Archive for März, 2012

Handbuch für Zeitreisende

Freitag, März 30th, 2012

Handbuch für Zeitreisende

Heute machen wir eine kleine Zeitreise zu einem Buch, das ich vor Kurzem gelesen habe: Charles Yus »Handbuch für Zeitreisende«

Die Weisheiten, die einen als Zeitmaschinen-Reparateur in einem ironischen, nicht hundertprozentig fertiggestellten Science-Fiction-Kleinuniversum irgendwann zwangsläufig ereilen? Die meisten Leute leben vorwärts, schauen aber ständig zurück – und das Leben ist in der einen Richtung nicht bedeutungsvoller als in der anderen.

So weit, so gut. Trotzdem versteckt sich Charles Yus Ich-Erzähler mit seinem lediglich ontologisch existierendem Hund, der aus einer TV-Serie geretconned wurde, und seinem Bordcomputer mit Frauenpersönlichkeit und Minderwertigkeitskomplex in seiner eigenen kleinen Zeitkapsel vor dem Vorwärtstaumeln in der Realzeit sowie der Vergangenheit mit seinem Dad, einem der Pioniere der kommerziellen Zeitreise im Zeitalter von Outlook 73.0 und Sexbots. Dort wartet er darauf, anderen zu erklären, wieso sie ihren Großvater nicht umbringen oder ihre Großmutter nicht retten können. Dabei trifft er sogar auf den Sohn von Luke Skywalker, während sich im 31. Kleinuniversum diverse Proto- und Archetypen der Genre-Welt tummeln.

How to Live Safely in a Science Fictional Universe, wie der Originaltitel des Werks im Werk eben sagt, das geschrieben wird, während es gelesen wird, und gelesen wird, während es geschrieben wird. Es geht also, in gewisser Weise, tatsächlich um Kausalität und Zeitschleifen, um Eventualitäten und Entitäten. Um den Wunsch des Menschen, den schlimmsten Moment immer wieder zu durchleben, oder zumindest das Unabänderliche zu ändern – und zu scheitern.

Es wäre nur schön gewesen, hätte Yus Romandebüt nicht bloß den zu erwartenden Vergleich mit Douglas Adams auf dem Backcover im Gepäck, sondern am besten auch gleich einen Babelfisch, um das Techno-Säbelrasseln zwischendurch leichter zu verstehen. Ansonsten ist das schon eine recht hübsche Paradoxen-Hatz und streckenweise ein netter Roman über das wirre, unterm Strich aber doch typisch menschliche Leben, Streben und Scheitern in einem zeitreise-affinen SF-Universum, vereint in einem Buch, dessen ursprüngliches Erscheinungsdatum im Kleinuniversum 31 sich laut Impressum wegen des (spezifischen) Charakters von Objekten in geschlossenen zeitartigen Strukturen nicht genau feststellen lässt.

Dass die Idee, der Witz und die zwischenmenschlichen Details am Ende stärker sind als das Gesamtbild und der Plot, scheint bei genauerer Betrachtung durch das Bullauge der engen Zeitmaschine allerdings geradezu eine Konsequenz zu sein.

700.000 …

Mittwoch, März 28th, 2012

Jetzt wird’s unheimlich.

Excelsior!

675.000

Montag, März 26th, 2012

Das inzwischen fast vollständige Testleserfeedback der ersten Runde macht sich bemerkbar: »Sherlock Holmes und der Tanz der Drachen« ist seit der letzten Zählung auf fast 675.000 Zeichen angewachsen.

Wird mich eine Tastatur, die eingeschickt werden muss, vom Weiterschreiben abhalten? Natürlich nicht. Nervt es mich tierisch? Natürlich. Dann siedel ich mal ans MacBook um…

Excelsior!

Verfluchte Inseln, bei Crom!

Sonntag, März 25th, 2012

Verfluchte Inseln: Conan 17

Wenn ich meine Belege kriege, gibt es immer ein paar Comics, die ich noch mal auf Deutsch lese. Conan gehört dazu – und diesmal war ich richtig überrascht. Nicht, weil Timothy Trumans und Tomás Giorellos Adaption von Robert E. Howards Schatten im Mondlicht richtig genial geworden und ein toller Abschluss für ihre Strecke Conan the Cimmeran ist.

Nein. Ich war überrascht, dass ich in der zweiteiligen Geschichte Insel ohne Wiederkehr von Autor Ron Marz und Zeichner Bart Sears plötzlich etwas entdeckte, das ich beim ersten Lesen einfach nicht gesehen habe.

Sicher, auf den ersten Blick sieht man eine solid-charmante Sword-and-Sorcery-Story von Marz, die dieser mit viel Routine, aber weniger Esprit als etwa »Samurai: Heaven & Earth« umsetzt.Vor allem sieht man aber das Artwork von Bart Sears, dessen Conan-Comicprojekte davor stets in letzter Instanz immer scheiterten, während er allerhand anderes Conan-Artwork produzierte: Die wulstigen Lippen, die übertriebenen Muskelstränge und Proportionen, und die Kolorierung. Akzeptiert man das jedoch, wird man mit einem sagenhaft guten Storytelling und Pacing belohnt, was man bereits auf den nachfolgenden Seiten deutlich sieht.  Großartig, wie Sears den Lesefluss lenkt und die Dynamik des Geschehens betont! Erstaunlich, erstaunlich. Schaut mal rein.

Excelsior!

Tanzende Drachen

Freitag, März 23rd, 2012

Inzwischen ist einiges Testleserfeedback zu »Sherlock Holmes und der Tanz der Drachen« eingetroffen. Ein Bisschen was ist natürlich noch zu machen, und ein, zwei Szenen brauchen auch einen komplett neuen Ansatz – aber zerrissen hat’s erst mal keiner, im Gegenteil. Auch die schleichende strukturelle Wandlung vom Holmes-Krimi zum Polit-Thriller samt Fantasy-Konflikt kam gut an. Bis zur nächsten Panini-Runde werde ich hoffentlich einiges auf der Liste angehen können, damit sich der Roman seiner finalen Fassung nähert. Stay tuned, my dear Watson!

Und bevor ich’s vergesse und weil wir es gerade ohnehin von alternativen fantastischen London-Entwürfen haben: Im Sommer erscheint der erste Band von Bryan Talbots genialer Steampunk-Alternativwelt-Reihe »Grandville« bei Schreiber & Leser endlich auf Deutsch. Und inzwischen ist es definitiv, dass ich einen redaktionellen Text zu einem meiner liebsten Comics aus dem Jahre 2010 beisteuern werde – sweet! Mit Volldampf zurück ans Werk…

Excelsior!

I miss you

Dienstag, März 20th, 2012

Die Neue macht Ärger.

Ihre Tasten-Beschriftung geht ab.

Was nutzt alles Alu und Design dieser Welt, wenn das E nach knapp vier Wochen schon nur noch wie ein I aussieht?! Vedammte $”!&?§! I miss you, mein kleines Mitsumi-Plastik-Monstersound-Klappergestell.

I really, really miss you.

Excelsior!

Comic-Interviews

Montag, März 19th, 2012

Zuletzt führte und übersetzte ich ein paar Interviews mit Comic-Bezug.

Mit Peter Milligan sprach ich für den ersten deutschen Band von »Justice League Dark«. Mit Paul Tobin unterhielt ich mich über Conan für den 18. »Conanz«-Band, in dem seine Story Die Juwelen vo Hesterm abgedruckt sein wird. Mit Ramon Perez sprach ich für die phantastisch! und den Tagesspiegel über seine surreale Jim-Henson-Adaption »Tale of Sand«. Und wenn alles glatt geht, wird in einer sommerlichen Ausgabe von »Zack« ein Interview mit dem neuen Prinz-Eisenherz-Zeichner Thomas Yeates enthalten sein.

Ganz schön gesprächig, diese Comic-Schaffenden.

Excelsior!

Ein feiner dunkler Riss

Sonntag, März 18th, 2012

»Der Teufelskeiler« ist mein Lieblings-Buch von Joe R. Lansdale, dicht gefolgt von »Die Wälder am Fluss«, obwohl ich die ursprüngliche Novelle »Mad Dog Summer« immer einen Ticken knackiger fand als die spätere Romanfassung. Mit »Ein feiner dunkler Riss«, das gerade auf Deutsch erschienen ist, hat Lansdale das 2002 alles noch mal neu aufgegossen und verpackt – und einen weiteren großartigen Southern-Gothic-Roman geschrieben, der »The Bottoms« sogar noch mal toppt, auch wenn er diesmal ein kleines Stück vom Sabine River entfernt spielt. Macht aber gar nix. Ein unglaublich toller und starker Roman, der einmal mehr in den 60ern und im Osten von Texas angesiedelt ist und den ich dann auch in einem Rutsch durchgelesen habe. Man kann gar nicht anders.

Ansonsten lagen auf dem Lesestapel zuletzt noch der komplette Elektra-Run von Greg Rucka (natürlich höchst empfehlenswert, wie so gut wie alles von Rucka), ein paar klassische Ausgaben mit Kurt Busieks Thunderbolts (it’s so 90s …), die letzten Kurzgeschichten der angenehm konstanten, aber in der Summe halt ziemlich makaberen Near-Future-Anthologie »Machine of Death« (um ein Todesorakel und die Auswirkungen auf die Gesellschaft – gut gemacht) sowie die ersten viel versprechenden Seiten von Jesse ›Großbart‹ Bullingtons »Vom Tode verwest«.

Und da sage sie immer, die Dollen lesen nix.

Excelsior!

Monster & Mythen

Freitag, März 16th, 2012

Gerade ist einer der schönsten Bände erschienen, die wir dieses Jahr bei Panini veröffentlichen werden: Die Batman Collection mit den Geschichten von Mike Mignola.

Ein dicker, ganz toller Band, irgendwo zwischen Lovecraft, Jack the Ripper und Hellboy. Viel Elseworlds-Sachen, aber auch Kurzgeschichten aus der regulären Kontinuität tummeln sich auf den gut 250 (!) Seiten, die folgende US-Hefte beinhalten: Batman: Gotham by Gaslight, Batman: The Doom That Came To Gotham 1-3, Batman: Legends of the Dark Knight 54 sowie Material aus Batman: Villains Secret Files 2005 und Batman: Gotham Knights 36. Grandioses Teil, und auch von der Aufmachung her ein echtes Schmuckstück. Gibt’s als Paperback und als limitiertes Hardcover.

Hier mal mein Vorwort zum Band, für den ich als eingefleischter Mignola-Jünger und gestandener Hellboy-Redakteur natürlich verdammt gerne die Redaktion übernommen habe:

»

Monster & Mythen
von Christian Endres

Mike Mignolas Batman in einem dicken Band!

Wer einen Comic von Mike Mignola in Händen hält, erkennt das meistens ziemlich schnell. Schließlich ist Mikes Zeichenstil schon seit Langem unverkennbar – Comic-Gott Alan Moore hat ihn einst als Mischung aus deutschem Expressionismus und dem King of Comics Jack Kirby geadelt. Es sind aber nicht nur Mikes Artwork und Storytelling, die sein Schaffen so charakteristisch machen. Besonders deutlich wird das an Geschichten, die Mike ‘nur’ geschrieben hat, wobei viele Autoren sich ein Bein ausreißen würden, wenn sie überhaupt ‘nur’ so schreiben könnten. Denn wie der gute Mr. Mignola zahlreiche Einflüsse aus seinen persönlichen Interessengebieten zwischen Literatur, Folklore, Pulps und Gruselfilmen anzapft und dabei stets eine ganz bestimmte Atmosphäre erzeugt, ist schon unglaublich. Seine fantastischen Hellboy-Storys sind hier sicherlich das Paradebeispiel, ja mehr noch, der Maßstab. Doch auch in den Batman-Episoden dieses wundervollen Bandes findet sich – quasi in den Schatten über und in Gotham – schon oft jenes Flair, das es in dieser Konzentration nur in den Ausnahmecomics von Mike Mignola gibt.

«

Und hier noch der Link zur Leseprobe bei mycomics.

Excelsior!

Moebius Redux

Mittwoch, März 14th, 2012

Stan Lee & Moebius: Silver Surfer

Gestern habe ich meinen Nachruf auf Jean Giraud alias Moebius geschrieben, der allerdings erst im Sommer in der phantastisch! #47 erscheinen wird.

14.000 Zeichen sind’s  geworden, und ich denke, dass es ein würdiges Portrait für diesen so wichtigen und großen Künstler ist.

Allerdings muss ich ja ganz offen gestehen, dass ich mir das, was Giraud alleine oder mit anderen als Moebius gemacht hat, oft lieber angesehen als durchgelesen habe. Das ist aber in Ordnung, denn Moebius ging es um seine künstlerische Enfaltung und Verwirklichung und die einzelne Sequenz – nicht um die Gesamtsequenz.

Außerdem verehre ich dafür ja den epischen frankobelgischen Abenteuer-Comic-Western Blueberry, besonders den brillanten »Tombstone«-Arc, den Giraud später als Autor und Zeichner auf die Beine gestellt hat. Aber auch in der Frühzeit mit Charlier sind z. B. die marsianischen Wüstendarstellungen des amerikanisch-mexikanischen Grenzlands, zu denen Giraud durch einen neunmonatigen Wüstenaufenthalt in seiner Jugend inspiriert worden war, schon tierisch beeindruckend und gigantisch.

An dieser Stelle mal der letzte Absatz aus dem Script, damit ich zumindest zeitnah auch einen kleinen Abschiedsgroß an den Meister hier stehen habe. Längere Nachrufe von den Kollegen Göllner, Platthaus und Co. gibt’s hier als Übersicht zu den Beiträgen der großen Tageszeitunge und Portale.

»

Blueberry

Der internationale Mega-Star des Comics, der in den letzten Jahren trotz schwerer Krankheit noch immer zeichnete und vor allem seine Notizbücher im Selbstverlag herausbrachte, war ein Künstler mit zwei Gesichtern und lebte mindestens ein Comic-Doppelleben: Auf der einen Seite der Bewahrer des Western-Abenteuers, der all den Revolverhelden, Goldgräbern, Marshalls, Kavalleristen, Banditen und Indianern nach ihrer Vertreibung aus Kino und Literatur zusammen mit Szenerist Charlier auf ewig einen Platz im erwachsenen, anspruchsvollen europäischen Comic einräumte und diesen über mehrere Dekaden hinweg auch gleich zementierte; und auf der anderen Seite der visuell-visionäre Traumwandler, der das Bewusstsein der Comic-Welt in alle Richtungen erweiterte und dabei zu einem Motor und gleichzeitig zu einem Synonym für die rasante Entwicklung des Mediums wurde.

Seit er am 10. März 2012 im Alter von 73 Jahren in Paris verstarb, ist Jean »Moebius« Giraud nun Teil der surrealsten Weltenvorstellung, die man sich nur denken kann.

Einer Welt ohne Moebius.

«

Heute Abend um 22.05 Uhr läuft auf Arte die Dokumentation Moebius Redux – Ein Leben in Bildern. Darin kommen neben Moebius himself auch Stan Lee, Mike Mignola und andere zu Wort. Wer sich auch nur ein bisschen für Comics interessiert, darf sich die tolle Doku nicht entgehen lassen. Ich hab sie gestern für den Artikel erst noch mal geschaut. Lohnt sich.

Bon voyage, Moebius.

Excelsior!