Archive for Juni, 2010

Berliner Prometheus

Mittwoch, Juni 30th, 2010

In der aktuellen Ausgabe des Berliner Stadtmagazins zitty (14/2010) gibt’s mal wieder einen Literatur-Aufmachertext aus meiner Feder, und zwar über Mary Shellys »Frankenstein« und die Urfassung der klassischen Geschichte von Dr. Frankenstein und seinem modernen Prometheus – Interpretationsmöglichkeiten und Wissenswertes gibt es zu Buch und Autorin ja ausreichend, auch wenn das Klischee des tumben Monsters meistens übermächtig scheint. Prämisse meines Textes war dann auch, genau dieses gängige Vorurteil immer wieder an den Hörnern zu packen und zu zeigen, wie viel wirklich am Buch dran ist und wieso die Geschichte ein zeitloser Klassiker ist, die heute wieder zwingend Gültigkeit hat und aktuell ist.

Da Lutz den Artikel doch etwas umgestellt hat, habe ich euch die entsprechende Seite einfach mal geschwind auf den Scanner geworfen. Zum Vergrößern bitte Anklicken.

Ich hab ja schon immer ein bisschen Bauchweh, wenn viel in meinem Text umgestellt und umgebogen wird  – in diesem Fall hat das etwas intensivere Redigieren und Neuanordnen der einzelnen Abschnitte dem Artikel jedoch keineswegs geschadet. Im Gegenteil, das hier ist die bessere, weniger essayistische und wesentlich dynamischere Fassung, da hat der gute Herr Göllner schon recht gehabt und gut dran getan. Und die einzige wegen des Platzmangels/des Umstellens tatsächlich rausgekürzte und entfallene Passage kann ich euch ja problemlos aus meinem Script nachliefern:

» [...] So wie Johann Konrad Dippel (1673-1734), der auf der echten Burg Frankenstein geboren wurde und für einige Experten als wichtiges reales Vorbild für Shelleys Figur gilt. Die Burg im hessischen Mühltal wurde bereits 1252 erwähnt, und Ritter Georg Frankenstein soll im Steinbruch unterhalb der Burg einst gegen einen Drachen gekämpft haben. Dippel gehörte ebenfalls zum Sagengut der Gegend [...] «

Ob Doc Frankensteins geplagte Kreatur auch Zahnschmerzen und Schreibblockaden hatte, sich über die Bundespräsidentschaftswahlen amüsierte oder wie ein Schwein geschwitzt hat?

Vermutlich werden wir es niemals erfahren …

Excelsior,

Oz-Vignetten

Dienstag, Juni 29th, 2010

Kurz bevor er in den Flieger nach Japan steigt, hat mir der sensationelle Mr. Baga noch drei Vignetten zugeschickt, die der Illustration der Titelstory von »Die Zombies von Oz« dienen werden. Ich habe da ehrlich gesagt schon gar nicht mehr dran gedacht, und so hab ich mich doppelt gefreut. Nur schade, dass ich durch den Infekt den Motivationsschub nicht nutzen konnte, um ein paar Seiten gut zu überarbeiten. Nichstdestotrotz, hier für euch wieder ein kleiner Ausblick auf die Storyammlung und Volkans Vignetten. Ein Klick vergrößert das Bild wie immer:

Nicht nur die geflügelten Affen sind affenstark, oder? Das Buch wird schon ein Schmuckstück, auch mit den Grafiken von Volkan und Greg. Coole Sache.

Was mich allerdings wieder mal daran erinnert, dass ich die Bearbeitung des Textes endlich mal abschließen sollte …

Excelsior,

Preview: Nautilus #77

Dienstag, Juni 29th, 2010

So wirklich im Schreibrhythmus bin ich noch nicht – ob ich das jetzt nur auf Gesundheit und zu hohe Temperaturen schieben soll, übrlass ich mal euch. Fakt ist nun mal: Bis auf ein Editorial, das dringend fertig werden musste (Punisher MAX – ist es ein Frevel, den Leuten zu erklären, was ein Bayou ist? Ich wusste es ja selbst nicht …), die Interviewfragen für Tim Seeley und Cross Cults nächsten Hack & Slash-Band, eine zitty-Rezension und zwei Buchtipps für die Nautilus, ist mir zuletzt nicht wirklich viel gelungen, auch wenn die beiden unterschiedlich langen Rezensionsfassungen zu Michael Chabons überragendem Schurken der Landstraße ganz nett geworden sind, ebenso die Besprechung zu Andreas Eschbachs toll aufgemachtem Jugend-SF-Thriller Blackout bei arena.

Nautilus ist dabei aber ein ganz gutes Stichwort: Wie immer an dieser Stelle und so ein bis zwei Wochen vor Auslieferung der entsprechenden Heftnummer, gibt es an dieser Stelle wieder die obligatorische Preview auf die Nautilus: Abenteuer & Phantasik #77.

Diese sommerliche Ausgabe ist wirklich mörderisch – vieles im Heft dreht sich um Serienkiller. Ziemlich interessantes Thema, das dank der bunten Mischung im Tea mder NT von allen Seiten angegangen, betrachtet und beleuchtet wird. Ich hab ebenfalls meinen Beitrag dazu geleistet und zusammen mit dem Kollegen Handel Dan Wells und sein Frau interviewt.

Hier geht’s zur Online-Preview der Nautilus #77 zum Durchblättern.

Excelsior,

Hellboy-Interview

Montag, Juni 28th, 2010

Auf das Erscheinen des phänomenalen 10. deutschen Hellboy-Bandes – »Die Wilde Jagd« – bei Cross Cult habe ich hier im Blog zuletzt ja schon ein paar Mal hingewiesen.

Wie ihr euch vielleicht erinnert, habe ich für den dicken Hardcoverband auch mal wieder ein kleines Interview mit Mike geführt, über fast 20 Jahre Hellboy, die Entwicklung der Serie, seine Abstinenz vom Zeichentisch und ob und wie der Film die Comics beeinflusst hat.

Dieses Interview ist am Freitag Mittag beim Tagesspiegel online gegangen, und ich bin mal so frei und verlinke auf den Beitrag dort.

Wer den Band seltsamerweise also noch nicht hat, aber das Interview lesen möchte, hat nun die Chance dazu.

Excelsior,

Ultimate Avengers im Netz von Spider-Man

Samstag, Juni 26th, 2010

Ende der Woche wurde wieder eine Ladung Panini-Novitäten in die Auslagen gekarrt.

Batman-Fans werden mit viel Stoff um das neue Dynamische Duo und die Gotham City Sirens verwöhnt, während endlich der erste Sammelband der neuen Ultimate Avengers von Mark Millar und Carlos Pacheco erschienen ist, für den ich das Intro und die hintere Redaktionsseite sowie den Klappentext geschrieben habe. Der Band hat wie schon »Ultimate Iron Man: Armor Wars« einen schön modernen Look, der sich an den US-Trades der neuen Ultimate-Linie orientiert.

Auch für das neue, vierte Paperback von Marvel Noir, »Marvel Noir: Daredevil«, habe ich die Redaktion (sprich: Intro, Backcover und Künstler-Bios) gemacht.

Und dann ist da natürlich noch die »kleine Jubiläumsausgabe« »Im Netz von Spider-Man #25« mit dem schon mal erwähnten wunderbaren Coipel-Cover (Olivier Coipel wird übrigens auch die Bendis-Kapitel der Hauptserie von »The Siege – Die Belagerung« zeichnen, und das sieht richtig Klasse aus …). Der Innenteil stammt dagegen u. a. von Pat Oliffe, dessen etwas »unmodernen« Stil ich an Spidey ja zwischendurch dann doch immer wieder ziemlich gern sehe. Oh, und auch J. M. DeMatteis’ Geschichte aus Family ist wieder hübsches Material, das kurz nach dem Spinnenbiss in Spideys Frühzeit als Held einsetzt. Schon jetzt freu ich mich auf das trashige Halloween-Cover der nächsten Nummer, in dem entsprechende Story vom Saturday Night-Duo drin sein wird …

Mit Erscheinen der vorliegenden 25. Ausgabe ist indes der Wechsel an den deutschen Spidey-Serien einstweilen vollsätndig vollzogen, der Stab von Steve offiziell an mich weiter gewandert. Schöne Sache, das, und immer noch eine große Ehre und ein Quell der Freude. Thwip, twhip. Und damit ihr’s auch mal seht, ausnahmsweise noch mal mit Scan diesen Monat, der durch einen Klick wie gewohnt größer wird:

Excelsior,

Holmes-Rezension (16)

Samstag, Juni 26th, 2010

»Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes«, Atlantis, Dezember 2009Dieser jüngste Anflug einer garstigen Sommergrippe kam nicht nur ungelegen, sondern vor allem mit Kopf-, Kiefer- und Zahnschmerzen, da half nicht viel.

Noch reiße ich auch bei Weitem keine Bäume aus, und die viel zu warmen Nächte sind nach wie vor nicht besonders toll – aber ich will versuchen, hier zumindest in den paar klaren Minuten zwischendurch ein bisschen was von dem zu bloggen, was ab Mitte der Woche liegen geblieben ist.

Den Anfang der Informations- und Neuigkeiten-Aufholjagd machen der große Mr. Shelrock Holmes und Dr. John Watson:

Bei den Ex-Kollegen von Fantasyguide.de ist Christel Schejas Rezension zu meinem »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes« online gegangen:

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Insgesamt ist der phantastische Anteil zwar nicht gerade gering, aber er wirkt nicht aufdringlich und störend. Auch wenn man sonst nicht viel mit Fantasy anfangen kann – die Einbindung der Klassiker ist sehr glaubwürdig und nachvollziehbar, die Konfrontation von Magie und Technik entstellt weder die Vorlagen noch die in der Geschichte verwendeten Figuren.

[...]

Alles in allem gelingt „Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes“ der Spagat zwischen Phantastik und Krimi, dem Meisterdetektiv wie Doyle ihn schuf und heutige Leser ihn gerne mögen – so dass nicht nur Genrefans sondern auch reine Sherlock Holmes Liebhaber ihren Spaß haben werden.

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Excelsior,

Was wäre, wenn?

Mittwoch, Juni 23rd, 2010

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Es liegt in unserer Natur, über das nachzudenken, was nicht ist. Was sein könnte. Was wäre, wenn? Das ist die große Frage, und kein literarisches Subgenre spürt ihr so schön und so ideenreich nach wie der Alternativweltroman. Ursprünglich war die Beschäftigung mit alternativen Zeitströmen – kontrafaktischer oder virtueller Geschichte, wie man Neudeutsch sagt – ein Thema von Wissenschaftlern und Historikern des 20. Jahrhunderts. In Sir John Collingst Squires früher Sammlung „If It Had Happened Otherwise“ von 1931 war sogar Churchill mit einem Aufsatz vertreten und fragte sich, …

«

Was der gute Mr. Churchill sich damals in seinem Essay fragte, könnt ihr aller Voraussicht nach im August auf der Literaturseite in einer der hochsommerlichen Ausgaben der zitty nachlesen, wo mein Artikel über Alternativweltenromane und kontrafaktische Science Fiction erscheinen wird. Ich habe den Text heute fertig gestellt und an so schein… alternativwelten-feste Experten und damit geborene Artikel-Testleser wie Dirk van den Boom, Siegfried Langer, Guido Latz und Horst Illmer geschickt. Das erste Feedback stimmt optimistisch. So oder so: Hat tierisch Laune gemacht, für das Ding zu recherchieren und es ein paar Mal zu bearbeiten, bis ich zufrieden war und alles auf die maximale Länge von knapp 7.000 Zeichen eingedampft habe.

Ich hab aber schon am vergangenen Wochenende gemerkt, dass ich mal wieder eine Phase habe, wo ich vor allem Sachtexte schreiben möchte, und die Fiction da leider hinten anstehen muss. Das war allerdings auch bitter nötig, da ich in den letzten Wochen nicht viele Artikel geschrieben habe. Redaktionelle Arbeiten waren vor allem Panini-Editorials, ein Vorwort, die Überarbeitung des ICOM!-Artikels über die Comics aus dem Perryversum, oder, first of all, Interviews. Und so gern ich all diese Dinge auch immer wieder mache – die journalistische Königisdisziplin ist und bleibt eben ein längerer Artikel, für den man sich den Arsch abrecherchiert und emsig wie ein japanischer Schlüpfer-Fetischist Zitate sammelt, die man im Text verbraten könnte. Und für die zitty ist es dann meistens auch ganz sinnig, nach Möglichkeit wenigstens einen Berlin-Bezug einzubauen. Die letzten zwei, drei Wochen überlegte ich ein paar Mal, wann ich zuletzt einen richtig oder halbwegs großen Artikel geschrieben habe, und ich musste ein bisschen überlegen. Das war nicht so schön und kann jemanden wie mich, der sich auf seine Vielseitigkeit doch ein bisschen was einbildet, schon mal die Laune verderben, wenn auch die anderen Gefilde des Schreibens gerade im Kriegszustand befinden.

Pensum vorerst wieder aufgefüllt. Der Herr Endres hat seine Vielseitigkeit wieder.

Mal schauen, ob ich diese Woche noch den Strugatzki-Artikel für das preußische Edelblatt aus der Hauptstadt fertig kriege. Dann steht der Fahrplan meiner Aufmacher in der zitty für den Sommer auch schon halbwegs fest: Vielleicht schon im nächsten Heft endlich mein Artikel über Frankenstein, dann der Strugatzki, und dann Alternativwelten und das Geburtstagsständchen für Ray Bradbury. Schön!

Trotzdem, das nächste Interview steht auch schon wieder an: Nachdem die Gespräche für die neuen Aliens- und Predators-Comics bei Cross Cult leider nichts wurden und ich auch noch den kurzfristigen Artikel zu den Predators absagen musste, werde ich nun wenigstens das Interview mit Tim Seeley übernehmen, das den nächsten deutschen Band von  »Hack & Slash« abrunden wird.

Die Fragen an Brett Helquist (den Illustrator des wundervollen »Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard« und von »Lemony Snicket«) sind dagegen schon abgeschickt, und so wird das zusammen mit ein paar individuellen Fragen und ein paar Fragen/Antworten aus der FAQ auf seiner Homepage, aus der ich mich bedienen darf, sicher ebenfalls ein hübsches Interview.

54, 74, 90, 2010.

Excelsior,

Twitter, Schurken und Alternativen

Dienstag, Juni 22nd, 2010

Twitter hat sich in gut einer Woche jetzt wirklich zu einer Möglichkeit entwickelt, um mir immer mal wieder zwischendurch auf den Bildschirm und den Schreibtisch zu schauen. Klar, ab und zu gibt es auch mal etwas Arbeitsfremdes oder Albernes, aber so im Gesamten ist es schon viel »work in progress«, Lesestapel, Recherche, und so weiter, und so fort. Könnte interessant sein, denke ich. Follow me, wie Uncle Cracker sagen würde (auch wenn mich gerade The Gaslight Anthem auf eine Empfehlung des Herrn Göllner viel mehr angezeckt haben und wirklich brutal rocken. Old Haunts von ihrem neuen Album hat es mir dabei besonders angetan …)

Wer mir auf Twitter folgt, weiß überdies, dass das übersetzte Vorwort zu Dallas’ »Die Schwestern« endlich da ist – und weltweit exklusiv. Ich könnte mir vorstellen, das im Laufe der nächsten Wochen hier mal zu posten. Ist ziemlich cool, wenn Dallas über Eastwood schwärmt. Und über Eichhörnchen. Und mexikanische Sex-Verbrechen. Na, ihr werdet’s sehen …  Ich muss derweil mal sehen, wann ich den finalen Lektoratsdurchgang in meinen working shedule einplane. Noch macht Großmeister Latz, der mich Rezensionsexemplare in der Region verteilen lässt (wer Twitter folgt, weiß auch das …), keinen Stress, und Cover haben wir ja auch noch keines.

Ansonsten … Ich freue mich tierisch auf Chabons »Schurken der Landstraße«, das ich Anfang des Jahres ständig auf dem Radar hatte, dann aber aus den Augen verlor, da niemand einen Text dazu wollte. Müsste heute im Laden bei den Jungs ankommen. Wo ich auch nach ein paar antiquarischen Titeln schauen werde, die ich für die Recherche brauche.

Der Strugatzki-Artikel für die zitty ist so gut wie fertig, nachdem mir Hannes [Riffel] am Wochenende ein paar tolle Sachen über die Edition bei Golkonda erzählt hat (auch mit einem Ausblick auf 2011 und weiteres von den Strugatzkis, aber ich halt die Füße still, bis wenigstens der Artikel in der zitty erschienen ist, sorry …).

Und auch der Alternativwelten-Artikel macht Fortschritte, auch wenn der Platz schon jetzt ein Problem ist, da ich zumindest kurz auf die Vorläufer in der Sozialwissenschaft eingehen und die berühmtesten Werke (»Wenn das der Führer wüsste«, »Vaterland«, »Das Orakel vom Berge«, »Der Stählerne Traum«) erwähnen möchte. Die Mail von Harry Turtledove gestern war leider nicht so erbaulich, um da ein wichtiges Element meines Artikels zu verifizieren, aber so ist das eben, und dieses Jagen nach Quellen ist dann schon echter Journalismus – ein tolles, belebendes, elektrisierendes Gefühl. Und definitiv besser als PDFs rumschubsen.

Im Dezember gibt’s übrigens wohl ein weiteres Literatur Booklet auf dem Hauptstadtmagazin. Diesmal vermutlich mit ein paar mehr Texten von mir …

Well then. Dann will ich mal die Schurken von der Landstraße holen, schauen, dass ich eine schöne Ausgabe mit der Übersetzung von Catch the Zeppelin! kriege (ich bin ja nach wie schwer vor am überlegen und in Versuchung …) – und vielleicht geht vor der Firma dann noch eine Stunde Oz. Aber das wird sich weisen.

Excelsior,

Der Anfang: Die Zombies von Oz

Sonntag, Juni 20th, 2010

So, der Text über die aktuellen Perry-Rhodan-Comic-Projekte für das »Icom COMIC!-Jahrbuch 2011«, das wie immer und so auch dieses Jahr pünktlich zur Frankfurter Buchmesse erscheinen wird, ist abgeschickt (wobei mir auffällt, dass ich jedes Jahr näher an die Deadline komme). Mit Bildlegenden hat der Artikel mit vielen Zitaten fast 22.000 Zeichen, mal sehen, ob ich da noch mal was kürzen und eindampfen muss.

Ansonsten: Bis auf den Text über Jeff Lemire habe ich diese Woche hier im Blog alles so geschafft wie angekündigt, oder?

Mit dem Lemire-Text warte ich in erster Linie deshalb noch etwas, weil der gute Mann – diese wirklich interessante Mischung aus einem jungen kandischem Will Eisner und einem Robert Kirman ohne Zombies – vielleicht auch ein schönes Thema für die winterliche phantastisch! wäre, da das zweite Trade von »Sweet Tooth« ja im Dezember erscheint (noch vor dem dritten »Madame Xanadu«-TPB, in dem auch die Hefte der süßen Joelle drin sein werden, und dem nächsten, siebten »Scalped«-TPB Anfang 2011).

Was dagegen noch hier im Blog fehlt, ist der angekündigte Ausblick auf »Die Zombies von Oz«. Doch keine Angst, der ist nicht vergessen. Im Gegenteil, ihr findet die erste längere Leseprobe zu meiner nächsten Storysammlung direkt hier in diesem Post: Genauer gesagt die ersten acht Manuskriptseiten der Titelstory, frisch aus der Arbeitsdatei und bevor der Herr Kotwoski oder der Herr Piotrowski offiziell ihre geist- und hilfreichen Kommentare dazu abgeben und mich vor der totalen Blamage retten konnten. Einzig der stimmungstechnisch brillante Herr Baga und die scharfsinnige Frau Knor haben schon mal über den Anfang drüber geschaut, nachdem ich da vor 14 Tagen nach einem Überarbeitungsmarathon ganz schön im frustgeplagten Tief saß … enjoy!

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Die Zombies von Oz

Und diesmal ist es kein Traum


I. Rückkehr

Dorothy verabschiedete sich tränenreich von ihren drei Freunden, die ihr in so kurzer Zeit so sehr ans Herz gewachsen waren, und bedankte sich artig bei Glinda, der guten Hexe des Südens, die ihnen allen so viel Gutes getan hatte. Dann küsste die schöne Glinda Dorothy auf die Stirn, und Dorothy trat in die Mitte des Thronsaals, wo sie Toto auf den Arm nahm, die Augen schloss, drei Mal die Hacken ihrer silbernen Schuhe zusammenschlug und laut rief:

„Bringt mich nach Hause zu Tante Em!“

Auf einmal ging alles ganz schnell. Der lichtdurchflutete Thronsaal und die Gesichter ihrer Freunde verschwammen in einem funkelnden Strudel aus Farben und Formen. Bevor Dorothy sich versah, wurden sie und Toto von ungeahnten Kräften emporgehoben und davongetragen. Ein eisiger Wind kühlte ihre heißen Tränen und ließ sie die Augen zusammenkneifen – sein Rauschen und Pfeifen übertönte sogar Totos erschrockenes Gebell, das Dorothy ohnehin nicht hörte und nur spürte, weil Totos kleiner Hundekörper in ihren Armen heftig bebte und zitterte.

Der unbehagliche Flug dauerte zum Glück nicht lange. Am Ende kam es Dorothy so vor, als habe sie lediglich drei große Schritte gemacht, bevor sie auch schon der Länge nach ins Gras fiel. Dabei glitten ihr die silbernen Schuhe von den Füßen. Die magischen Slipper, in deren Besitz sie bei ihrer Ankunft in Oz gekommen war, glühten ein letztes Mal feurig rot auf und verschwanden im hohen, ungemähten Gras der Wiese. Dorothy fand sie nie wieder. Im Augenblick bemerkte sie jedoch nicht einmal, dass sie die magischen Schuhe überhaupt verloren hatte. Sie hatte nur Augen für das kleine neue Farmhaus und den schiefen neuen Stall, die Onkel Henry aus den Überresten der alten, vom Wirbelsturm zerstörten Gebäude gebaut haben musste, während sie im zauberhaften Land hinter dem Regenbogen gewesen war.

Beim Anblick des Farmhauses mitten in der flachen Landschaft strahlte Dorothy mit der Sonne am blassen, wolkenlosen Himmel über ihr um die Wette. Doch sie strahlte nicht allein wegen des wiederaufgebauten Farmhauses. Sie sah es, roch es und spürte es auch so mit jedem Grashalm, der ihre nackten Füße kitzelte: Sie war wieder Zuhause!

„Komm, Toto!“, rief sie aufgeregt, nachdem sie sich aufgerappelt und ihr Kleid glatt gestrichen hatte, an dem ihre Abenteuer in Oz nicht einfach so vorüber gegangen waren. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht rannte sie auf die abgeschossene Einzäunung des Hofes zu, hinter dem das kleine Haus wartete. Toto überholte sie laut bellend, bremste dann jedoch ohne Vorwarnung aus vollem Lauf und blieb genau unter dem Tor im Zaun stehen. Sein zotteliges schwarzbraunes Fell stellte sich auf.

Er knurrte leise und kehlig.

„Was machst du denn da, Toto?“, fragte Dorothy immer noch lachend und hielt ebenfalls an, damit sie nicht über ihren kleinen Freund stolperte. „Komm schon, weiter!“

Nur widerwillig setzte sich Toto wieder in Bewegung, und das auch nur, weil Dorothy ihn mit den Knien sanft anschob. Sein Nackenfell blieb wie bei einer alten Bürste aufgestellt. Dorothy bemerkte es nicht und rannte schnurstracks auf die Veranda des neuen Farmhauses zu, dessen von der Sonne ausgebleichte Stoffvorhänge zugezogenen waren. Die Tür dagegen war wie üblich nicht abgeschlossen und nur angelehnt. Dorothy, die ihre Tante und ihren Onkel überraschen wollte, bevor sie sich den beiden in die Arme werfen würde, öffnete sie vorsichtig.

Drinnen war es düster und warm.

„Hallo? Tante Em?“, fragte Dorothy leise.

Niemand antwortete ihr.

„Tante Em?“

Dorothy stieß die leise quietschende Tür ganz auf. Das Tageslicht drang wie ein lebendiges Wesen ins Haus und erhellte einen schmalen Streifen, der die Rückwand des einzigen Raums unter dem Dach jedoch nicht erreichte. Dorothy trat einen zögerlichen Schritt vor. Staub tanzte vor ihrem Gesicht. Da bemerkte sie erstmals den seltsamen Geruch, der sie an ein schlecht gelüftetes Krankenzimmer erinnerte, so wie damals, als Onkel Henry nach dem Schlangenbiss eine Woche lang schweres Fieber gehabt hatte.

„Onkel Henry?“

Etwas polterte in der stickigen Düsternis, ganz in Nähe des klotzigen alten Metallherds, der die gesamte rechte Wand für sich beanspruchte. Toto drückte sich an seinem Frauchen vorbei und knurrte und kläffte etwas an, das Dorothy in der Dunkelheit nicht sehen konnte.

„Tante Em?“, fragte Dorothy noch einmal unsicher.

Ein Dielenbrett knarrte, und Dorothy glaubte, schlurfende Schritte zu hören, die sich aus Richtung der eng beisammen stehenden Betten auf der anderen Seite des Tisches näherten, der den Raum wie ein klappriger Altar unterteilte. Sie spähte angestrengt ins Dunkel. Totos Knurren und Bellen wurde immer verzweifelter, so wie der faulige Gestank immer stärker wurde und Dorothy angeekelt das Gesicht verziehen ließ. Sie hielt den Atem an und spürte, wie ihr Herz zu rasen begann.

Ein Stuhl scharrte über die Dielen und fiel polternd um. Dorothy schmeckte den Staub, der dadurch aufgewirbelt wurde, zusammen mit dem Geruch nach Krankheit und Fieber auf den Lippen. Sie begann, vor Anspannung von innen heraus zu beben, als das Schlurfen so nahe kam, dass sie das Geräusch fast greifen konnte. Toto schnappte knurrend nach etwas, das sich langsam aus der Dunkelheit schälte.

Dann endlich sah auch Dorothy sie – und begann laut und schrill zu kreischen, als die beiden Gestalten ins Licht wankten.

Dorothy erkannte zwar die hageren, verhärmten Gesichter ihrer Tante und ihres Onkels … doch wie sie aussahen!

Onkel Henry fehlte der gesamte Unterkiefer – nur seine ausgetrocknete Zunge hing noch sinnlos herab. Der Rest seines fahlen, grauen Gesichts war wie eine Kerze in der Sonne zusammengeschmolzen. Er sah aus wie Wallace, der gut gelaunte Wanderarbeiter im letzten Herbst, den der Huf des Pferdes im Gesicht getroffen hatte. Onkel Henrys rechte Augenhöhle war leer, während das linke Auge Dorothy mit leerem Blick anstarrte. Das Lid fehlte, und auch um die Augenhöhle war das blanke, von Maden und Fliegen zerfressene Fleisch zu sehen. Einige der weisen Würmchen wanden sich sogar noch. Tante Em hatte dagegen nur noch ein paar dünne Haarbüschel auf dem fahlen Kopf, der an einen Totenschädel erinnerte. Etwas – oder jemand – hatte ihr die Nase und die Ohren abgerissen und beim Versuch, an was auch immer zu gelangen, außerdem ein paar Bissspuren in ihrer Schädeldecke hinterlassen. Ihr Kleid und die zerfetzte Schürze hatten unzählige Risse und Schlitze und waren mit Schmutz, Staub und Schlimmerem beschmiert.

Tante Em stierte Dorothy aus trüben, fiebrigen Augen ohne Verstand an und streckte langsam und ohne ein Wort die skeletthaften Arme nach ihr aus, von denen ein paar verfaulte Hautlappen herabhingen. Ihre gekrümmten Finger mit den langen gelben Nägeln sahen wie die Klauen einer bösen Hexe aus. Dorothy starrte in das hässliche Gesicht ihrer Tante und schrie und schrie und schrie – bewegen konnte sie sich nicht. Sie stand lediglich wie versteinert da, während die dürren Arme mit den Krallenhänden langsam, aber unaufhaltsam näher kamen.

Es war Toto, der Dorothy rettete, indem er sie fest in den Knöchel zwickte. Der Schmerz riss Dorothy aus ihrer Starre. Kurz bevor die Klauen sie erreichten, taumelte sie rückwärts aus der Tür. Dabei stolperte sie jedoch über Toto, der sich nicht entscheiden konnte, ob er bleiben und kämpfen oder Dorothy einfach folgen sollte. Dorothy fiel die hölzernen Stufen der Veranda hinab und schlug sich an den Kanten und dem rauen Holz Knie und Ellbogen blutig.

Die beiden schlurften davon unbeeindruckt ins Sonnenlicht und blieben unschlüssig auf der obersten Stufe der Veranda stehen. Sie strahlten ein gewisses Unbehagen aus, als wäre ihnen die ungewohnte Berührung der Sonne auf der verfaulten Haut unangenehm.

Dorothy indes versuchte verzweifelt, aufzustehen – doch ihr Körper versagte ihr so kurz nach dem Sturz noch den Dienst und protestierte mit stechenden Schmerzen gegen jede noch so kleine Bewegung. Mit vor Furcht geweiteten Augen rollte sie sich halb auf die Seite, damit sie zu ihnen empor blicken konnte, wie sie leicht schwankend und tumb vor sich hin starrend über ihr aufragten, nur durch ein paar breite Stufen von Dorothy und Toto getrennt.

Hier draußen im Licht sahen sie noch fürchterlicher aus, fand Dorothy, und begann heftig zu zittern.

Noch unmenschlicher. Noch albtraumhafter.

Die Fliegen, die sich sofort in großer Zahl auf sie und den Gestank der Fäulnis stürzten, machten es nicht besser.

Das Grauen schnürte Dorothy die Kehle zu. Sie konnte nicht einmal mehr schreien.

Onkel Henry setzte sich schließlich als Erster wieder in Bewegung und begann, so ungeschickt und steifbeinig wie eine Vogelscheuche die Treppe hinab zu wanken.

Dorothy wimmerte leise und versuchte vergeblich, sich hochzustemmen oder wenigstens ein Stück fort zu kriechen. Toto stellte sich tapfer vor Dorothy und bellte Onkel Henry wütend an, den nur noch eine Stufe vom Boden trennte.

Plötzlich zerriss ein Schuss die Luft und ließ Totos aufgeregtes Kläffen jäh verstummen.

Onkel Henrys Kopf platzte dagegen wie ein zu schnell gewachsener Kürbis im Sommer. Der Rest seines Körpers blieb noch einen Moment aufrecht stehen – dann drehte er sich wie ein gefällter Baum, kippte nach vorn und schlug unmittelbar neben Dorothy im Staub auf. Der bestialische Verwesungsgestank, der vom kopflosen, ausgemergelten Körper ihres Onkels und seiner zerschlissenen Latzhose ausging, ließ Dorothy würgen und ungeachtet ihrer Schmerzen panisch ein Stück zur Seite kriechen, fort von dem unglaublichen Verwesungsgestank, fort von den summenden, krabbelnden Fliegen.

In der Zwischenzeit zerfetzte ein weiterer Schuss die Luft.

Dorothy sah gerade noch, wie ihre Tante mit rudernden Armen nach hinten geworfen wurde und erneut in der fiebrigen Dunkelheit des Farmhauses verschwand.

Gleichzeitig schritt ein hoch gewachsener Mann an Dorothy vorbei, der sie oder die kopflose Leiche im Staub keines Blickes würdigte. Der Fremde trug ein verwaschenes Hemd und eine dunkle Lederweste, staubige Jeans und Stiefel, und einen grauen Schlapphut. Während er forsch auf das Farmhaus zuging, lud er seine doppelläufige Schrotflinte geräuschvoll durch und feuerte noch ein zweites Mal in die Dunkelheit jenseits des Türrahmens. Danach blieb er mit der Flinte im Anschlag auf dem obersten Absatz der Veranda stehen. Nach einer Weile beugte er sich bedächtig nach vorn, streckte den Arm aus, griff nach dem Knauf und zog langsam die Tür ins Schloss. Er hielt den Blick konzentriert auf den Staub im Türrahmen gerichtet, bis das Schloss hörbar zuschnappte. Danach drehte er sich um und kam gemäßigten Schrittes die knarrenden Stufen herab. Toto knurrte den Fremden genauso feindselig an, wie davor Onkel Henry. Der Mann ignorierte ihn jedoch, so wie er nach wie vor die Überreste von Onkel Henry ignorierte.

Lediglich Dorothy und ihre nackten Füße musterte er nun mit einem grimmigen, kritischen Blick.

Nach ein paar Sekunden schulterte der Fremde die Schrotflinte, spuckte zur Seite aus, schob sich die Hutkrempe mit dem Daumen ein Stück aus dem von dunklen Bartstoppeln beherrschten Gesicht und fragte knurrig:

„Dorothy, nehme ich an?“

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Ta-da.

Volkan verweist indes seit gestern auch auf seiner Startseite auf seine Mitarbeit am Buch und sein Wirken am Cover von »Die Zombies von Oz«. Ich warte jetzt also täglich auf die Anfrage von Wizards, ob sie ein Sammelkartenspiel aus meiner Idee machen können.

Excelsior,

Neues von der Toten Erde

Samstag, Juni 19th, 2010

»Tales of Dead Earth Chapter IV: Helvete. Dead Earth Girl discovers an old church in Bergen, Norway which the Infected seem to avoid for unknown reasons…. artwork for page 1…«, schreibt der werte Herr Krank zu dieser Preview auf das nächste »Tales of Dead Earth«-Heft. Ein Klick aufs Bild vergrößert das Ganze wie gewohnt.

Sieht genial aus, Mister. Super Farbstimmung und Look. Weiter so!

Ich muss dann auch weiter machen heute Nachmittag. Ein bisschen Spider-Man und Siege für Panini, ein bisschen Strugatzki für die zitty, und ein bisschen »Die Zombies von Oz«, wenn sich die Möglichkeit ergibt und die Muse bereit für ein paar Liebesstunden an der Tastatur ist. Der Terminplan ist derzeit trotz anhaltender Unwilligkeit wieder ziemlich gut gefüllt, weshalb ich am Freitag leider sogar einen kurzfristig aufkommenden Cross-Cult-Job absagen musste (zumal ich durch die Erkältung, mit der ich mich seit Mitte der Woche herumplage, gerade leider nicht besonders flexibel bin, da ich meine Arbeitstauglichkeit für den nächsten Tag eigentlich nie wirklich mit Gewissheit einschätzen kann).

Zum Glück kann ich mir mit den Interview-Fragen an Brett Helquist ein paar Tage Zeit lassen, zumal das von ihm bebilderte »Odd« bisher auch noch nicht hier aufgeschlagen ist. Und auch die Übersetzung des Interviews mit Richard Morgan, über schwule Helden und moderne Fantasy, eilt jetzt nicht zu sehr, da der Nautilus-Kollege für den Begleit-Artikel zum Thema homosexuelle Helden noch etwas Zeit braucht.

Excelsior,