Archive for August, 2009

Transmetropolische Entdeckungen

Samstag, August 29th, 2009

transmetropolitan_tpb1Ich gestehe: Auf die ersten Speed-Heftausgaben von Warren Ellis’ »Transmetropolitan« bin ich damals nicht angesprungen.

Nach gewohnt sanft-sensibler Gehirnwäsche vom Herrn Göllner (»Wie jetzt, du hast Transmetropolitan nicht’ gemocht, Elfenkönig? Was bist du denn für einer? Und du schreibst für mich? Ick schäme mir, Herr Endres!«) neulich am Telefon und natürlich Ellis’ verdammt unterhaltsamen Roman »Gott schütze Amerika« habe ich es jetzt aber noch mal mit dem ersten Tradepaperback der revised edition versucht, die Vertigo derzeit veröffentlicht.

Und jetzt macht das ganze auch schon eine ganze Ecke mehr Spaß. Diesmal hab ich z. B. Alan Moore natürlich sofort erkannt, Spider direkt ins Herz geschlossen und finde den urbanen Cyberpunk-Moloch der Comic-Zukunft ziemlich abgefahren (im positiven Sinn) und cool. Und Robertson war damals noch recht erträglich und gefällt mir ebenfalls. Auch bin ich mir an dieser Stelle dann nicht zu schade, um zuzugeben, dass das wohl auch alles ein bisschen eine Frage der gewachsenen Leseerfahrung ist. Ist ja auch gut so. Denn es wäre ja schon blöde, wenn man sich ausgerechnet beim Lesen nicht entwickeln würde …

Im Moment sieht es schwer danach aus, als ob die Neuauflage nach und nach auf dem Lesestapel und danach in den Vertigo-Regalen landen wird.

Weshalb ich bitte noch mal auf den Thread mit den Platzproblemen hinweisen möchte.

Wie viel Werbung ist erlaubt?

Samstag, August 29th, 2009

Werbung ist immer eine Gratwanderung und mit einem gewissen Risiko verbunden (wie alles andere halt auch). Ich kann den kommenden Holmes-Band aus meiner Feder noch so anpreisen und clever vorab in Szene setzen – wenn die ersten Leser ihn am Ende doch für Mist halten, wird sich das schneller herumsprechen als alle Leseproben, Vorworte oder sonstigen Schnipsel. But this are the rules of the game, and it’s okay.

Anders ist das mit den kleinen Amazon-Fenstern, die ihr nun rechts unter der Navi-Sidebar sehen könnt. Endlich habe ich mal rausbekommen (oder: mit etwas mehr Lust nachgesehen, wo und wie, und deshalb das simple Mysterium rasch durchschaut), wie das geht.

Ich finde, dass das von der Aufdringlichkeit her okay und relativ im Rahmen ist (ja, ich weiß, dass da ein Rahmen drum herum ist, meine in dem Fall aber etwas anderes. Danke. Niemand mag Klugscheißer).

Wie seht ihr das – schließlich seid ihr die Zielgruppe und surft hier herum. Kotzen euch die Fenster schon beim ersten Ansurfen früh am Morgen so gewaltig an, dass ihr eure Lieblingssite im ganzen Web am liebsten für immerdar auf die Blacklist setzen würdet (das aber nur nicht macht, weil ich so ein netter Mensch bin)? Oder seht ihr die Dinger gar nicht? Oder habt ihr schon alle je zwei bis drei Exemplare von »Der Preis des Lebens« und »Tambu« für euch und eure Verwandten und Freunde geordert?

Freaks of the Billy-Regal

Freitag, August 28th, 2009

Wer ist der fürchterliche Erzfeind des passionierten Buch- und Comiclesers, in dessen Brust auch das Herz eines Sammlers schlägt? Richtig. Platz (ich weiß ja ohnehin nur aus Erzählungen und historischen Aufzeichnungen mit Fotos, dass es hier mal Wände gab. Eigentlich dachte ich immer, dass man direkt auf die Buchregale ein Dach gesetzt hat …).

Wie alle anderthalb bis zwei Jahre, geht auch der Raum in den Regalen, den ich durch die letzte möbelmäßige Erweiterung gewonnen habe (genau genommen habe ich Raum verloren und die Bücher und Comics wieder Raum gewonnen. Irgendwann schlafe ich draußen im Flur vor der Tür), allmählich zu Ende. So sehr ich mich über jeden Cross-Cult-Hardcover in der Qualität von »Hombre«, jeden Panini-Softcoverband oder jedes überformatige Daredevil-Hardcover von Marvel freue – Schluss! Aus! Ende! Genug!, brüllte er. Wie Donnerhall flog das Wort durch den Raum (den von Regalen fast erdrückten Raum, meine ich). Wohin mit dem ganzen Zeug, verflucht?

Vor zwei, drei Monaten habe ich schon mal ein bisschen umgeräumt und mich diebisch gefreut, als ich durch outsurcen der großformatigen Blueberry- und der Prinz Eisenherz-Werkausgaben, des anbetungswürdigen »The Complete Calvin & Hobbes«-Schubers und ein paar überformatigen Sachbüchern wie »Spider-Man: The Icon« und Artbooks wie »Black and White« von Time Sale oder »The Art of Usagi Yojimbo« von Stan Sakai einen knappen Meter Regalplatz hier gegenüber des heimischen Arbeitsplatzes gewonnen habe.

Tja. Einen etwas verschwendungssüchtigen Einkaufstummel später, bei dem ich mir die beiden fetten Daredevil-Omnibusse mit den kompletten Runs von Frank Miller, Klaus Janson und Co. ins Regal gestellt habe, sieht das schon nicht mehr ganz so rosig aus. Spätestens wenn im September endlich der fünfte Band der »Invincible Ultimate Collection« und der zweite Daredevil-HC von Mr. Bendis kommen, ist auch der kürzlich gewonnene Platz im Comic-Hardcover-Regal wieder zerronnen (ich muss image am Ende wohl sogar dafür danken, dass sie das Papier von Band zu Band dünner machen …).

Und wo ich die neue rote »Der Herr der Ringe«-Gesamtausgabe von Klett-Cotta hinstelle, weiß ich auch noch nicht so genau (die wird mir demnächst wohl auch mal einen eigenen Eintrag wert sein; immerhin habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr mal wieder den HdR zu lesen, und da wäre diese neu durchgesehene Ausgabe der alten Übersetzung doch ein guter Grund, den eitlen Vorschlag auch in die Tat umzusetzen, Zeitmangel hin oder her).

Gestern habe ich dann wie ein panischer Feldhamster auf Speed wieder ein bisschen zwischen den Regalen hin und her geschoben. Ausgemistet (marginal), umgeschichtet (massig), neu sortiert (zwecklos) und angeordnet (der schöne Schein), schweren Herzens zwei Doppelreihen angelegt (argh!) – ihr kennt das ja. Das Ende vom Lied: Ich schaue nun auf einen 1-Meter-Stapel mit Comic-Belegen aus den letzten 12 Monaten – und habe keine Ahnung, wohin mit dem Stoff. comikat-Hardcover, Cross-Cult-Hardcover, Modern-Tales-Hardcover, das letzte Eidalon-Softcover (»Queen & Country« Bd. 8), und darunter noch ein paar Softcoversachen. Gnah.

Freaks of the Heartland, Cross Cult, August 2008Immerhin, das verzweifelte Umräumen hat eine schöne Sache mit sich gebracht: Ich hab – wie ich das bei der Gelegenheit eigentlich immer mal ganz gerne tue – wieder einmal durch ein paar Comic-Bände geblättert, zu denen ich einen Artikel beigesteuert habe. »Bigfoot« und der erste Band mit den neuen Comic-Abenteuern vom »Lone Ranger« sind jeweils noch zu frisch, um sie jetzt schon noch einmal anzuschauen . Aber z. B. der verdammt schön und stimmig aufgemachte »Freaks of the Heartland«, das vor genau einem Jahr bei Cross Cult als Einzelband erschienen ist, habe ich noch mal durchgeblättert.

Ich hatte die von mir geführten Interviews ehrlich gesagt etwas schwächer in Erinnerung (Selbstkritik muss sein. In dem Fall lag es primär daran, dass Greg Ruth’ ausufernder Gesprächs-Part verdammt schwierig und unangenehm zu übersetzen war, wie ich mir mit Grauen noch mal ins Gedächtnis gerufen habe. Greg ist ja ein netter Kerl und wirklich toller Zeichner – aber er drückt sich in Mail-Interviews anscheinend gern etwas snobbistisch aus).

Aber alles in allem haben mir die Gespräche mit Mr. Niles und Mr. Ruth dann doch ziemlich gut gefallen, als ich sie mit einem Jahr Abstand noch mal gelesen habe. Für das kritische Schreiberherz, das eigentlich immer vor dem Re-Read eigener Sachen zittert, keine schlechte Sache. Die positiven Überraschungen beim Umräumen eben.

Aber was mach ich denn jetzt mit dem Stapel, der da immer noch bei jedem lauen Lüftchen, das durch die offene Balkontür rein kommt, wackelt und wankt wie Axel Schulz ab der vierten Runde?

Holmes-Leseprobe aus dem Sommerloch

Mittwoch, August 26th, 2009

Woran merkt man, dass wir tief im Sommerloch stecken?

Exactly: Die Berichte über Alien- und Nessie-Sichtungen (innovativ und neu: via GoogleEarth!) häufen sich mal wieder. Es liegt viel Ironie in diesen hochsommerlichen Boulevardpressen-Ergüssen während der Hundstage: Etwa das ach so kluge Alientierchen mit dem riesigen Gehirn, das in der mexikanischen Pampa in eine ziemlich simple Rattenfalle tappt. Oder das steinalte Urzweit-Schottenvieh in seiner ollen Pfütze in den Highlands, das via HiTech endlich&eindeutig entlarvt wird. Ach ja. Immer wieder schön, oder?

Was kann jeder Einzelne gegen solche Berichte – und gegen das Sommerloch – tun? Gute Frage. Vielleicht nackt eine Bank überfallen und das Geld anschließend in der U-Bahn verteilen und dazu Lieder von Take That singen …

Oder Leseproben posten. Was ich hiermit dann auch mit gutem Beispiel gleich mal tun möchte – und zwar mit der ersten PDF-Leseprobe zu »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes«, genauer gesagt Londons verlorene Kinder. Das ist eine relativ exemplarische Geschichte für den Band, würde ich sagen (sie steht nicht umsonst nach Wins Vorwort und der »Einleitung von Dr. Watson« als erste Story im Buch). Allerdings ist sie nicht so speziell oder ironisch wie die eine oder andere Geschichte, die etwas später kommt. Und natürlich hat sie genau die richtige Länge für eine Leseprobe, was in dem Fall vielleicht das schwerwiegendste Argument war (und ehrlich gesagt poste ich nicht gerne halbe Geschichten). So here we go:

Leseprobe zu »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes«
(das erste Kapitel als PDF).

Viel Spaß damit.

Eine Sache vielleicht noch, weil wir gerade beim Thema ´Holmes-Buch sind: Diese Woche kamen ein paar Anfragen, was man denn tun müsse, damit man ein signiertes Exemplar der Story-Sammlung erhält, die ja bekanntlich im Dezember diesen Jahres im Atlantis Verlag erscheinen wird.

Wer sein limitiertes Hardcover (oder nicht-limitiertes Softcover, je nachdem) signiert oder sonstwie verschönert haben möchte, soll das am besten im Kommentar-Feld beim Bestellen über den Shop anmerken. Das kommt während des Bestellvorgangs automatisch als zweiter Schritt. Alternativ ginge auch eine Mail an Guido, schätze ich.

(Wenn es Unterwäsche ist, die signiert werden soll, dann aber wohl doch eher eine Mail direkt an mich. Und wenn mir nun jemand eine Einmann-Zelt-Short schickt, kann ich nur sagen: Very funny, my dear Watson.)

Comicdealer in neuem Gewand

Montag, August 24th, 2009

Gerd und moi saßen zwar fast den ganzen Nachmittag dran (und Gerd musste abends noch etwas fine-tunen), aber nun erstrahlt die Homepage von Hermke’s Romanboutique (a.k.a. den Jungs von Comicdealer.de)  in neuem Glanz.

Das coole Banner im Header stammt übrigens vom Würzburger Comic-Künstler und Tank Girl-Koloristen Christian Krank.

Schee schaut’s us.

Erschienen: Wasteland 2 – Stadt der Qualen

Montag, August 24th, 2009

Wasteland HC 2: Stadt der QualenVor Kurzem noch hier im Lektorat, inzwischen gedruckt und fertig für den Versand: Der zweite Band der Comic-Endzeit Saga »Wasteland« ist als »Stadt der Qualen« auf Deutsch bei Modern Tales erschienen. Rasante Story von Antony Johnston, tolle Graustufenbilder von Christopher Mitten, übersetzt vom Herrn Pannor, lektoriert von moi.

Die Reihenübersicht gibt’s auf der Verlagshomepage, eine Leseprobe zum zweiten Band beim Portal mycomics, und den Pressetext gibt’s hier. Bestellt werden kann beim, Verlag, im Buchhandel und Comicshop und bei Amazon & Co. (ISBN: 978-3-939585-29-9). Der Band ist wieder ein A5-Hardcover mit Schutzumschlag, hat 160 Seiten, kostet 16,- Tacken und bietet als recht ungewöhnliches Extra eine gezeichnete Rezension des ersten Bandes durch die Kollegen vom comicgate.

(Ihr hättet gern auch ein Interview mit den Machern hinten im Band gehabt, so wie in »Banana Sunday« oder »12 Gründe, dich zu lieben«? Beschwert euch beim Lektor/Redakteur, der hatte wegen seines ollen Sherlock Holmes-Romans und ein paar anderen dringlichen Sachen nämlich keine Zeit vor Redaktionsschluss …)

Fertig, my dear Watson!

Samstag, August 22nd, 2009

So, das war’s. Eben habe ich das von meiner Seite aus finale Skript von »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes« an den Verlag geschickt, stolze 387 Word-Seiten lang und 558.323 Zeichen schwer.

Passend: Guido hat mir heute die ISBN durchgesagt (978-3-941258-16-7), und Timo hat mir gestern, während ich mich noch über Tom Cruise’ Tropic Thunder-Dance gekugelt habe, die erste Skizze fürs Cover rübergemailt (sieht. spek. ta. ku. lär. aus). Im atlantischen Verlags-Blog hat Guido heute das Inhaltsverzeichnis gepostet. Ich gehe zur Feier des Tages noch einen Schritt weiter und poste mal das gesamte Vorwort von Win zum Band in voller Länge und Pracht. Have fun, my fellows:

»

Vorwort
von Win Scott Eckert

Sherlock Holmes lebt.

Jeder, der das bezweifelt, leidet an Wahnvorstellungen und verdient es, kräftig verhauen zu werden.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Biografie von Sherlock Holmes (gemeinhin „The Game“ – das Spiel – genannt) entsprang der Vielzahl an Diskrepanzen in Watsons Aufzeichnungen der Fälle des Meisterdetektivs. Die sherlockianische Tradition, das Objekt der fiktiven Biografie wie eine reale Person zu behandeln, folgt dem meistens auf dem Fuße. In diesem typisch sherlockianischen Spiel wird Holmes’ Chronist Dr. Watson ebenfalls wie eine lebende Person behandelt. Und während Dr. Watson die Fälle niederschreibt, wird Arthur Conan Doyle meist zu Watsons „Herausgeber“ degradiert.

Da scheint es einleuchtend zu sein, dass es viel mehr Fälle gab, die Watson dokumentierte, Conan Doyle jedoch niemals editierte und auch nicht dem Original-Kanon hinzufügte. Die Fülle solcher Sherlock Holmes-Erzählungen – von denen gerne behauptet wird, dass sie in dem legendären zerbeulten Blechtornister im Schließfach einer Bank oder auf dem Dachboden von irgendwelchen Verwandten Watsons in Amerika gefunden werden – trägt das Zeugnis von Watsons literarischer Fruchtbarkeit. Viele dieser unveröffentlichten Erzählungen weichen vom strikten Handlungsrahmen um Holmes’ deduktive Fähigkeiten – angewandt auf realistische Geheimnisse – ab. Sie wenden sich den Bereichen des Fantastischen, des Mystischen und des Außergewöhnlichen zu.

Dazu gehören auch die Geschichten in diesem Buch, die Christian Endres „entdeckt“ und „für eine Veröffentlichung bearbeitet“ hat. Damit folgt Christian einer reichen Tradition, die Licht in jene Abenteuer von Holmes bringt, die weniger fantasievolle Anhänger des großen Detektivs belächeln oder sogar ablehnen.

Holmes ist auch hier Holmes – die Geige, das Kokain, Mrs. Hudson, unsere geliebten siebzehn Treppenstufen hinauf zu 221B, das ist alles vorhanden. Doch auf den folgenden Seiten sehen wir einen Holmes, dessen Geschicke und Belange sich etwa mit Peter Pan, Kapitän Nemo, dem Land Oz, dem Erbe Graf Draculas und lovecraftianischem Horror überschneiden.
Und warum auch nicht?

Es gibt viele Fans solch extravaganter Holmes-Abenteuer. Schon früher hat Holmes in ähnlichen Geschichten diverse Male die Marsianer bekämpft (am bekanntesten dürfte „Sherlock Holmes’ War of the Worlds“ von Manly W. und Wade Wellman sein). Dem Grafen Dracula hat er noch wesentlich öfter die Stirn geboten (z. B. in Loren D. Estlemans „Sherlock Holmes vs. Dracula: The Adventure of the Sanguinary Count Dracula“ und vielen anderen). Unzählige Male hat er es außerdem schon mit cthuloiden Schrecken zu tun gehabt (z. B. in „Schatten über Baker Street“, herausgegeben von John Pelan und Michael Raeves).

Dr. Watsons Geschichten in diesem Buch nun, die Christian der Öffentlichkeit zugänglich macht, sind würdige und reizvolle Ergänzungen dieses Aspekts der Holmesianischen Erzählkultur.

„No Ghosts need apply.“

In der Tat!

Win Scott Eckert
Denver, Colorado, Juli 2009

Win Scott Eckert ist der Verwalter von Philip José Farmers Wold Newton Universum, Herausgeber von Büchern wie „Myths for the Modern Age“ oder „Crossovers: A Secret Chronology of the World“ und Autor von u. a. „The Evil in Pemberley House“, das er mit Farmers Erlaubnis kurz vor dessen Tod vervollständigte. Der Experte für Crossover, viktorianische Abenteuerliteratur und die Helden aus Pulps und Comics lebt in Denver, Colorado und bloggt regelmäßig unter http://woldnewton.blogspot.com.

«

Spinne in Love

Freitag, August 21st, 2009

Der Ultimative Spider-Man 68, Panini August 2009Gestern müsste neben einigen anderen feinen Panini-Comics der Ultimative Spider-Man 68 in den Läden und z. B. auch am gemeinen Bahnhofskiosk etc. aufgeschlagen sein.

Die entsprechende Ausgabe des ultimativen Netzkopfes aus der Feder von Brian Michael Bendis’ ist nicht nur wegen des Prologs zu den ULTIMATUM-Tie-Ins eine ganz besondere Heftnummer für mich. Denn USM 68 ist zugleich auch die Ausgabe der deutschen Serie, da ich die Redaktion für die Reihe komplett alleine übernommen habe.

Gibt’s für einen Spidey-Freak noch etwas Schöneres oder eine Steigerung redaktioneller Weihen? Bestimmt, aber mir fällt gerade nichts ein.

Das erste Heft mit meinem Gesabbel auf der vorderen und den hinteren Redaktionsseiten hat dann auch gleich noch Überlänge, da es neben einem regulären US-Heft (mit der Fackel und dem Geier) das dritte US-Annual der Serie enthält, (deshalb auch der leichte Aufpreis dieses Mal). Im Annual könnt ihr bereits den Zeichner David Lafuente bestaunen, der nach dem Ende von USM Stuart Immonen als Zeichner an der neu als Ultimate Comics Spider-Man wieder gestarteten US-Serie beerbte (und da einen ebenso tollen Job wie sein Vorgänger macht. Die »Wasserkopf«-Spidey-Bemerkungen werden geächtet, nur um das klar zu stellen!).

Das Interview mit Mr. Immonen, das noch als kleines Boni im deutschen Heft nun enthalten ist, habe ich übrigens auch übersetzt. Ja ja, wir Comic-Redakteure sind halt vielseitige Geschöpfe. Aber genug der Selbstbenetzung, twip, twip, twi …! Mist. Ego-Netzpatronen alle.

Ich habe euch die vordere (U2) und die hintere (U3) Redaktionsseite mal eingescannt und hochgeladen, damit auch die Nicht-Comic/USM-Leser wissen, wovon der verwirrte Mensch im heißen Herzen Unterfrankens da eigentlich spricht:

Redaktionsseiten "Der Ultimative Spider-Man" 68, Panini, August 2009

(Klick zum Vergrößern)

Auf dem Weg: Goon & The Surrogates

Freitag, August 21st, 2009

Heute habe ich die fertigen Dateien mit dem Satz des Interviews bekommen, das in der deutschen Ausgabe zu »The Surrogates« von Cross Cult enthalten sein wird, die damit nun auch in den Druck geht. Der ziemlich coole und von den Ansätzen und dem kritischen Ton her durchaus an den Technik gegenüber immer recht skeptischen Philip K. Dick erinnernde SF-Comic ist die Vorlage des gleichnamigen Kinofilms mit Bruce Willis.

Zur eigentlichen Comic-Story gesellen sich in der deutschen Ausgabe noch allerhand Extras, Skizzen, Cover, Art-Evolving und eben das zweiseitige Interview, das ich bereits im Februar mit Autor Rob Venditti und Zeichner Brett Weldele geführt habe. Ich bin sehr auf die fertige Ausgabe (vom Format her wie Cross Cults »From Hell«, »The Life Eaters« oder »M«) gespannt und wie sich die grafisch recht ungewöhnliche Vorlage zum möglichen Hollywood-SF-Blockbuster schlagen wird.

Rob und Brett erscheinen übrigens um die Buchmesse in Frankfurt herum auch in Deutschland und nehmen dort und in diversen Comcishops Signiertermine wahr – man könnte sich also die deutsche Ausgabe (sogar als Variant Cover erhältlich!) direkt vor Ort signieren lassen …

Gleiches gilt für den vierten »Goon«-Band von Pulp-Schocker Eric Powell. Auch hier hab ich heute noch geschwind die Druckfahnen meiner redaktionellen Beiträge angeschaut, ehe nun auch die freundlichen Herren Goon, Frankie und diesmal sogar Hellboy in die Druckerei gehen. Der züchtige Mr. Powell wird ebenfalls durch Deutschland touren, u. a. die Buchmesse in FFM beehren und Cross Cults Goon-Ausgaben (natürlich genauso mit Variant Cover) signieren.

Heiße Tage in London (auch für Zeitreisende)

Donnerstag, August 20th, 2009

Ich tupfte mir die schweißnasse Stirn ab und blickte missmutig aus dem Fenster. Wie üblich im Hochsommer im dicht bebauten London, brandeten die zähen gelben Nebelschwaden wie Wellen gegen die Fenster. Mir blieb schon beim Hinsehen die Luft weg, also wandte ich mich rasch ab. Ein Blick in unsere Wohnung im ersten Stock war jedoch nicht viel besser: Zwar waberte hier kein übel riechender Nebel, der die Augen tränen ließ – die Gefilde, in die mein Freund Mr. Sherlock Holmes sich selbst mit Hilfe des Kokains gebracht hatte, waren aber bestimmt ebenso nebulös wie Londons hochsommerliche Straßen. Es war jeden Sommer (und jeden Winter, wenn Schnee und Eis die Aufgabe von Hitze und Nebel übernahmen) das gleiche: Während der großen Hitzewelle in den Hundstagen Ende August blieben die Klienten aus der Baker Street fern; Holmes verfiel in seine lethargische Stimmung; und letztlich blieben als einziger Ausweg für den brillanten Geist meines Freundes nur das wenig brillante, aber anscheinend für ihn leider unabkömmliche Spritzbesteck und der Gürtel …

So viel als kleine Fingerübung, direkt in ins WordPress-Fenster gehackt.

Die letzten Betaleser-Kommentare (mit denen ich nicht mehr gerechnet hatte) und meine finalen Anmerkungen/Anspielungen sind in das Manuskript zu »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes« eingearbeitet. Ich gehe davon aus, dass es sich morgen oder übermorgen auf den Weg zu Guido macht – dann muss sich dieser nur noch die Rahmenbedingungen wegen des Lektorats überlegen. Leider hat unser gestresster Atlantis-Anführer anscheinend noch mit anderen Projekten gerade etwas viel zu tun (dabei dachte ich, ich sei der einzige für ihn!).

Auf dem urlaublichen Lesestapel ganz oben liegen derzeit »Jinx« von Brian Michael Bendis, »Conan: The Phenomenon« von Paul Sammon – und »Die Frau des Zeitreisenden« von Audrey Niffenegger. Letzteres ist ein wunderschönes Buch, das die Paradoxen der Zeitreisen mit den Paradoxen der Beziehungswelt zu einem wirklich – genau – paradoxen Bild einer Liebe macht. Sehr klug, sehr gefühlvoll, sehr witzig, sehr wirklichkeitsnah und verdammt gut geschrieben. Ob das jetzt primär Romance oder primär SF ist, ist dabei eigentlich kackegal, um die Sache mal auf den Punkt zu bringen. Einfach nur ein richtig, richtig gutes Buch.

So, und ich geh nun weiter mit dem Ventilator tanzen.

http://www.mallux.de/Freebird-p141h39s40-Sherlock-Holmes-und-.html