Zurückgespult: 2010
Freitag, Dezember 31st, 2010Ich steh ja nicht so auf die obligatorischen Jahresrückblicke, in denen man sich selbst auf die Schulter klopft, Läuterung verspricht und überlegt, was im neuen Jahr so kommen könnte.
Aber vielleicht sollte ich doch ein bisschen mehr an dieser Stelle schreiben, weil 2010 ein Jahr war, in dem sich einiges drastisch verändert hat. Dem würde es wahrscheinlich nicht ganz gerecht werden, nur das beste Buch oder den besten Comic des Jahres zu nennen, und weiterzuziehen. Es würde zu mir und meiner Einstellung gegenüber Silvester passen, aber … nun gut.
2010 haben zwei Dinge geklappt, auf die ich viele Jahre hingearbeitet und geschwitzt und manchmal auch geblutet habe, so wie das eben sein muss (niemand möchte auf der Nudelsuppe daherschwimmen; ich jedenfalls nicht): Ich habe mich endlich als freier Autor selbstständig gemacht – und ich habe höchst offiziell die Redaktion der deutschen Spider-Man-Titel übernommen. Besser geht es in der Hinsicht nicht – warum, habe ich hier oft genug erläutert. Der Weg war ganz schön steinig, mir ging unterwegs einige Male nicht nur fast die Puste aus, und ich bin ein paar Mal auf die Nase gefallen – trotzdem bin ich 2010 ins Ziel gekommen. Das ist ein schönes Gefühl, darüber darf man dann auch mal ein paar Sätze verlieren.
Und ohne es jetzt zu sehr ins Licht zu zerren oder zu sehr klein reden zu wollen: Klar war es super, zum zweiten Mal in Folge den Deutschen Phantastik Preis zu gewinnen – nicht nur, weil ich nun zwei tolle Buchstützen habe, sondern vor allem deshalb, weil »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes« ein Buch ist, auf das ich so verdammt stolz bin.
Natürlich bin ich auch auf das Baby stolz, das dieses Jahr das Licht der Welt erblickt hat, und gerade durch die tolle Zusammenarbeit mit Volkan war »Die Zombies von Oz« für sich auch wieder etwas Besonderes. Aber dem guten Mr. Holmes samt Sidekick gehört einfach mein Herz, sorry, Dorothy. Aber keine Angst, Baby, vielleicht schenke ich dir ja mein Herz, wenn du dich 2011 plötzlich wie der Teufel verkaufen solltest. Kauf dir meine Liebe, Kleines!
Der erste Gratis Comic Tag war ebenso wie der diesjährige Comic-Salon in Erlangen toll (auch wenn ich mir für den Salon mehr Zeit hätte nehmen müssen – aber hey, ich hatte ein Buch fertig zu schreiben und hätte mir eigentlich nicht mal den Samstag gönnen dürfen …). Und dass ich den Weg zu Twitter und inzwischen vor allem Facebook gefunden habe (ga, Du Neigschmeeggde?), steht sicherlich auch auf der Haben-Seite 2010.
Die anderen Projekte, die ich z. B. mit meinen Salon-Begleitern Volkan und Christian [Krank] angegangen habe, waren aus künstlerischer und menschlicher Sicht ebenfalls ausgesprochen gute Erfahrungen, und ich hoffe wirklich, dass wir das 2011 und darüber hinaus noch weiter ausbauen werden (am 15. Januar signieren wir übrigens nachmittags gemeinsam in Hermke’s Romanboutique).
Überhaupt gefällt es mir sehr, wie die Verbindung mit dem Laden und den Jungs irgendwie von Monat zu Monat wächst. Das hat, denke ich, zum einen schlicht damit zu tun, dass man sich nun einfach doch schon länger kennt inzwischen, und zum anderen damit, dass wir durch den Stammtisch alle etwas näher zusammengerückt sind auf beruflicher Ebene. Hermke ist das Zentrum, und alles außen herum wirkt irgendwie belebter – man traut sich z. B. -auch mal, mehr ausschließlich mit lokalem Bezugzu auf die Beine zu stellen (gerade der Gratis Comic Tag hat da durch seinen positiven Gesamteindruck sehr geholfen, würde ich sagen). Man darf auch hier gespannt sein, was wir nach dem großen Jubiläums-Samstag im Laden 2011 ff. noch so alles stemmen.
Neben Spidey, DPP und beruflicher Weiterentwicklung hat’s dem Ego natürlich auch ausgesprochen gut gefallen, dass ich nun auch beim Tagesspiegel immer wieder mal mit einem Text verteten bin. Und dass ich meinen fetten Dave-Stevens-Essay doch noch im deutschen »Rocketeer« untergebracht habe, hat mich mindestens so gefreut wie die angenehme Aufgabe, das Intro zum ersten GCT-Marvel-Heft zu schreiben.
Generell muss ich sagen, dass mir meine Arbeit für Panini mehr Spaß macht denn je, jetzt, da ich nicht mehr so gehetzt rangehen muss, selbst wenn die Dedlines tough sind. Es gibt eigentlich fast kein Editorial, das ich nicht gern schreibe – und ich bin gespannt, was 2011 auf dem Gebiet für mich bereihalten wird. Anfang Januar erscheint so nun ja mein erstes offizielles DC-Editorial …
Doch, all diese Dinge haben 2010 zu einem recht erfolgreichen Jahr gemacht, menschlich, beruflich, künstlerisch.Klar, es gab bei all dem auch immer wieder persönliche wie berufliche Rückschläge oder Hürden, die zu hoch waren – aber die sind doch uninteressant, so lange man weitergelaufen ist.
Jetzt noch die obligatorischen Grüße vom Lesestapel des ausklingenden Jahres:
Beste Neuerscheinung (Buch, Einzelband): Das ist, wie immer, richtig schwer, aber es dürfte wohl Michael Chabons »Schurken der Landstraße« gewesen sein, weil es mich auf jeder Seite mit seiner Fabulierwut und seinen Protagonisten an Fritz Leiber und Fafhrd und den Grauen Mausling erinnert hat. Einfach wunderbar, dieser Roman.
Beste Neuerscheinung (Buch, Serie): Sir Terrys »Der Club der Unsichtbarten Gelehrten«. Und spart euch die Kritik wegen der angeblich miesen Übersetzung. Zieht nicht.
Beste fortlaufende Serie (Comic): Wie im Vorjahr und ohne viel Zweifel: Scalped.
Bester Comic-Sammelband (aktuell): Great dog in heaven, it speaks! Das war dann wohl das »Beasts of Burden«-Hardcover, dicht gefolgt von Marvels »Dark Avengers: Ares«-Tradepaperback und »Madame Xanadu: Exodus Noir«. Aber auch »Powers: The Definitive Hardcover Collection 4«, »Gotham Central HC 3« und »Superman: Secret Origin« haben mächtig Spaß gemacht … und jetzt hör ich auf, sonst wird das mit dem »bester« echt lächerlich.
Bester Comic-Sammelband (Neuauflage): Mark Schultz – »Xenozoic«
Auf dem Comic-Sektor hat mich dann natürlich noch sehr gefreut, wie stark Amazing Spider-Man in diesem Jahr über weite Strecken als Serie war, und dass die ersten Ausgaben von Dan Slott und Humberto Ramos genauso gerockt haben wie Bendis’ Ultimate Comics Spidey. Vertigo hat wieder tolle Comics rausgebracht (mal sehen, wie sich die »Vertigo Crime«-Sachen entwickeln werden). Die größte Enttäuschung in Sachen Comics war für mich die »Shockrockets«-Neuauflage von IDW. Ansonsten eigentlich ein sehr positives Jahr mit reichhaltig, guter Lektüre, teilweise sogar herausragend guten Stoffen.
In diesem Sinne, wir sehen und lesen uns im nächsten Jahr. Kommt gut rüber.
Excelsior!









