Eigentlich wollte ich zu »Robert E. Howard’s Hawks of Outremer« nur eine knackige Rezension schreiben. Die hätte es dann schon im Verlauf dieser Woche hier im Blog gegeben, und ich hätte sie Lars wohl auch für die Website des Tagesspiegels angeboten (da ich wegen Befangenheit die Conan-Bände von Panini ja nicht besprechen kann, obwohl es mich bei »Cimmeria« seinerzeit ganz schön in den Fingern gejuckt hat …).
Was soll ich sagen? Rats, der Text ist mir entglitten! Was irgendwie aber auch zu erwarten war. Denn auch wenn ich alle paar Monate das Intro und die übrigen Redaktionstexte für die Conan-Comic-Sammelbände schreibe, ist das nicht ganz so intensiv, kann ich nicht ganz so tief eintauchen und schon gar nicht »labern«. Dafür sorgt die Zeichengrenze. Und das ist auch okay. Ich glaube, die Howard-Fans da draußen sind doch etwas rarer gesät, bzw. wird die neue Conan-Serie bestimmt auch von vielen gelesen, denen die Serie für sich genügt.
Well. Inzwischen wurde aus meiner geplanten Rezension zum US-Tradepaperback der Comic-Adaption von »Hawks of Outremer« also ein 15.000-Zeichen-Essay über Howards historische Abenteuer-Erzählungen. Irgendwo zwischen den Absätzen gibt es zwar auch noch so etwas wie eine Rezension zum Comic – aber selbst mit einem Abstecher zur ersten Adaption der Kurzgeschichte als Conan-Comicstory von Thomas und Buscema (es war sogar das erste Conan-Heft überhaupt, das John Buscema zeichnete, nachdem er den Marvel-Bestseller von Barry Windsor-Smith übernommen hatte – es wurde nur als sein drittes Heft in der Monatsserie veröffentlicht) sind es nur 4.000 Zeichen Comic – und 10.000 Zeichen über die Pulps, Howards Vorlieben und Probleme als Autor, sein Ausweichen auf pseudohistorische Fantasy-Settings und mehrere Baukasten-Helden namens Cormac und Conan. Oh, und natürlich Richard L. Tierneys-Blutlinien-Theorie …
What shall I say? Hier lagen also wieder mal alle möglichen Sekundärwerke zu Howard und Conan herum, natürlich auch die alten »Terra Fantasy«-Bände mit den Vorworten von Hugh Walker, und stapelweise »Chronicles of Conan«-Trades von Dark Horse (nein, Göllner, du stygische Kartoffelmade, ich hab »Savage Sword« noch nicht weitergelesen und nach wie vor in die Boxen verbannt; und auch beim Nachlesen der »Chronicles« hänge ich am – allerdings ausgezeichneten – Abschlussband zur Belit-Saga. Doch ich habe mir ernsthaft vorgenommen, künfig wieder einen Band pro Monat zu schaffen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich ja gut Lust, mal wieder den gesamten Zyklus von Howards Prosa-Storys zu lesen und dann mit Conan the Barbarian #1 von Thomas auch noch mal von vorn zu beginnen … aber dann warten da ja auch schon wieder die Trades zu »King Conan«, und … ach, bei Crom!).
Zurück zur Recherche. Natürlich hab ich in Folge meines Querlesens und Nachlesens auch mal wieder die drei sehr schönen Bände der Conan-Werkausgabe von Heyne aus dem Regal geholt, wo sie seit Erscheinen einen Ehrenplatz haben. Zwischen 2006 und 2007 erschienen, folgte man damals der großartigen Wandering Star-Ausgabe, die dann auch von DelRey in den etwas preiswerteren Ausgaben verwendet wurde. Durchweg großartiges Zeug, illustriert von Mark Schultz, Gary Gianni und Greg Manchess, mit Farbtafeln, mit Fragmenten und alternativen Storyfassungen, Vorworten und mehr. Und auch wenn die deutsche Ausgabe im Gegensatz zu ihrem englischsprachigen Pendant drei Mal so viel Platz im Regal braucht – besser kann man Howard/Conan nicht veröffentlichen. Okay, kann man schon, aber dann kostet ein Band 200 Dollar aufwärts …
Wie ich also die drei klotzigen Heyne-Bände mit den Keegan-Covern hier liegen habe und wie üblich bewundere, kommt mir wieder einmal etwas in den Sinn, das mich schon einige Zeit nicht besonders glücklich macht. Denn ich persönlich finde es ja schon ziemlich erschreckend und verdammt traurig, dass zwei dieser drei Bände vergriffen und einfach nicht mehr zu kriegen sind. Ich meine: Ich habe mich ja mittlerweile wirklich damit abgefunden, dass wir die im Original genauso schön bereit stehenden Bände zu Solomon Kane, Bran Mak Morn (beide illustriert von Gianni!), El Borak (illustriert von Tim Bradstreet!) und anderen nicht auch in dieser erstklassig betreuten und illustrierten Variante auf Deutsch sehen werden, so wie es der Best-of-Band mit den Illustrationen von Brom und Frazetta nie nach Deutschland schaffen wird. Ist alles okay. Really. Schade. Aber okay.
Doch taugt der deutsche Fantasy-Markt inzwischen wirklich »so wenig«, dass es sich nicht einmal mehr lohnt, einen kraftvollen Klassiker wie Robert E. Howards Conan in Druck zu halten?
Ich kann die Leute also mit dem (wohl dank einer optimistischeren Auflage) tollen ersten Band noch anfixen – und dann muss ich sie irgendwie dazu kriegen, antiquarisch die nicht von DeCamp bearbeiteten Terra-Conan-Bände und nur das Original-Material von Howard zusammenzuklauben? Das kann’s doch nicht sein, bei Crom!
Und nein: Auf den neuen Conan-Film brauchen wir in der Hinsicht gar nicht erst zu hoffen. So viel hat der Teaser (»Bar…..BARIAN!«) schon mal verraten, würde ich schon jetzt behaupten.
Das haben Conan und Howard echt nicht verdient.
Excelsior!