Archive for Januar, 2011

Winterlicher Cyberpunk, eisige Kirchenkritik

Montag, Januar 31st, 2011

In der neuen Nautilus: Abenteuer & Phantastik #83 dreht sich alles um Tron, Cyberpunk und Fantastik mit Bezug zu den kalten Wintermonaten und eisigen Gefilden.

Und während Lars Schiele Tom Finn zu »Weißer Schrecken« interviewt hat, ist auch endlich mein Interview mit Paul Hoffman zu »Die Linke Hand Gottes« abgedruckt worden, das ich ja schon im Sommer vergangenen Jahres geführt habe (da der zweite Band noch nicht in Sicht ist, präsentiert es sich jedoch erfreulich unangetastet von der Zeit – oder dem winterlichen Cover-Thema).

Im Interview äußerst sich Hoffman extrem kritisch zu seiner Vergangenheit und seinen Erfahrungen mit der katholischen Kirche und rückt seinen untypischen Fantasy-Roman (der eigentlich ein Alternativwelten-Roman und damit mindestens Science Fantasy ist, wie er im Interview ausführt) in einen extrem brisanten Kontext. Es geht um Missbrauch, Gewalt und mehr. Harter Tobak, gutes Interview (wenn ich das mal in aller Bescheidenheit so sagen darf).

Der tolle Cyberpunk-Artikel im Heft stammt übrigens von Oliver Kotowski. Es freut mich schon sehr, dass ich meinen wichtigsten Testleser von »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes« und die Nautilus zusammenbringen konnte, und ich hoffe, dass Oliver noch viele ähnlich fundierte Artikel schreibt und sein oft sehr punktgenaues Expertenwissen mit uns teilt.

Kino-Fans außerdem aufgepasst: Die neue Nautilus enthält außerdem eine üppige Jahresvorschau für Genre-Filme, die in der Form und vor allem Qualität in Deutschland wohl einmalig ist. Wäre auch für alle eine gute Gelegenheit, die NT mal auszuprobieren, wenn ihr sie noch gar nicht kennt, aber Filmfans seid.

Die Ausgabe gibt’s hier wie immer online zum virtuellen Vorab-Durchblättern.

Excelsior!

Cadillacs und Dinosaurier

Freitag, Januar 28th, 2011

Gestern ist beim Tagesspiegel mein Text zu Mark Schultz’ »Xenozoic« online gegangen, den ich angesichts der US-Gesamtausgabe des großartigen Pulp-Stoffes geschrieben habe. Ich will ihn euch natürlich nicht vorenthalten und poste an dieser Stelle mal das unredigierte Script:

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Cadillacs und Dinosaurier

von Christian Endres

Der amerikanische Künstler Mark Schultz illustrierte bereits Robert E. Howards „Conan“. Heute schreibt er die Sonntagsseiten seinen ewigen Helden „Prinz Eisenherz“, neue Abenteuer von Will Eisners „Spirit“ oder erklärt in einem klugen Comic die „Sache mit den Genen“. Nun ist in den USA außerdem eine erste Gesamtausgabe seiner pulpigen Comic-Serie „Xenozoic“ erschienen – als ebenso üppige wie ultimative Edition aller postapokalyptischen Abenteuer zwischen Cadillacs und Dinosauriern.

Seit Jahren wandelt der 1955 geborene Mark Schultz auf den Spuren der großen klassischen Illustratoren, die ihn ebenso wie die gesamte amerikanische Comic-Bewegung nachhaltig beeinflusst und geprägt haben. Dabei ist seine Bewunderung für die alten Meister wie Winslow Homer, Howard Pyle, N.C. Wyeth, Daniel Smith, Dean Cornwell, Herbert Morton Stoops und Frank Hoban mindestens so groß wie seine Liebe für Hal Foster („Tarzan“, „Prinz Eisenherz“) Alex Raymond und Al Williamson („Flash Gordon“), Will Eisner („Ein Vertrag mit Gott“, „Spirit“) oder Fantasy-Maler Frank Frazetta. Heute ist Schultz längst selbst ein großer Cartoonist und Illustrator, der mit Pinsel und Tusche begeistert und zu dem andere Künstler voller Bewunderung aufschauen. Und die Fans der neunten Kunst lieben ihn eh. Warum das so und darüber hinaus mehr als nur gerechtfertigt ist, zeigt die umfangreiche englischsprachige Gesamtausgabe von Schultz’ „Xenozoic Tales“, die vor Kurzem bei Flesk Publications erschienen ist.

Kreativer Protest

Die Serie ist eine Dokumentation von Schultz künstlerischen Vorlieben, seinem Können als Illustrator und seiner Begeisterung für Abenteuerstoffe aus den Groschenheften und dem Kino, „Hatari“ und natürlich Dinosaurier, in die er sich schon im Alter von sechs Jahren verliebte, als er das erste Mal in ein Naturkundemuseum mit einer entsprechenden Abteilung ging. Gleichzeitig war das Setting zwischen Cadillacs und Dinosauriern auch ein künstlerischer Protest gegen Schultz damaligen Brotjob als Werbegrafiker kurz nach dem College. „Ich wusste nicht wirklich, wo ich mit der ganzen Idee hin wollte“, gestand Schultz einmal, als er über die ersten Storys der Reihe sprach. „Es ging mir am Anfang nur um absolute Kreativität.“ Wie bei vergleichbaren Endlosserien anderen á la „Prinz Eisenherz“ war Schultz’ Ziel ohnehin niemals ein echtes Ende, eine Klimax oder ein großes Finale – der Weg war immer das eigentlich Ziel, und er sollte möglichst unterhaltsam sein und Freude beim Inszenieren und Entdecken bereiten.

Erdneuzeit

So wie Schultz’ Zeichenstil seit jeher von seiner Bewunderung für die alten Meister und die ersten Veteranen seiner Zunft geprägt ist, schwankt das Setting von „Xenozoic“ irgendwo zwischen J. G. Ballard und Edgar Rice Burroughs. In 14 Heften und gut 20 Kapiteln erzählte Schultz zwischen 1986 und 1996 die Geschichte der Welt nach dem Kataklysmus, dem Zusammenbruch und Untergang der menschlichen Zivilisation also. Das Zeitalter nach dem großen Knall ist das Känozoikum, die Erdneuzeit – im Englischen Cenozoic, woraus Schultz kurzerhand Xenozoic gemacht hat, denn im Geiste der Pulp-Literatur muss es ja schließlich fetzig und reißerisch klingen.

In den Ruinen der einstigen Zivilisation kämpfen die Menschen, die das Fiasko im Untergrund überlebt haben, inzwischen wieder an der Oberfläche und hier in den verwilderten, teils überfluteten Metropolen von einst ums Überleben – mit Messern, Bogen, Ruderbooten und Gewehren, einfachen politischen Rats-Systemen und wenig Kontakt zu anderen Enklaven, dafür aber mit viel Feindkontakt zu Flora und Fauna. Ein Mittler zwischen den wenigen Menschen und der in voller prähistorischer Pracht auferstandenen Wildnis sind Männer wie Jack Tenrec: Er ist eine Art Mechaniker-Schamane, der für die Cadillacs der alten Welt ein genauso geschicktes Händchen hat wie für das Gleichgewicht der neuen Welt, in der die Menschen nun als arg geschwächter Teil der Nahrungskette überleben müssen. Aber so wie die von Tenrec umgebauten Cadillacs nun mit Dino-Dung laufen, hat sich noch mehr in dieser Welt gut fünfhundert Jahre nach dem Ende der alten Ordnung verändert. Nur die menschliche Habgier und der Hang zu den ewig gleichen Fehlern ist unverändert geblieben, wie Ternec und die bildhübsche, extrem manipulative Übersee-Botschafterin und Spionin Hannah Dundee oft genug zu spüren bekommen …

Umweltbotschaft

Nach einer Handvoll eher lose zusammenhängenden Geschichten, in denen das für sich stehende Abenteuer groß geschrieben ist und Schultz das Fundament seiner Welt legt, sind die restlichen Episoden wesentlich stärker verknüpft, und politische Intrigen und Machtspielchen treten in den Vordergrund. Das ist nicht immer ganz so charmant wie davor, hat aber eine ganz eigene Sogwirkung. Und neben den Abenteuern mit Cadillacs, Mammuts, Dinosauriern, verrückten Wissenschaftlern, unbelehrbaren Jägern und korrupten Politikern ist da immer auch noch Platz für eine Umweltbotschaft, die in vielen von Schultz’ Werken durchklingt  – in „Xenozoic“ meist dann, wenn Tenrec als raubeiniger, simpel gestrickter Schamane mit Gewehr und Faust für das Gleichgewicht in der Erdneuzeit und Gerechtigkeit gegenüber der archaischen Natur sorgt, die die gesamte Menschheit schon einmal fürchterlich bestraft hat und es mit Sicherheit jederzeit wieder tun würde.

Tolle Optik

Zeichnerisch überzeugt Schultz Panel für Panel, selbst wenn ein paar Seiten mal etwas arg altbacken erzählt sind. Das große Vorbild Foster ist allgegenwärtig, aber auch die Anleihen bei Eisner und Frazetta sind unverkennbar. Mit grandiosem Pinselschwung, viel Dynamik und doch auch immer großer Eleganz lässt Schultz die Erdneuzeit in stimmungsvollem Schwarzweiß Gestalt annehmen. Dass die „Xenozoic Tales“, an denen Schultz während der Arbeit auch viel über das Handwerk eines Comic-Erzählers lernte, zu Beginn und auch jetzt wieder ohne vierfarbige Kolorierung veröffentlicht wurden, hatte mit dem Erfolg der „Turtles“ zur Entstehungszeit zu tun, die ebenfalls ohne Farbe zu einem Hit geworden waren. Später gab es zwar kolorierte Nachdrucke der Erdneuzeit-Abenteuer bei Marvel – zum Glück hat man für die Gesamtausgabe aber auf die Urfassung zurückgegriffen, in der jede Linie und jeder Pinselschwung eine wahre, unverfälschte Freude sind.

Für die englischsprachige Gesamtausgabe wurden bis auf zwei Storys außerdem alle Hefte anhand von Schultz’ Originalseiten neu eingescannt (die knapp 20 Seiten, bei denen das nicht mehr möglich war, wurden anhand von Repros neu digitalisiert, was ihrer Qualität keinen Abbruch tut). Entsprechend gut kommt Schultz’ Artwork in der Neuausgabe rüber, selbst wenn die redaktionelle Betreuung des überformatigen Paperback-Klotzes trotz Vorworts ein wenig dürftig ausgefallen ist und ausnahmsweise mal kein teures Deluxe-Hardcover als Alternative bereit steht. Dafür hat der Band andere Vorzüge, wie Verleger John Fleskes erklärt: „Das Buch enthält alle Geschichten, die Mark Schultz bis heute geschrieben und gezeichnet hat. Für die Deckblätter der Storys hat er außerdem zwanzig neue Zeichnungen angefertigt. Dazu kommen ein paar weitere Illustrationen und das handkolorierte neue Cover.“

Rückkehr

Und nachdem es in den 1990ern sogar eine „Xenozoic“-Trickserie, Actionfiguren, ein Rollenspiel, ein Konsolen-Videogame, eine Soundtrack-CD zur Comic-Welt und ein paar Hefte mit neuen Geschichten anderer Künstler um Comic-Legende Roy Thomas gab, fehlt nun eigentlich einzig und allein noch Mark Schultz’ Rückkehr zum nicht aufgelösten Handlungsbogen in seinem letzten Heft von 1996 – etwas, woran Schultz über Umwege arbeitet, wie er in Interviews immer wieder sagt: „Es ist nur eine Frage der Ökonomie. Ich möchte zu Xenozoic zurückkehren. Das ist mein Baby. Und in der Welt gibt es noch so viel, das ich erkunden möchte, auch jenseits des Atlantiks.“ Außerdem hat er angeblich schon seit einiger Zeit eine Idee, um mit einer einzigen vierteiligen Story sowohl den Cliffhanger aus den 1990ern aufzulösen, als auch eine für sich stehende Geschichte zu schaffen.

Doch Zeit und Geld sind ein Problem für den langsam arbeitenden Künstler, für den sich der Kreis in den letzten Jahren jedoch längst auf andere Weise geschlossen hat: Seit 2004  ist er der Autor und gelegentlich auch Zeichner der „Prinz Eisenherz“-Sonntagsseiten, und 2010 schrieb er ein paar neue Abenteuer von Will Eisners „Spirit“ für DC, nachdem er einige Jahre zuvor schon „Superman“ textete.

Aber vielleicht gelingt Schultz ja doch irgendwann die Rückkehr in die Erdneuzeit, die er so stimmig in Szene gesetzt hat, so wie den Dinosauriern auch oft genug die erfolgreiche Rückkehr in die Massenmedien gelang.

Bis dahin gilt: Cadillacs und Dinosaurier – auch nach all der Zeit immer noch eine unschlagbare Kombination!

Mark Schultz: Xenozoic (englischsprachige Gesamtausgabe)
Mit einem Vorwort von Craig Elliott
Flesk Publications, großformatiges Paperback,  352 Seiten, Oktober 2010.
Leseprobe, Bilder

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Wer sich selbst mal ein Bild von dieser tollen Serie machen möchte, nach deren Fortsetzung nicht nur ich lechze, muss übrigens wohl zum Original bzw. nun diesem praktischen Sammelband greifen: Im Moment sieht es nämlich leider nicht danach aus, als ob die paar ernsthaft in Frage kommenden deutschen Verlage für einen solchen Pulp-Titel zugreifen werden.

Excelsior!

Vorschauende Rächer – und das am helllichten Tag …

Donnerstag, Januar 27th, 2011

Während ich auf meine Panini-Beleg-Lieferung warte und mich weiter emsig durch die To-Do-Liste dieser Woche schufte (die sich Heyne und Festa noch immer irgendwie mehr oder weniger brüderlich teilen, was ich aber gar nicht unspannend finde), hat es sich durch Zufall ergeben, dass mir schon mal vorab die neue Panini Vorschau (#36) ins Haus geflattert ist.

Ich widme dem deshalb einen eigenen Eintrag, weil es ein kleines Dienstjubiläum für moi ist. Denn Anfang 2009 steuerte ich zur Panini Vorschau #26 damals meine ersten deutschen Previews-Texte für Marvel bei.

Nun, zehn Ausgaben und zwei Jahre später, stammen inzwischen Ausgabe für Ausgabe die kompletten Marvel-Texte von mir, die Conan-Vorschau, und ab dieser Ausgabe nun auch zwei, drei DC-Texte (zu den Titeln, die ich 2011 als Redakteur übernehme, z. B. die Brightest Day-Hauptserie).

Wie ihr am Cover der PV von John Romita Jr. unschwer erkennen könnt, dreht sich in der aktuellen Vorschau (der ersten ohne Schutzgebühr, falls das für jemanden von Interesse ist) alles um die Helden-Ära (Heroic Age) und die neue monatliche Avengers-Heftserie mit Bendis’ Avengers und New Avengers. Die Rächer alias Avengers. Ab März bei Panini. Check it out Joe, ha!

Vorhin habe ich Burkhard außerdem ein paar Vorschläge für das kommende ICOM COMIC!-Jahrbuch gemailt. Ihr wisst ja: Nach dem Jahrbuch ist für Redakteure vor dem Jahrbuch ;) Mal sehen, ob ihm was davon gefällt.

Excelsior!

Viel zu tun und ein besonderer Abschied …

Mittwoch, Januar 26th, 2011

Eigentlich wollte ich heute ja ein paar Oz-Rezensionen der Kollegen bloggen oder wenigstens, dass die neue Nautilus erschienen ist. Aber das muss ich wohl auf morgen verschieben, denn: How I met your mother is near.

Der Bryan-Talbot-Text musste heute ruhen. Dafür habe ich einer Horror-Kurzgeschichte für »Omen 3« den letzten Schliff gegeben, bevor sie an die Testleser ging, und das Layout von »Zookland« für Atlantis abgeschlossen (ich mach nicht mehr viel in Sachen Layout, das gibt die Zeit einfach nicht her und sooo gern mach ich’s auch nicht, aber zwischendurch helfe ich aus, und das war schon sehr lange vereinbart … das sollte es für das erste Halbjahr aber locker gewesen sein).

Und auch die grobe Übersetzung des gut 12.000 Zeichen starken Interviews mit Kim Paffenroth, Autor zwischen Theologie und Zombies und deshalb interessant für ein Gespräch über Wiederauferstehung und George R. R. Romero (ebenfalls für »Omen«), ist so weit übersetzt, dass ich morgen nur noch ein letztes Mal drübergehen muss, ehe ich es eintüten kann. Jetzt muss an der Interview-Front nur noch Frank Cho endlich mal zucken …

Traurige Nachrichten außerdem: Ich hab den sechsten und finalen Starman-Omnibus ausgelesen, und … das war’s (ich weiß, dass das Bild hier nicht das Cover des Hardcovers ist – aber es ist ein tolles Cover und sehr schickes Bild, oder?). Schönes Ende. Nicht der beste Band in seiner Gesamtheit, aber vermutlich der Band mit den stärksten Einzelheften. Goodbye, James und Jack, es war mir eine Ehre und natürlich ein Vergnügen! Und schön auch, dass Robinson heute wieder so aktiv für DC ist. Mal schauen, dass ich das Geoff Johns-Vorwort für den Band etwas für ein Brightest-Day-Editorial ausschlachte. Bei der Gelegenheit: Ich werde, wie’s aussieht, wohl die neue Green-Arrow-Serie ab Sommer betreuen. Bullseye!

Toll auch, dass der Rocketeer so gut an prominenter Stelle besprochen wird, wie man hier schön sehen kann. Von TV Spielfilm bis Thomas Wörtche, und der Playboy steht in den Startlöchern, nach allem, was man so hört. Zeig’s ihnen, Raketenmann! So wie die betreffenden Organe mit Vorliebe die dralle Betty zeigen …

Excelsior!

Intervista

Dienstag, Januar 25th, 2011

Peter Parker hatte sein Italien-Abenteuer samt Dokumentation in Schrift und Bild – und nun gibt es auch Bilder von meinem Italien-Ausflug.

Der werte Mr. Del Grande, der weiß, was für eine credit-whore ich tief in meinem Autoren- bzw. Redakteursherzen bin, hat mir heute Nachmittag ein Foto von der Redaktionsseite des im Dezember 2010 bei Panini Italien/Marvel Italia erschienenen Spider-Man #548 geschickt (wer sich über die hohe Nummer wundert: in Italien hat wohl zumindest eine Spidey-Serie ziemlich konsequent durchgezogen. Aber ich schiele ja auch schon auf unser Spider-Man #100 in weniger als zwei Jahren, insofern …).

Im Heft aus dem Land des Panini-Mutterschiffs findet sich neben Max Brieghels Interview mit Spidey-US-Redakteur Steve Wacker auch mein Interview mit Fred Van Lente, das auf Deutsch in Spider-Man #80 zu finden ist, das hierzulande ebenfalls im Dezember des letzten Jahres erschien.

Ein Klick vergrößert die ganze Angelegenheit wie immer:

Excelsior! Oder doch eher Excelsorio?

Metatropolistischer Trend

Montag, Januar 24th, 2011

Als ich in der zitty über »Metratropolis« geschrieben habe, ist das vermutlich nicht mal ein Sturm im futuristischen Wasserglas gewesen.

Wenn Spiegel Online nun über John Scalzis Science-Fiction-Storysammlung berichtet, springt das Buch bei Amazon prompt auf Verkaufsrang 1 in Sachen Fantasy/Science Fiction.

Not bad, and ’nuff said.

Aber hey, mein Riecher war gut ;)

Und schön, wenn ein Science Fiction-Buch doch noch so einfach so gepushed werden kann und in der Folge gelesen wird, auch wenn es unterm Strich konzeptionell und thematisch interessanter und besser ist als in der eigentlichen Umsetzung.

Excelsior!

Meine Nacktbilder

Sonntag, Januar 23rd, 2011

Unter der Woche bekam ich eine freundliche E-Mail-Anfrage vom Friedrich Verlag. Man stelle gerade eine weitere Ausgabe der pädagogischen Fachzeitschrift »Geschichte lernen« mit Unterichtsmaterialien für Lehrer zusammen, diesmal sei das Thema  Antike in der Geschichtskultur, und ob man nicht eine Online-Rezension von mir auszugsweise dort zitieren bzw. abdrücken dürfte.

Prinzipiell natürlich kein Problem, wenn nett angefragt wird und die Sache erkennbar seriös ist – ein bisschen unwohl fühlte ich mich trotz geschmeicheltem Ego dann aber doch. Denn so eine Online-Rezension aus dem Sommer 2006 ist natürlich nichts, mit dem ich hausieren gehen würde. Ich predige ja immer, dass man zu seiner Entwicklung als Autor stehen soll, und davon weiche ich auch nicht ab.

Doch wenn sich Promis über Nacktbilder und selbst gedrehte Pornos Gedanken machen oder designierte Führungskräfte über Foren- und Facebook-Einträge für die Ewigkeit, dann müssen wir Autoren und Redakteure wohl auch mal über unsere Jugendsünden, unsere Leichen im Keller nachdenken.

Früher sind solche Texte in Fanzines gelandet, Auflage 100, vielleicht 200 Stück, heute in staubigen Kisten sicher auf Dachböden versteckt oder in gefluteten Kellern auf immer zerstört. Und heute? Heute freut man sich zu Beginn seiner Schreibkarriere über jede Web-Veröffentlichung einen Ast ab. Jeder hat die Zeit, wo er zu viele Texte online packt, Sachen wie im Rausch rezensiert. Das ist gut. Das hilft, schnell den Stil zu finden, denn wer viel schreibt, der lernt viel darüber und entwickelt sich erfreutlich schnell weiter. Nicht zurückschauen, immer nach vorn. Steigern. Verbessern. Eine ganz natürliche Evolution von Stil und Können.

Aber die Texte verschwinden nicht mehr in Kellern oder auf Dachböden. Ja mehr noch, sie haben wahrscheinlich wesentlich mehr Leser als jeder Fanzine-Text. Vielleicht sogar als so manches Special-Interest-Magazin, im Laufe der Zeit, da sie online stehen. Nicht zu vergessen, dass Google und Co. gezielte Suchanfragen möglicherweise genau zu diesem Text führen. Auch Jahre später. Man schreibt längst ganz anders, kürzer, fokussierter, nicht mehr so effekthascherisch und stilstisch künstlich aufgeblasen – aber wer über eine Suchmaschine kommt, den juckt es nicht, dass der Text schon fünf Jahre und mehr alt ist (und man kann nur hoffen, dass ihn der Name genauso wenig juckt).

(Im Falle des angefragten Textes kommt übrigens noch dazu, dass die Rezension einen Comic aus einem Verlag behandelt, für den ich inzwischen regelmäßig tätig bin. Damals war das alles unbefangen, sicher, auch kein Problem – aber wer das Datum des Textes nicht kennt, könnte sich womöglich wundern).

Ohne die Findungsphase und Probierphase online würde ich heute nicht in all den anderen Bereichen arbeiten und schreiberisch aktiv sein, deshalb weiß ich um die Wichtigkeit meiner »Nacktbilder« – aber ich wünschte mir manchmal schon, sie entweder alle noch mal zu überarbeiten, oder einfach vom Netz zu nehmen ;)

Excelsior!

Spirits of Starman

Freitag, Januar 21st, 2011

Das war heute so ein richtiger Vorzeige-Besuch im Comicshop: Viel gutes Nerd-Gequatsche (»classical shop talk«, wie Burn es so schön nannte, woraufhin wir uns wie Roy Thomas, Will Eisner und Frank Miller vorkamen), und zwischen neugierigem Stöbern und eingetrudelten Bestellungen viele Schmankerl:

Etwa Starman Omnibus Vol. 6« (mit Starman #81 - brav, DC!), ein noch originalverpacktes »Spider-Man: Spirits of Earth«-Hardcover von 1990 (das Condor-Paperback der von Charles Vess geschriebenen und gezeichneten Spidey-Graphic-Novel, die in Schottland spielt, darf also in Rente …), einen Satz Brubaker-Batmans aus DC Comics Presents, und ein paar andere schöne Sachen.

Und selbst in der sonst sträflich vernachlässigten Grabbeliste fand sich mit Savage Sword of Ares #1 ein nettes Teilchen. Ein Erfolg auf ganzer Linie also.

Halt die Klappe, Geldbeutel. Du auch, Platz.

Excelsior!

Die Helden der Belagerung

Freitag, Januar 21st, 2011

Der Januar lockt zum Ende noch mal mit Schnee – und mit Panini-Novitäten.

Ich freue mich besonders auf den neuen  Thor Sonderband. Der steht ganz im Zeichen von The Siege – Die Belagerung – genauso wie das erste von zwei Specials zum knackigen Event um die Belagerung Asgards.

In Die Helden von Siege – Die Belagerung sind alle US-One-Shots enthalten – ihr solltet den Band, zu dem ich mal wieder Vorwort, Nachwort und Klappentext geschrieben habe, unbedingt vor dem vierten Heft der Hauptserie lesen.

Ebenfalls neu in den Auslagen: X-Men Noir 2, Marvel MAX 38: Punisher – Abgrund des Bösen, und Deadpool 1.

Waren die redaktionellen Texte zu den ersten beiden Titeln vertrautes Terrain, war die Konzeption der Deadpool-Redaktionsseiten wirklich tricky. Das Marketing wollte hier etwas besonders abgefahrenes für den Söldner mit der großen Klappe, so ein bisschen wie damals bei den Lobo-Heften. Das alles aber in Einklang gebracht mit einem nicht allzu aufwendigen Layout und einer gewissen Reproduzierbarkeit.

Ich weiß nicht, ob die Anforderungen alle erfüllt sind – aber es ist mal etwas völlig anderes für mich zum texten. Klar, die Ich-Perspektive bei den Intros zum Punisher ist auch nicht gerade Standard – aber Deadpool ist schon eine andere Nummer.

Mal sehen, wann sich die ersten Leser lauthals darüber beschweren werden, wie dämlich das Zeug hinten im Heft ist … ;)

Excelsior!

Veilchenblaues Todeslinien-Jubiläum

Mittwoch, Januar 19th, 2011

Die deadline feiert mit der wie immer äußerst umfangreichen und schön gelayouteten Januar-Ausgabe ihr 25. Heft voll interessanter Aufmacher und lässiger Texte, Interviews und Besprechungen zu Genre-Filmen aller Art und Qualität.

Und ich geb’s zu: Ich würde mich jedes Mal gern viel ausführlicher mit dem Heft beschäftigen. Doch meistens kommt das Beleg, wenn der Schreibtisch voll liegt, und dann geht nicht mehr als eine Stunde – und das ist definitiv zu wenig für all den Stoff, den die Kollegen beackern (mit der Nautilus und der phantastisch! geht es mir oft ähnlich, wie ich ferner gestehen muss; vielleicht kann ich das im weiteren Verlauf von 2011 ja wieder ändern, es würde mich freuen. Und sei es nur, um die »Konkurrenz« im Blick zu haben ;) ).

Nichtsdestotrotz: Salute, deadline!

Und auch im Jubiläumsheft hab ich wieder eine kleine Comic-Besprechung:

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VEILCHENBLAU
Story: Neil Gaiman
Zeichnungen: Dave McKean
Hardcover, 48 Seiten
Verlag: Nona Arte

Das Debüt des italienischen Verlags Nona Arte auf dem deutschen Markt öffnet die schon etwas betagteren Violent Cases zweier Herren, die heute nicht mehr aus dem Medium und seiner anhaltenden künstlerischen Grenzerweiterung wegzudenken sind: Neil Gaiman und Dave McKean. VEILCHENBLAU war die erste längere Zusammenarbeit der beiden Briten, die 1987 zunächst in Schwarzweiß veröffentlicht wurde. Der Erzähler, der wie in einigen anderen von Gaimans besten Geschichten wieder einmal an den smarten Briten selbst erinnert, denkt zurück an seine Kindheit, als er kurioserweise vom Osteopaten Al Capones behandelt wurde, dem er später noch einmal begegnete, als der Knochendoktor wiederum von seiner eigenen Vergangenheit in Form schweigsamer Männer mit Mänteln und Hüten eingeholt wird. Dabei dauert es nicht lange, bis die Erinnerungen auf den außergewöhnlich gestalteten Seiten verschwimmen und ein Eigenleben beginnen, sodass ein blaustichiges Zerrbild aus kontrastreichen Gegenüberstellungen, Impressionen und Fragen entsteht. Was ist damals wirklich passiert? Wie ist es wirklich geschehen? Was ist Erinnerung, was Interpretation?

Gaiman liebt es, das menschliche Unterbewusstsein und seine oftmals erstaunlichen Blüten und Früchte zu erkunden, um sie mit kubistischer Freude in Szene zu setzen. Unter diesem motivischen Aspekt war VEILCHENBLAU schon bei Erscheinen ein Fingerzeig in Richtung seines innovativen Comic-Meilensteins SANDMAN, wo Gaiman sich ab 1989 erneut ebenso exzessiv wie avantgardistisch mit der Beschaffenheit von Erinnerungen, Träumen und Geschichten beschäftigte.

In den letzten paar Jahren sind hierzulande erfreulich viele Comic-Einzelwerke des Fantastik-Virtuosen in schönen Ausgaben neu aufgelegt worden, darunter Kollaborationen mit Ausnahmekünstlern wie Michael Zulli, John Bolton und eben Dave McKean. Unter diesen erscheint VIOLENT CASES lange nicht so sperrig und schwer zugänglich wie manch andere Zusammenarbeit des Dreamteams Gaiman/McKean. Letzterer wirkt an diesem Band noch ein wenig gemäßigter – die erzählerische Magie und Qualität ist jedoch schon unverkennbar Neil Gaiman.

(christian endres)

Tolles Frühwerk

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Zur Oz-Besprechung von Madame Paulus mehr, wenn auch die Nautilus in den nächsten Tagen erschienen ist. Dann gibt es hier einen Thread mit den Rezensionen der Kollegen aus den drei in diesem Beitrag genannten Magazinen.

Excelsior!