo Africano
Klingt ein bisschen wie ein Propaganda-Rip-off, das es nicht aufs Nachtflug-Album gepackt hat, weil dann doch etwas fehlte. Könnte mit der Zeit aber gewinnen, weil es zwei, drei ganz schöne Passagen und einen einprägsamen Refrain hat (und tatsächlich, nach mehrfachem Hören gefällt es immer besser).

3. Jeanny (Part 1)
Die normale – sprich, kürzere – Album-Version.
Muss man nichts mehr zu sagen. Klassiker.

4. Coming Home (Part 2)
Dito.

5. The Spirit Never Dies (Jeanny Final)
Ich mag den Song, wie schon gesagt. Nicht als Teil der »Trilogie«, wohlgemerkt, denn da passt er letztlich gar nicht rein – aber wohl doch als Ohrwurm aus Falcos melodiöser Wiener Blut-Phase. Schönes Lied und vor allem nicht so übersteuert und kräftig abgemischt wie der Anfang des Albums. Das singt und summt man mit – und brummt man auch im Alltag ab und zu. Schönes Ding, das wenigstens nach Falco klingt.

6. Qué Pasa Hombre
Im Gegensatz zur Version auf Verdammt wir leben noch eine etwas langsamere und weniger mit Instrumenten verstärkte Variante des Tracks. Mit viel – mehr – Falco-Sprechgesang, ein paar anderen Effekten und hier und da dem bekannten Groove der ersten Version sowie den Gitarrenriffs – keine schlechte Fassung, aber keineswegs die bessere.

7. Poison
… war mein Lieblingslied auf Verdammt wir leben noch. Auch hier wieder eine von der Geschwindigkeit und der instrumentalen Begleitung veränderte Fassung, die durch einen ziemlich hässlichen Einstieg schon gleich zu Beginn mächtig verliert, dann aber doch einen gewissen Charme entwickelt. Ist halt ein gutes Lied mit tollem Text und Rhythmus, das sich nicht so leicht entstellen lässt.

8. Sweet Symphony
Der Liedtitel hätte Falco sicher gefallen. Und da es sich – anders als seine beiden Vorgänger-Tracks auf der Scheibe – nicht mit bereits länger erhältlichen, besseren Versionen messen muss (oder irgendwelcher instrumentaler Kack ist), ist Sweet Symphony neben dem albumtitelgebenden The Spirit Never Dies wirklich mal eine angenehme und sympathische Überraschung, ohne die Falco-Welt gleich aus den Angeln zu heben. Legt bei jeder Runde zu.

9. Kissing In The Kremlin
Nicht der große Wurf, klingt aber ziemlich nach Falco. Wird vermutlich ebenfalls mit jedem Hören seine Wirkung ein bisschen steigern und gewinnen.

10. Dada Love
Nach drei Anläufen endlich richtig geschrieben. Denn natürlich wollte ich immer Data de Groove schreiben. Und auch hören, wenn ich das mal so sagen darf. Dieser Track … hat glaube ich auch ein oder zwei Stellen, wo man Falco zwischen dem übermotivierten Gestapfe und clubbigen Gedudel singen hört. Ja. Doch. Kann man mal nebenbei mitlaufen lassen.

11. The Spirit Never Dies (The Special Mix)
Ganz nette alternative Version mit ein bisschen mehr Drumherum. Geht klar und ist die wohl interessantere Variante.

12. Forever
Wie sollte es anders sein: instrumentales Outro mit ein paar The Spirit Never Dies-Reprise-Stellen. Na ja. Ich habe nach dem Intro Schlimmeres befürchtet. Zum Ausklang nach dem Special Mix okay.

FAZIT:

The Spirit Never Dies ist ohne Frage und mit Abstand das musikalische Prunkstück des Albums, tauglich für Fans wie für Nicht-Fans. Der Rest des Albums ist teilweise ziemlich, wenn nicht sogar erschreckend schwach, obwohl sich Tracks wie Nuevo Africano und Kissing In The Kremlin mit jedem Anhören weiter eingrooven und langsam sogar Laune machen.

Verdammt wir leben noch bleibt dennoch das posthume Falco-Album. Ich honoriere natürlich die Mühe beim Zusammenstellen im Studio und dem digitalen Aufpolieren, und mit der Zeit kommt ab und an auch der Spaß. Rein inhaltlich ist das aber kein Glanzstück, was da mit so viel Medienwirksamkeit »gehoben« und vertont wurde.

Den Fans freut es logischerweise trotzdem. Eine Bitte trotzdem noch, my dear fellows: Solltet ihr euch von der Medienpräsenz anstecken lassen und das Gefühl haben, euch jetzt endlich mal ein Falco-Album besorgen zu müssen – lasst es nicht The Spirit Never Dies sein.

Kauft euch die Single bei iTunes oder wo auch immer, und gut ist. Und dann bitte ganz schnell eine Compilation oder ein, zwei der genialen Alben des unsterblichen Künstlers aus Austia, dessen fast schon poetische, kluge, kritische, verspielte Text-Brillanz auf diesem vom Sound und weniger dem Content bestimmten Album leider nur sehr, sehr selten durchkommt. Dieses neue Album hat nur wenig Wiener Blut, taugt nur für einen kurzen Nachtflug, ist nur selten emotional und markiert schon gar nicht das Ende der Dunkelheit. Nichts für Junge Römer, nichts für Helden von Heute, nichts für Munich Girls – aber halt was für Falco-Fans, die jede CD des Falken im Regal stehen haben und dann auch mit ein paar netten Passagen und einem guten neuen Lied in zwei nur marginal verschiedenen Versionen belohnt werden.

Excelsior.

5 Responses to “Rezension: The Spirit Never Dies”

  1. Tyler_Burnem Says:

    Deine Rezension spricht mir aus der Seele! Schade eigentlich! Aber die Songs wurden wohl nicht umsonst nicht auf n Album gepackt. Selbst “The spirit never dies” ist doch arg schnulzig und gewinnt lediglich durch die Tatsache, dass dies wohl die letzten Tracks des Falken sein werden… Aber man weiß ja nie! The Hoffnung never dies!

  2. Christian Says:

    Wie erwartet, gewinnt “Kissing In The Kremlin” bei jeder Runde.

  3. Denise Says:

    Ich finde dieses Album auch recht gut..
    Aber ich finde es ist mit dem was vorher kam, (wie halt zB. Verdammt wir leben noch) nicht zu vergleichen!
    Meine beiden sogenannten “Lieblinge” sind, wie du teilweise auch findest, einmal *The spirit never dies* & *Sweet symphonie*

    Ich selbst finde es schade wie das Cover aussieht, da es ja viel schöner Bilder und auch Covers von Falco gibt….

    Ich finde deine Rezension sehr schön zu lesen, wobei mir die Stelle vo du die Liedtitel mit eingebaut hast (“nichts für Junge Römer und auch nichts für Munich girls”) am Besten finde! =)

  4. Christian Says:

    Danke für die Blumen :)

    Inzwischen hat sich, wie ich gestehen muss, aber auch die neue Version von “Poison” bei mir auf dem standardmäßigen Falco-Sampler fürs Auto bewährt und gefällt mir da ziemlich gut. Was aber wohl auch daran liegt, dass digital aufgepumpte Stücke mit kräftigem Bass und viel Synthesizer sich beim Autofahren für mich immer gut machen …

    Das ändert aber nichts daran, dass de facto eigentlich kein neues (!) Lied auf diesem Album eine Dramaturgie oder Geschichte hat, wie die meisten anderen Falco-Lieder. Es sind und bleiben einfach ein paar mal mehr, mal weniger gelungene Tracks mit viel instrumentalen Parts und eben ein paar Falco-Text-Fragmenten, die man ausgegraben hat.

  5. Falco – The Spirit Never Dies (Jeanny Final) inkl. Tracklist » BASS-MUSIC.DE Says:

    [...] und seine Person Musik und sein Leben Eine ausführliche Rezension zum neuesten Falco Album, hat Christian Endres verfasst. Christian Endres hat ein detaillierten Review zu jedem einzelnen Track geschrieben. Eine [...]

Leave a Reply