Jetzt reicht es doch noch zeitlich für einen Eintrag. Hat vielleicht auch damit zu tun, dass das Thema es mir wert ist, mir die Viertelstunde zu nehmen.
Diese Woche habe ich noch zwei Panini-Editorials auf dem Plan gehabt: Für den Marvel Apes-Sammelband, und für Spider-Man/X-Men. Marvel Apes ist die affige Fortsertung von Marvel Zombies – also eine Parallelweltengeschichte über ein Marvel Universum, in dem die Charaktere keine Menschen (und auch keine Zombies) sind, sondern Affen. Captain America ist ein Gorilla, zum Beispiel, und Spidey ist Spider-Monkey und schwingt durch Monkhattan, wo er sich mit Doc Ook anlegt. Hauptcharakter der Geschichte ist Marty Blank, vielen besser bekannt als der Gibbon. Er wurde 1972 von meinem Spidey-Helden-Dreamteam Stan Lee und John Romita sr. geschaffen – und zwar im letzten Heft von Amazing Spider-Man, das Lee selbst ›schrieb‹. Die Auflösung des Zweiteilers um den Mutanten Gibbon, der verbittert war, weil Spidey ihn auslachte und nicht als Partner wollte, und Kraven, den Jäger, schrieb dann bereit der damals 19-jährige Gerry Conway (der Mistkerl!).
Ich wollte mich in der Einleitung zum deutschen Sammelband mit den Marvel Affen aber nicht bloß auf den Gibbon konzentrieren, sondern vor allem auf die Entstehungsgeschichte des Projekt: Die ist nämlich recht interessant. Zum einen brachte ein Fan den Stein ins Rollen, der Marvel-Boss Joe Quesada auf der ersten New York Comic Con 2006 die Frage stellte, wieso es nach den [erfolgreichen] Marvel Zombies jetzt denn z. B. keine Marvel Affen gäbe. Zum anderen hat der viel zu früh verstorbene Mike Wieringo Anfang 2006 Zeichner-Kollegen Frank Cho das Bild eines Gorilla-Sentrys geschickt, nachdem Cho in seinem Forum dazu aufgerufen hatte, ihm Bild-Referenzen des Sentry zukommen zu lassen, den er bald zeichnen müsste. Ringo erinnerte sich an Zeichen-Legende Art Adams, der seinerzeit ebenfalls schon Affen in bekannte Superhelden-Outfits packte, und so kam es zum Sentry-Gorilla. Dem folgten Daredevil und Bullseye ebenfalls als Gorillas, Wolverine als Mandrill, und und und.
Jedenfalls, um diese Geschichte faktisch noch mal zu überprüfen, habe ich mich gestern durch Mikes Blog geklickt. Das hat mich ziemlich traurig gemacht. Nach seinem völlig überraschenden Tod hat sich Mikes Familie damals entschlossen, den Blog des so talentierten Künstlers online zu lassen. Mike hat dort viele Bilder und Sketches gepostet (man findet noch alle Affen-Bilder, wenn man mit etwas Geduld die älteren Einträge durch geht).
Mir ist dabei gestern aufgefallen, wie sehr ich Ringo vermisse. Unser Mail-Kontakt ist nach einem anfangs recht regen Austausch damals leider etwas im Sand verlaufen, woran ein überempfindlicher SPAM-Filter nicht ganz unschuldig war. Mike war ein verdammt netter Kerl. Ich kannte ihn jetzt nicht überragend gut – aber man hat ja auch ein gewisses Gespür für so etwas.
Ganz davon abgesehen, dass ich den Künstler Mike Wieringo sehr vermisse. Ich erinnere mich, dass ich ihn am Anfang nicht so mochte, die Verbindung von Manga und westlichem Superheldentum. Aber nach meiner Spidey-Pause waren die ersten Hefte, die ich damals wieder las, um die Identitätskrise herum die Hefte mit Mikes Artwork (Hornet! Der Geier! Die Fackel! Alles in Sensational). Und später hat mir Mike dann richtig gut gefallen – an Tellos, an dem bärenstarken Run mit Mark Waid an den Fantastischen Vier, und auch als er dann, kurz vor seinem Tod, noch mal mit Peter David an Spidey gearbeitet hat.
Das letzte Heft, das Ringo zeichnete, könnt ihr auf Deutsch übrigens in Im Netz von Spider-Man #12 sehen, ein recht spaßiges, im wahrsten Sinne des Wortes kosmisches Crossover zwischen Spidey und den F4 (um Längen besser als jenes Crossover, das es zuletzt auf den Seiten von BRAND NEW DAY in Amazing zu bestaunen gegeben hat).