Archive for Juli, 2012

Sieben Sätze

Montag, Juli 30th, 2012

Ich bin kein Freund von Kettenbriefmassakern aller Art, und der eine oder andere wird wohl auch schon gemerkt haben, dass ich alle möglichen Facebook-Anfragen ignoriere, in denen es um Spiele, Kalender oder sonst was geht. Sorry, folks.

Doch nachdem Mr. Arthur Gordon Wolf nun noch mal explizit nachgefragt hat, poste ich zumindest an dieser Stelle mal 7 Sätze von Seite 7 eines aktuell von mir beackerten Romanscripts, genau genommen aus »Der Zug zur Hölle«, einem Weird Western.

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Hoffnung, Furcht und noch etwas anderes, etwas schlimmeres, fochten einen hässlichen Kampf in der finsteren Höhle hinter seiner Brust.

Sein Magen krampfte sich erneut zusammen, und das lag nicht nur an der Behandlung durch den Whiskey, der ihm eine Nacht in vollkommener Schwärze beschert hatte.

Zögernd trat Dusty näher ans Doppelbett, das bis auf seine Erinnerungen leer war.

Strich bedächtig über das Laken.

Seine Finger wanderten über das helle Kopfkissen, auf dem ein paar lange schwarze Haare lagen, und weiter über das Holz des geschnitzten Kopfteils.

Dort fanden sie drei Einschlusslöcher.

Ihre Berührung war seltsam beruhigend.

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Spider-Man-Interview

Freitag, Juli 27th, 2012

Splashcomics hat mir ein paar Fragen zu Spidey und den großen Jubiläen 50 Jahre Spider-Man und Spider-Man #100 gestellt.

Das Interview gibt’s hier.

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Unschuld und Unheil

Mittwoch, Juli 25th, 2012

Unschuld und Unheil: Boys Life

Zwischen Panini-Texten, Hitze und Grippe-Nachwehen ein paar Impressionen vom Lesestapel der letzten beiden Wochen, in denen ich mehr Zeit zum Lesen hatte, als mir lieb war…

»Der gefrorene Rabbi« von Steve Stern ist eine schöne Mischung aus einem verkappten Zeitreise-Roman und einer üppigen jüdischen Familiensaga. Der Mittelteil in New York City ist sicherlich das Prunkstück des Romans, doch auch der Rest kann sich sehen lassen. Das Ende muss man akzeptieren, wenn schon nicht mögen. Zwischenzeitlich dämmerte mir dann auch, wieso ich im Katalog auf den Roman angesprungen bin: Typo und Cover-Gestaltung sind natürlich stark an David Benioffs »Stadt der Diebe« angelegt, bekanntermaßen eines meiner Lieblingsbücher.

(Apropos Lieblingsbücher. Der erste Trailer zu »Life of Pi«, der Adaption von »Schiffbruch mit Tiger«, weckte in mir rein von der Bildsprache her nicht unbedingt den Eindruck, dass der Film dem Buch gerecht werden könnte.)

Mike Resnicks »Mallory und der Taschendrache« ist genau das, was man nach den ersten beiden Bänden erwarten durfte. Seicht bis zum geht nicht mehr, aber immer wieder für ein Grinsen gut. Kurzweiliger Stoff, dessen Übersetzung leider wieder arg steif und holprig daher kommt. Ich freue mich drauf, wenn mein signierter Kurzgeschichtenband »Stalking the Unicorn« demnächst den Weg über den großen Teich findet und hier ankommt…

»Cyberabad« von Ian McDonald ist da ein ganz anderes Kaliber. Ein komplexes 800-Seiten-Monster. Der aufwendige Aufbau ist geradezu tantrisch, doch die Höhepunkte sind das durchaus wert. Die Lektüre ist, seien wir ehrlich, ein Arbeitssieg, obwohl oder gerade weil McDonald mit langem Atem eigentlich nur noch mal die Geschichte einer den Menschen überholenden künstlichen Intelligenz erzählt. Aber wie er das macht! Und das Setting von Krieg und Seifenoper im wimmelnden, fundemantalistisch-fortschrittlichen Indien des Jahres 2048 ist natürlich auch atmosphärisch. Hat alles, was ein guter SF-Schmöker so braucht, und von all dem stets ein bisschen zuviel. Lohnt trotzdem.

Außerdem hat sich, eher durch Zufall, noch ein dicker Wälzer auf meinen Lesestapel verirrt: Robert R. McCammons leider vergessenes Southern-Gothic-Juwel »Boy’s Life« alias »Unschuld und Unheil« von 1991, das 1992 bei Knaur erstmals auf Deutsch erschien und zuletzt vor nicht ganz 10 Jahren neben den »Büchern des Blutes« und ein paar anderen Horror-Werken in einem dieser gesichtslosen, wohlig duftenden area-Hardcover-Klötzen innerhalb der gar nicht mal verachtenswerten Reprint-Reihe »Kultwerke des Horrors« gelandet ist. Allen in allem ist das Buch vielleicht immer mal etwas zu lang – trotzdem wirkt es wie die mit einem Schuss Bradbury versehene Blaupause zu Lansdales »Die Wälder am Fluss« und »Ein feiner dunkler Riss«. Magischer Realismus und Coming-of-Age at their best. Schönes Teil!

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Keineswegs blau gemacht

Freitag, Juli 20th, 2012

In letzter Zeit, meinte kürzlich jemand, hätte ich hier nur selten über meine Autoren-Angelegenheiten außerhalb von Magazinen, Zeitungen und Comics geschrieben. Ist das so? Tut mir leid. Manchmal hat man eben Scheuklappen auf und werkelt einfach so vor sich hin. Es ist keineswegs so, dass ich blau gemacht habe, was Fiction angeht. Sicher, ich habe – wegen des DC-Relaunches – wirklich viele Editorials für Panini geschrieben zuletzt, außerdem ein üppiges Steve-Niles-Portrait für die 30 Days of Night-Neuauflage Cross Cult, und diverse Texte für die zitty, Geek! und die phantastisch!, von Interviews mit Alex Bledsoe und Jesse Bullington bis hin zu einem Nachruf auf Ray Bradbury oder einem Text über Mike Resnicks Mallory-Romane.

Aber trotz allem hab ich auch immer Zeit für ein paar Seiten Fiction gefunden.

Also, was hätte ich euch in der Hinsicht erzählen können? Mein Roman »Sherlock Holmes und der Tanz der Drachen« sucht nach wie vor einen Agenten. Mein Kurzroman »Der Zug zur Hölle« wird wohl 2013 bei Atlantis erscheinen. In »Vampir« bei Zaubermond erscheint demnächst mindestens eine Kurzgeschichte von mir – die erste einer ganzen Reihe von Hardboiled-Horror-Storys, die ich über die letzten 10 Monate hinweg geschrieben habe (um eine Figur, die ich gerne ausbauen würde). Außerdem habe ich ein paar Ideen für Romane gepitched.

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Dark Knight – Dark Detective

Donnerstag, Juli 19th, 2012

Christopher Nolans finaler Teil seiner Bat-Blockbuster-Trilogie führt natürlich dazu, dass wir auch bei Panini ein paar Bat-Highlights im Programm haben. Etwa das neue, noch immer herrlich überdrehte All Star Batman Paperback, das erstmals alle 10 US-Hefte der Superstars Frank Miller und Jim Lee sammelt. Oder den zweiten Band der Batman Collection. Nach Mike Mignola ist diesmal Marshall Rogers dran, und es ist schon grandios, wie zeitlos die von ihm gezeichneten Hefte noch heute sind. Das ist noch immer eine großartige Lektüre, obwohl die Geschichten bereits allesamt Ende der 70r erschienen sind. Natürlich ist das auch ein Verdienst von u. a. Autor Steve Englehart – aber eben auch Rogers hat seinen Teil dazu begeisteuert. Ich zitier mich mal selbst aus meiner Einleitung zum über 200 Seiten starken TPB bzw. HC:

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Batman Collection TPB 2: Marshall Rogers

Die Bat-Geschichten in diesem Band gehören noch heute mit zum Besten, was die Legende des Dunklen Ritters hergibt. Es sind zeitlose Dramen, die um einen düsteren, grimmigen Rächer kreisen. Steve Englehart schrieb diese brillanten Storys Ende der 70er für Detective Comics. Batman kämpft darin gegen Schurken wie Clayface oder Professor Hugo Strange, Gangster wie den Pinguin oder korrupte Bürokraten wie Rupert Thorne. Aber auch Bruce Waynes komplizierte Beziehungen zu seinem Alter Ego, zu seinem irren Erzfeind Joker und zu seiner hinreißenden Freundin Silver St. Cloud stehen im Fokus. Für die Ewigkeit aufs Papier gebannt wurde all dies von Ausnahme-Zeichner Marshall Rogers, der letztlich auf einer Stufe mit Neal Adams und Jim Aparo steht. Rogers’ phänomenales Artwork trug maßgeblich dazu bei, dass Batman damals nicht in der drohenden Bedeutungslosigkeit versank, sondern zu seinen Wurzeln als dunkler Vigilant und Mitternachtsdetektiv und somit zu alter Stärke zurückfand. Mit Roy Thomas präsentierte Rogers 1986 dagegen die Origin des Golden-Age-Batman von Erde-2. Viel Spaß mit diesen Bat-Meisterwerken!

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phantastisch! #47 – Neues aus farbigen Welten

Samstag, Juli 14th, 2012

phantastisch! #47

Mehr denn je ist es ein kunterbuntes Vergnügen, durch das Beleg der phantastisch! #47 zu blättern. Immerhin ist das die erste Ausgabe des von Klaus B. herausgegebenen Fantastik-Magazins, die im Atlantis Verlag erschienen ist – und gleichzeitig die erste Ausgabe, die farbig gedruckt worden ist.

Sieht sehr, sehr schick aus, und wartet mal ab, wie es in zwei oder drei Heften aussieht, wenn Günter sich nach fast 50 Ausgaben in Grautufen immer mehr traut und noch mehr auf die Kacke haut!

Doch man sieht schon jetzt, dass es z. B. selbst banalen Seiten wie dem Editorial und dem Inhaltsverzeichnis oder den Rezensionen gut tut, wenn ein bisschen Farbe im Spiel ist.

Persönliches Highlight aus gestalterischer Sicht ist das Layout meines Moebius-Nachrufes, von dem es an dieser Stelle nun mal die Miniatiuransicht der beiden Doppelseiten zu bestaunen gibt:

Ansonsten finden sich von mir im neuen farbenfrohen Heft noch Rezensionen zur Anthologie »Machine of Death« sowie Charles Yus Roman »Handbuch für Zeitreisende«, ein Interview mit Game-of-Thrones-Comic-Scripter und Fantastik-Autor Daniel Abraham, ein Artikel zur kommentierten Hardcover-Ausgabe des »Hobbit« sowie die dritte Runde von phantastisch! im Dialog, Letztere mit Beiträgen von u. a. Alan D. Foster und Uwe Post, die sich auf ihre eigene Art und Weise humorvolle Gedanken über den anvisierten Weltuntergang zum Jahreswechsel gemacht haben.

Die Kollegen haben sich indes mit Kevin J. Anderson unterhalten oder über Benjamin Stein, He-Man and the Masters of the Universe und den im März verstorbenen Hanns Kneifel geschrieben. Check it out.

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Silberstreif am Horizont

Freitag, Juli 13th, 2012

In der phantastisch! #47, die morgen bzw. nächste Woche endlich bei vielen Lesern eintrudeln dürfte, ist u. a. mein langer Moebius-Nachruf enthalten. Aber auch in Marvel Exklusiv 99: Silver Surfer habe ich ein paar Zeilen zu Moebius ins Intro geschuggelt…

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Marvel Exklusiv Bd. 99: Silver Surfer

Kaum ein anderer Künstler stand so sehr für die anhaltende Evolution des Comic-Mediums wie Jean Giraud alias Moebius, der am 10. März 2012 im Alter von 73 Jahren verstarb. Ende der 80er schuf der französische Superstar mit Stan Lee sogar eine Silver Surfer-Story, die einen Eisner Award gewann. RIP, Moebius! Evolution und Veränderung sind derweil auch schon immer zentrale Themen der Surfer-Mythologie. Schließlich nahm Norrin Radd für seinen Heimatplaneten Zenn-La einen gigantischen Wandel in Kauf: Norrin bot dem Weltenverschlinger Galactus an, als sein Herold andere Welten für ihn zu suchen, wenn er nur Norrins Heimat verschone. Galactus willigte ein und verwandelte Norrin in den Surfer. Nobel, aber seiner alten Emotionen ebenso beraubt wie seiner Liebe Shalla-Bal, durchstreift der Surfer seither mit geradezu göttlichen Kräften und allein mit seiner schweren Bürde das Universum. Dabei traf er schon öfters auf die Fantastischen Vier, die sich nach dem Tod von Johnny Storm als Future Foundation neu erfunden und u. a. Spider-Man ins Team aufgenommen habe. Die nachfolgende Geschichte, die eine Weile vor Fear Itself und THOR 11 spielt, beschäftigt sich nun mit der Frage, wie viel Norrin Radd noch im Surfer steckt…

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Hier gibt’s noch eine Leseprobe zum Band.

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Tour de France: Adler ohne Krallen

Mittwoch, Juli 11th, 2012

In der aktuellen zitty (15/2012) findet sich nicht nur meine Besprechung zur Anthologie »Machine of Death«, sondern passend zur aktuellen Rundfahrt auch meine Rezension zu »Adler ohne Krallen«, einem tollen Comic-Roman über die rustikalen Anfänge und die ersten Etappen der Tour de France vor dem Ersten Weltkrieg.

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Adler ohne Krallen

Seit 1903 wird die Tour de France schon ausgetragen, mit Unterbrechungen nur während des Ersten und des Zweiten Weltkriegs. Vom Anfang an wurden auf der „großen Schleife“ Helden in Schweiß und Blut erkoren, Mythen und Märchen in Etappen geboren. Früher haben sich die Athleten freilich noch ohne Helme und Leichtmetall auf den Straßen, Pässen und Serpentinen in und um Frankreich gequält: Mit dreizehn Kilo Stahl, Felgen aus Ahorn, dem Ersatz-Schlauch um den Hals geschlungen, dem Proviant in der Tasche am Lenker, und flüssigem Kerzentalg sowie Zinksalbe auf dem geschundenen Hintern. In dieses historische Umfeld der frühen Rundfahrten versetzt der französische Comic-Künstler Christian Lacroix alias Lax sein stimmungsvolles, wunderschön visualisiertes Sportdrama. Darin möchte Protagonist Antoine Fario aus einem kleinen Bergdorf in den Pyrenäen unbedingt an der Tour teilnehmen. Um sich das Geld für ein Rad zu verdienen, arbeitet er als Lastenträger in den verschneiten Bergen – und verliert seine Zehen. Doch nicht einmal das hält ihn von seinem Traum ab, und am Ende fährt er, angefeuert von Freunden und Familie, tatsächlich mit den Großen um den Etappensieg. Einen Widersacher kann jedoch selbst der fiktive Adler von Esponne nicht besiegen. Denn wie viele frühe Tour-Ikonen um Octave Lapize oder Lucien Petit-Breton, verliert auch Lax’ Radrennfahrer das Sprintduell gegen den Ersten Weltkrieg.

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Angezeigt: Tales of Dead Earth

Montag, Juli 9th, 2012

Auch das muss mal wieder sein: Ein bisschen Lobpreisung für KriKras »Tales of Dead Earth« und unser illustriertes »Die Anzeige«, beide nach wie vor in Hermkes Romanboutique und per Mail erhältlich.

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Wild-West-Auftragskiller im Chelsea Horror Hotel

Sonntag, Juli 8th, 2012

Dee Dee Ramone: Chelsea Horror Hotel

Ich nutze den faulen Sonntag zwischen Tagen voll mit zahllosen Redaktionstexten für Panini, Cross Cult und Geek! #2 dann mal wieder für eine Handvoll Impressionen vom Lesestapel der letzten Wochen. Ein paar der Titel erfahren demnächst in der phantastisch! oder der zitty ausführlichere Besprechungen, die ich dann hier vermutlich auch noch mal aufgreife.

»Chelsea Horror Hotel« war der einzige Roman von Ramones-Mitbegründer und Punk-Legende Dee Dee Ramone. Splattert ganz schön, das gute Stück, bricht nach knapp der Hälfte aber auch mal spürbar ein. Trotzdem ein interessantes Buch für alle, die ihren Horror gern fiebrig, hart und voller Drogen und Exzesse haben. Ein wirres, wüstes Denkmal für das legendäre Gemäuer im Herzen von New York City und seine dekadente urbane Legende. Die liebevolle Aufmachung des Wiener Milena Verlags rockt außerdem mal wieder tierisch.

In »Die Sisters Brothers« erzählt Patrick deWitt die Geschichte des ungleichen Auftragskiller-Brüderpaares Eli und Charlie Sisters – und hat sich damit einen eigenen Zugang zum Western-Genre gesucht. Kann letztlich nicht immer 100% überzeugen, die Übersetzung scheint manchmal auch etwas suspekt, aber unterm Strich war die Empfehlung von erfahrenen Trappern wie Neil Gaiman und Lemony Snicket schon gut. Ein moderner Ansatz – ohne verklärte Revolverhelden, ohne Mythologisierung, und immer auf der Klinge zwischen Tragödie und Komödie balancierend. Kein »Deadwood« von Pete Dexter, aber absolut lesenswert, wenn man auf Western steht und da auch mal andersartige und vor allem schrägere Sachen mag.

Verrückt wie der Märzhase: Da muss man schon seine Schlittschuhe anziehen, wenn Jack Taylor ermittelt – denn es wird ein heftiger Ritt. Aber auch ein intelligenter. Taylor mag kosken und saufen und scheitern, zwischendruch strahlt der belesene Ex-Cop vor lauter Weisheit und Poesie jedoch förmlich. Zitiert im zweiten Band »Jack Taylor liegt falsch« fröhlich Raymond Chandler und Jim Dodge und Jack Nicholson, und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Doch so sieht es eben aus, wenn ein promovierter Metaphysiker lakonische irische Detektiv-Krimis schreibt. Dank Ken Bruen und Übersetzer Harry Rowohlt ist jede Seite dieser ungewöhnlichen Hardboiled-Filetstücke eine Herausforderung, aber zugleich auch ein Genuss. Mann, ist das gut. Hoffentlich macht dtv im Frühsommer 2013 mit den Taschenbüchern weiter. Das ist noch lange genug hin, und die Paperbacks sind eine große Verlockung…

Nachdem Bruen unter anderem auch Jim Dodge zitiert hat, erinnerte ich mich daran, wie sehr mir damals Dodges »Fup« gefallen hat, und dass ich mir immer »Die Kunst des Verschwindens« von Dodge holen wollte, das Buch antiquarisch aber immer recht teuer war. Nun für ‘nen läppischen Zehner als halbwegs sauberes Exemplar gekriegt. Worum geht’s? Ein Hippie-Roman, wie einige Kritiker bemerkten und ferner bemängelten, aber sicherlich kein schlechter! Die Stärken liegen zwar fraglos in den ersten beiden Dritteln, und die letzten 120 Seiten sind tatsächlich ziemlich mühsam, aber das macht nichts. Das ist wie die Frage, ob Serien mit 40 guten Folgen, aber ohne Ende oder mit mauem Serienfinale letzten Endes nun sehenswert sind oder nicht. Ob der Weg auch mal das Ziel ist oder das Komplettpaket über den Genuss entscheidet. Romane mit nicht ganz so überzeugendem Schluss, die mich über 300 Seiten bestens unterhalten haben, erachte ich aber als lesenswert. Und jetzt weiß ich endlich auch, was man machen muss, damit Chilis so richtig gemein werden: Man muss sie beschimpfen, auf sie einschlagen und … und noch ein bisschen mehr.

Excelsior!