Archive for Juni, 2009

Teure, lohnenswerte Ameise

Dienstag, Juni 30th, 2009

Ant-Man Digest 1Nein, diese Serie wird nicht gesammelt werden. Okay. Wir geben ihr zwei Digests. Aber wenn das zweite ausverkauft ist, ha ha, drucken wir es nicht nach, und die Leute können nur das erste lesen …

So oder so ähnlich muss das Gespräch im Marvel Office abgelaufen sein, als es darum ging, was man mit Robert Kirkmans The Irredeemable Ant-Man macht, nachdem die Maxi-Serie mit Heft 12 beendet war.

Kirkmans tolle Serie war während der letzten Event-Jahre eigentlich die hochwertigste Superhelden-Veröffentlichung im Marvel Universum. Konstant lustig, konstant gut, mit dem Flair seiner Invincible-Hefte und einem ausgesprochen madigen – ameisigen – Antihelden.

Tja. Und jetzt hat Marvel die Abenteuer von Ant-Man doch noch im Trade gesammelt. 272 Seiten. Und wisst ihr, was der Spaß kostet? Ich hab auf die Rechnung geschaut heute. Mehrmals.

35,- Dollar.

Make mine Marvel. Holla. Die. Waldfee. Ja, ich weiß, dass das im Vergleich zu den US-Einzelheften und bei dem Umfang noch okay ist. Aber das ist schon ein kleines Brett für so eine Ameise. Da diese wenig heldenhafte Helden-Ameise aber ein gigantischer Comic-Spaß ist, den ich nicht nur in den beiden Digests, sondern im ordentlichen Format haben wollte, konnte ich dennoch nicht widerstehen.

Preis hin, Preis her: Keine Serie hat während World War Hulk und Co. so viel Spaß gemacht wie Kirkmans Ant-Man. Wer auf außergewöhnliche, bissige Superheldencomics fernab von Schema F steht – die trotzdem klasse in die Continuity passen -, der ist mit Ant-Man bestens bedient.

Und falls sich das nun gerade etwas uninspiriert liest … heiß … anstrengendes (!) Fotoshooting (!! – morgen mehr dazu) … heiß …

100 Bullets …

Montag, Juni 29th, 2009

… ist eine Weltklasse-Comic-Serie. Allerdings muss ich jedes neue Trade zwei Mal lesen, damit ich die Story richtig genießen kann.

Die Sache ist die: Beim ersten Mal lese ich gerne etwas zu schnell, und Azzarello hängt mich ja ohnehin gern unterwegs ab. Also inhaliere ich beim ersten Lesen eher Rissos grandioses Artwork, ehe ich beim zweiten Lesen dann die Story für mich eingehend seziere und auch jede Beziehung schnalle – meistens, nachdem ich davor (nachdem ich davor? Sapperlot …) noch mal die übrigen Trades am Stück gelesen habe. 100 Bullets ist für mich Arbeit. Aber sie lohnt.

»My first for Germany …«

Montag, Juni 29th, 2009

Peter V. Brett schreibt nicht nur ziemlich nette (und dicke …) Fantasy-Bücher – er scheint auch ein netter Kerl zu sein und sich nicht hinter dem internationalen Erfolg seines Romandebüts »The Painted Man« zu verstecken. Und er hat sich darüber gefreut, dass ich ihn wegen einem Interview kontaktiert habe:

»

Hi Christian,
Thanks for getting in touch. I’m happy to hear that you enjoyed the book.
I’d be delighted to do the interview (my first for Germany, apart from the
one I did for Heyne!). My schedule is quite hectic these days, but if you
send me the questions, I will answer them as quickly as I can.

Thanks again. Regards,
Peter V. Brett

«

Na dann werden wir doch mal ein paar Fragen zusammenstellen und über den Teich nach NYC jagen. Aber keine Sorge, ich halte Mr. Brett nicht vom Schreiben ab, indem ich ihn zur Beantwortung der Fragen hinpeitsche …

Außerdem: Habt ihr nicht gelesen, was seine Protagonisten mit Dämonen machen? Was denkt ihr, was der Autor da mit aufsässigen Journalisten macht, mh?

Sherlock Holmes und das Lied der Dunkelheit

Sonntag, Juni 28th, 2009

Peter V. Brett hat mit »Das Lied der Dunkelheit« (der Originaltitel »The Painted Man« klingt natürlich wesentlich schöner – und das nicht nur wegen der Assoziationskette zu Bradbury) einen ganz ordentlichen Debütroman vorgelegt, den ich in zwei 400-Seiten-Etappen durchgelesen habe.

Ich denke, die große Stärke des Romans ist die Einfachheit des Settings. Umso blöder der Vergleich mit Tolkiens Epik auf dem Klappentext. Obligatorischer, standardisierter Blödsinn. Nur weil jemand eine Fantasy-Trilogie schreibt … aber lassen wir das.

Ohne sich lange mit der Welterschaffung aufzuhalten, wirft Brett uns in eine Welt, in der wir uns sehr schnell zurecht finden – und die trotzdem ziemlich tauglich ist, um ein solides, süffiges Fantasy-Abenteuer zu schreiben. Mal sehen, wie sich das in Band zwei entwickelt. Bis hierhin gute Charakter-Fantasy, die ingesamt vielleicht 100 Seiten zu lang war.

Und ganz nebenbei: Der Textmarker hatte gerade so seinen Geist aufgegeben, als ich die letzten beiden Seiten des Holmes-Ausdrucks auf der Terasse durchackern wollte. Aber auch das konnte mich nicht aufhalten. Nun fehlen nur noch zwei Betaleser-Feedbacks, und dann wandert das Wordfile an Großmeister Latz, der das Lektorat mit Arbeit versorgen kann. Gedanklich bin ich derweil immer mehr beim nächsten Projekt, und es ist ganz gut, dass der Schlussstrich unter Holmes in greifbarer Nähe ist.

Fritz Leiber. Schöpfer dunkler Lande und unrühmlicher Helden

Samstag, Juni 27th, 2009

SF Personality 18: Fritz Leiber. Schöpfer dunkler Lande und unrühmlicher Helden, Shayol 2009Ich weiß nicht, ob es an mir oder an Shayol liegt. Aber nachdem ich bereits Anfang des Jahres erst mit einiger (und reichlich schändlicher, argh!) Verspätung Joe R. Lansdales überragenden »Der Teufelskeiler« entdeckt hatte, hat es diesmal wieder länger gedauert, bis ich gesehen habe, dass man im April (!) eine schöne Bibliogaphie Fritz Leibers innerhalb der SF Personality-Reihe herausgegeben hat.

Mal ganz davon abgesehen, dass mein Essay Dunkle Damen aus den Schatten aus »Hexenvolk« darin gelistet ist (der Text aus der bei Cross Cult erschienen Comic-Adaption hat leider keine Berücksichtigung gefunden, wie der gesamte Comic – Fokus liegt auf den Prosaveröffentlichungen) – so was wäre mir doch früher nicht passiert! Ein neues Buch von, mit oder über Leiber? Das hätte ich schon 5 Monate vorher vorbestellt …

Rats. Aber gut, jetzt hab ich es ja mitgekriegt. Gestern kam das Paperback an, und das ist wirklich sehr schön, fundiert und hübsch gemacht. Eine Übersicht dieser Art gab es bisher nicht – dabei war sie eigentlich bitter nötig, da Leibers Werk ja doch eher quer über diverse Verlage und Bücher (bzw. Anthologien) in Deutschland verstreut ist. Eine uneingeschränkte Empfehlung für den Band.

In der nächsten Nautilus, die im Juli erscheint, wird von mir übrigens ein neuer Text über Leiber abgedruckt sein, in dem ich Leibers Fafhrd und den Grauen Mausling mit Howards Conan vergleiche. Äpfel mit Birnen? Nun. Nicht unbedingt …

Und während ich jetzt in meinem wunderschönen Usagi Yojimbo-Artbook (bzw. hier) schmöker, darf bitte mal jemand den Schalter umlegen, damit die Schwüle abzieht. Beim Friseur und auf dem Rückweg wäre ich vorhin  fast eingegangen …

Michael Jackson (1958-2009)

Freitag, Juni 26th, 2009

:(

Ich fürchte, wenn heute Beat it & Co. laufen, wird das ziemlich bitter sein.

Klammern wir mal aus, was für eine Achterbahnfahrt sein persönliches Leben in den letzten Jahren gewesen ist – als Künstler war er einfach titanisch.

Farewell, King.

Viel Redaktion, wenig Fiction

Donnerstag, Juni 25th, 2009

Kommen kreative Schübe in Zyklen? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Allerdings ist die Muse eine Frau, und das verspricht ja diverse Launen …  :P (Lasst die Mistgabeln und die Fackeln wo sie sind, meine Damen!).

Spaß bei Seite. Es gibt Tage (wenn nicht sogar Wochen), da wache ich morgens auf und weiß wie der Indianer in der Mars-Werbung: Heute ist ein guter Tag zum Schreiben! Und es gibt Tage, da weiß ich schon vor der ersten Tasse Tee oder der ersten Einheit koffeeinhaltiger Wunderdroge – ähä, das wird heute nix, Pilger.

Das sind dann meistens die Phasen, wo ich viel Redaktionskrempel erledige.

Diese Woche ist das wieder so. Ich würde gern die Holmes-Ausdrucke weiter überarbeiten, am besten so im Fluss und mit so viel Schwung und Freude und Spaß daran wie am vergangenen Samstag. Ist halt nicht drin, bedingt durch diverse Faktoren, Stimmungen, den Mondstand und vielleicht die Art und Weise, wie die Haarbürste morgens im Körbchen liegt. I dunno. I have to live with that.

I have to make das Beste draus. Vorgestern habe ich bereits den Artikel über Simon R. Greens Geschichten aus der Nightside für die Urban Fantasy-Schwerpunkt-Ausgabe der Nautilus abgeschlossen und abgeschickt, ebenso den kurzen Text über Mark Rowlands’ ziemlich empfehlenswertes »Der Philosoph und der Wolf«.

Aktuell arbeite ich noch an einem Artikel zum 25-jährigen Jubiläum von Stan Sakais Usagi Yojimbo für phantastisch!.  Und auf der To-Do-Liste stehen noch ein Text für den vierten Goon-Band bei Cross Cult (das Goon/Hellboy-Crossover!) und ein paar andere redaktionelle Texte, die ich bis Mitte Juli von den Tatzen haben wollte.

Ob mit oder ohne Holmes, mit oder ohne Fiction: Langweilig wird’s eigentlich nie.

Und wie das meistens so ist, wird der Holmes am kommenden WE bestimmt wieder besser in der Hand liegen und laufen. Ausgeschlafen, ohne Zeitdruck, und einfach weil der Mond wieder etwas weiter gewandert ist. Mehre esoterische Weisheiten demnächst auf diesem Kanal, danke für die Aufmerksamkeit.

»I’m not a very good typist …«

Donnerstag, Juni 25th, 2009

Für eine der herstblichen Nummern der Nautilus werde ich mich ein bisschen mit den verschiedenen Illustratoren von Terry Pratchetts Scheibenwelt auseinandersetzen: Den Comic-Künstlern, Kartenmalern, Cover-Artists und Innen-Illustratoren. Paul Kidby hatte ich für Phase X #5 ja schon einmal interviewt – diesmal ist Stephen Player dran, der für das 25-jährige Scheibenwelt-Jubiläum die ersten beiden Discworld novels und »The Wee Free Men« illustriert hat. Seine Ausgaben von »Die Farben der Magie« und »Das Licht der Phantasie« bringt Piper im Oktober heraus.

Der erste Scheibenwelt-Roman, illustriert von Steve PlayerGestern habe ich Steve ein paar Fragen zugemailt – und heute Morgen hatte ich bereits eine Antwortmail mit Anhang im Briefkasten. Holla die Waldfee, fixer Bursche, dachte ich mir. Dann runzelte ich die Stirn. Der Anhang war eine etwas mehr als 100 kb große MP3-Datei, betitelt mit »Christian«.

Darin fragt Steve mich, ob es okay ist, wenn er die Fragen so beantwortet, und ich das dann abtippe, da er nicht der schnellste Tipper auf Erden sei und das für ihn sonst richtig doof wäre. Nun. Ich müsste für die Übersetzung ja sowieso alles noch mal tippen, von daher ist das für mich okay …

Es erinnert mich aber ein bisschen an die letzten Jahre in der Schule früher. Hör-Test im Englisch-Unterricht von Kassetten, die mal von Professoren aus Oxford, mal aber scheinbar von betrunkenen schottischen Seeleuten besprochen waren.

Steve ist von der Aussprache her zum Glück eher beim Professor und weniger beim Seemann angesiedelt …

Post aus Italien

Mittwoch, Juni 24th, 2009

Die Witze und Ärgernisse über die »Geschwindigkeit« der südländischen Post sind legendär. Jeder kennt die Urlaubspostkarten (oder wenigstens den Mythos davon), die Zuhause ankommen, wenn man fast schon wieder die Winterjacken in den Garderobenschrank packt und der Urlaub nur noch eine Erinnerung ist, die wie der Sonnenbrand langsam, aber sicher verblasst. Ein Klischee wie das englische Wetter, an dem manchmal mehr dran ist, als einem lieb ist.

Tja. Ein paar Büchersendungen, die ich Anfang letzter Woche innerhalb Deutschlands verschickt habe, taumeln immer noch verwirrt und verspätet ihrem Bestimmungsort entgegen. Ob sie ankommen, weiß der Himmel. Inzwischen befürchte ich das schlimmste für Aufmunterungs-Geschenke und signierte Exemplare von »Der Preis des Lebens«.

Dafür hat Carlo von Modena in Italien aus gestern eine Ladung Belege an meine Adresse hier in good ol’ Germany losgeschickt. Mit UPS. Und jetzt ratet mal, wer gerade eben geklingelt hat. Richtig: UPS.

Irre. Hat vermutlich etwas mit dem Beschleunigungsfaktor der Alpen zu tun.

New old Spidey!

Mittwoch, Juni 24th, 2009

Ich erinner mich an eine Zeit in den Neunzigern, als ich meine selbstaufgenommenen VHS-Kassetten mit der Cartoonserie New Spider-Man archivieren wollte. Die Qualität war natürlich entsprechend, die Lücken zwischen den aus dem TV aufgenommenen folgen nervig, das ganze Projekt eine stilechte Spinnerei (und deshalb schweigen wir den Versuch mal tot …).

Umso schöner, dass Rough Trade nach Spider-Man & his Amazing Friends, den ersten X-Men-Staffeln, dem Unglaublichen Hulk und den Fantastischen Vier-Cartoons nun nebem der Silver Surfer-Serie auch Spider-Man: The Animated Series von 1994/1995 veröffentlicht. Die erste Season ist eben auf zwei Silberlingen erschienen, und das kann sich nach wie vor ganz gut ansehen lassen und ist eine verdammt gute Adaption der Netzschwinger-Abenteuer. An den Folgen haben aber schließlich auch Leute wie Gary Conway oder Len Wein mitgeschrieben, von daher …

»Pass auf Amigo, gleich fallen dir deine Glubscherchen raus« ist zwar keine besonders tolle Übersetzung von »Face it, Tiger, you just hit the jackpot« (die vierte Episode ist ohnehin eine der schwächsten der gesamten Serie – Roboter sind eben doof…) – ansonsten gibt es an SM: TAS alias New Spider-Man, wie die Serie hierzulande zunächst auf RTL benannt und beworben wurde, nicht viel auszusetzen. Im Gegenteil. Die Animationen sind immer noch sehr gut, der Witz ist den Comics entlehnt, und die Interpretationen der Figuren und ihrer Zusammenhänge sind für eine Trickserie richtig gut und gleichfalls nahe am Original. Da braucht man gar nicht nostalgisch verklärt sein, um zu erkennen, dass diese Serie eine gewisse Qualität hat, da die auch 14 Jahre später noch ersichtlich ist. (Schön auch, wen man nach der vierten Folge alles als Charaktere eingeführt hat: Tante May, Norman Osborn, Felisha Hardy, Deborah Whitman, Curt Connors/Echse, Smythe/Spinnenkiller, Kingpin, Flash Thomposon, Harry Osborn, Mary Jane Watson, J. Jonah Jameson, Joe Robertson, Mac Gargan/Skorpion – das ist schon recht ordentlich. Und wird rasant anwachsen mit den nächsten Folgen …

Bei mir kommt erschwerend hinzu, dass ich durch diese Serie so richtig zum Spidey-Fan geworden bin, da ja zeitgleich die letzten Condor-TBs erschienen. Und schließlich hieß Spider-Man sowohl dort, als auch in den Episoden der Trickserie Spinne …

Keine Angst, Großmeister Latz. Holmes wird trotzdem weiter überarbeitet :P