In den letzten Jahren haben sich Adaptionen von leichterer Genre-Fantasy-Literatur in Comic-Bereich breit gemacht: George R. R. Martins Heckenritter, Raymond Feists Lehrling des Magiers, R. A. Salvatores Dunkelelf-Saga, dazu Geschichten aus der Welt von Dungeons & Dragons und der Drachenlanze. Und ohne da jetzt das Panini-Nest zu beschmutzen (wo viele der Adaptionen auf Deutsch erschienen sind): Das war nur selten die creme de la creme des Fantasy-Comics. Was, natürlich, auch an den Vorlagen lag. Denn die Abenteuer von Drizzt oder aus den abenteuerlichen Gefilden der Drachenlanze sind heute eben nicht mehr gängiger Fantasy-Standard, egal wie solide und flüssig sie Knaak auch schreiben mag. Und dann hat das Artwork sicherlich auch nicht immer gepasst.
Wie auch immer, in den USA hat man derzeit gleich zwei der wichtigsten und besten Genre-Romane der Science Fiction hervor gekramt und als Comic adaptiert (es wird kein Zufall sein, dass beides eher kürzere Werke sind).
Vor ein paar Tagen erschien bei Macmillan Ray Bradburys »Fahrenheit 451« als von Bradbury authorisierte und mit einem Vorwort versehene 160-Seiten-Graphic Novel. Bei den Boom! Studius erschien unterdessen das zweite Heft der Comic-Adaption von Philip K. Dicks »Träumen Androiden von Elektrischen Schafen?«, auch bekannt als »Blade Runner«.
Comic-Punk Warren Ellis sagt in seinem schönen Nachwort zum ersten Heft aber schon richtig, dass genau da das Problem liegt. Die Leute reden von Dick und den elektrischen Schafen, meinen aber eigentlich die 231 gefühlten Schnittfassungen von Scotts Verfilmung (die, by that way, 1982 als »Marvel Super Special #22« schon einmal in Comic-Form adaptiert wurde; da klebte man aber sogar beim Charakterdesign übel am Film und hatte sogar ein Film-Cover von Bill Sienkiewicz für den 60-Seiten-Comic-zum-Film). Die Boom!-Version nun ist wieder sehr nah an der Dick’schen Vorlage und hält angenehm Distanz zum Film.
Das ist neben dem hübschen Artwork von Tim Hamilton übrigens auch das große Plus der Fahrenheit-Adaption. Natürlich könnte man jetzt wieder darüber streiten, wie viel Eigenleistung eine gute Adaption wirklich bringen muss und ob eine 1:1-Umsetzung nicht doch zu hölzern ist – aber würden wir, forderte man etwas anderes, nicht implizieren, dass Bradbury und Dick ihren Job nicht gut genug gemacht haben? Ausgerechnet Bradbury und Dick, verdammt! Diese beiden Helden unserer kleinen, feinen Welt der Genreliteratur. Wenn jemand die Lanze des Anspruchs für die SF gebrochen hat, dann jawohl diese beiden Titanen, ach, diese beiden Götter.
Im direkten Vergleich hat, wenn man die ersten beiden Hefte der Dick-Adaption mit der 160-Seiten-Graphic-Novel vergleicht, die Adaption des feurig-lyrischen Bradbury-Stoffes die Nase vorn. Werkgetreu sind sie, wie gesagt, beide - Hamilton ist aber wesentlich cleverer mit der Textmenge des Bradbury-Kurzromans umgegangen und hat seine Sätze und Dialoge bedachter auf die Seiten verteilt. Bei Tony Parkers Dick-Comic-Version stimmt das Gleichgewicht zwischen Text und Bildern oftmals nicht, so löblich der Versuch, so viel Inhalt des Originals wie möglich direkt zu übernehmen, auch ist (dass das auch funktionieren kann, haben Wenzel und Dixon schon vor Jahren an der Hobbit-Adaption bewiesen, um mal fantastisch zu bleiben – aber die hatten auch ein großes Albenformat …).
Wer die Englische Ausgabe scheut: Zumindest bei einem der beiden Werke sind die deutschen Rechte auch schon vergeben, so weit ich weiß.