Archive for Februar, 2009

Der Fluch der Nummer Zwei Reload

Freitag, Februar 27th, 2009

Man kann die Uhr danach stellen: Ist man als Autor von einer Kurzgeschichte besonders angetan, kommt von einem der Testleser dann ein monströses Brett. Oder noch schlimmer: Die Geschichte wird weder als gut, noch als schlecht deklariert. Und was ist schon schlimmer, als eine belanglose Story zu schreiben? Das wäre ja fast so, als würde man auf Grabsteine nur noch Dieter-Bohlen-Sprüche und Media-Markt-Werbeslogans meiseln … 

Der Fluch der Nummer Zwei wird also nicht bei 10 bis 111Seiten bleiben. Inzwischen sind es 20, und ich brauche bestimmt noch mal um die 10 Seiten, um das Ganze in der Neufassung zu beenden. Die ersten 10 Seiten sind beinahe unverändert geblieben. Danach macht die Story, die als Snack für Holmes begonnen hat und von ihm mit Leichtigkeit aufgelöst wurde, wie es schien, eine Kehrtwendung und wird richtig intensiv für Holmes. So ist das eben mit brillanten Männern: sie machen wenig Fehler – aber wehe, wenn sie mal daneben greifen. Auch damit muss man umgehen können. Und je erfolgsverwöhnter man ist, desto schwerer fällt es einem. 

Ich bin mal gespannt, was Monsieur Kotowski zur Neufassung sagt, wenn er sie am Ende des WEs kriegt (oder ist er immer noch zwangsoffline dank der Machenschaften in Magenta?). Eigentlich müsste es ihm als Vampir-Mythos-Experten und Dracula-Freak ja gefallen. Aber man weiß bei so Testlesern ja nie … 

Nebenbei: Ich hab mir wieder einen Spaß draus gemacht, ein paar Anspielungen einzubauen. Das beginnt mit dem Titel, der nun einfach nur noch Der Fluch lautet und damit eine Verneigung vor Alan Moores Werwolf-Story The Curse aus seinem legendären und von mir hoch geschätzten Run an Swamp Thing ist (siehe drittes Trade der Serie).

Allianz gegen Horde

Donnerstag, Februar 26th, 2009

Kartefakt #89, Februar 2009Als ich vor Jahren noch so richtig Magic-verrückt war, war die einmalige Kartefakt-Sonderausgabe »Kartothek Pur« meine Bibel.

Magic: The Gathering war ferner auch meine Einstiegsdroge zur Fantasy, die es Tolkiens Hobbits und Elben und Zwergen später ermöglicht hat, mich ohne große Probleme endgültig für das Genre zu gewinnen (ein Gewinn für das gesamte Metier, ich weiß, ich weiß, danke, danke. Hinsetzen. Weiterlesen).

Inzwischen ist die Zeit, wo ich mit Begeisterung Magic-Karten gesammelt und anfangs auch noch mit ihnen gespielt habe, eher eine nostalgisch-schöne Erinnerung.

Nun lag heute mein Beleg der aktuellen Kartefakt #89 im Briefkasten. Darin: Ein Artikel, der mich als Co-Autor aufführt. Zugegeben: Den Löwenanteil am Text erledigte Zocker-Majestro und Würzburger Redaktions-Kollege Carsten Pohl, der mich als Testspieler für das World of Warcraft Miniaturen-Clickspiel auserkoren hat. Cool ist das natürlich trotzdem. Kartefakt. Moi. Nice. 

Demnächst müsste von uns beiden auch noch ein anderer Artikel über das Fantasy-Game mit dem Click erscheinen, für den ich zunächst unwissentlich als Versuchskaninchen missbraucht wurde (und textlich hinterher dennoch auch etwas mehr gemacht habe): ‘Doc’ Pohl wollte nämlich herausfinden, ob Profi und Anfänger anders ticken, wenn es ums Planen des Spiels und der Spielzüge geht. Da sprach dann wohl wieder der Psychologe aus ihm. War aber schon interessant – nachdem ich mich abgeregt hatte, weil er mich mit Kalkül abgezockt hat, nur um seine Theorie zu beweisen …  ;)

Und wer weiß? Vielleicht habe ich sein Spiel ja auch von Anfang an durchschaut und nur so haushoch verloren und jeden Anfängerfehler begangen, den man begehen kann, damit der Kollege nicht so traurig ist… :D

Philip José Farmer (1918-2009)

Mittwoch, Februar 25th, 2009

Verdammt :(

Er war einer der ganz Großen.

Ein amerikanischer Ritter in Berlin

Mittwoch, Februar 25th, 2009

In der aktuellen Verlagsvorschau von Klett-Cotta bin ich über »Der amerikanische Ritter« von Tod Wodicka gestolpert (im Original »All shall be well; and all shall be well; and all manner of things shall be well«).

Darin erzählt Tod Wodicka von Mittelalter-Fan Burt, der sich in eine Scheinwelt zwischen Rollenspiel und Exzentrik zurückzieht, nachdem seine Frau gestorben ist. Den Bruch, den dieses wenig verantwortungsvolle Verhalten mit seinen Kindern bedeutet, versucht Burt (inzwischen jenseits der 60) auf einer Europa-Reise in Kutte zu kitten. Dass das nicht einfach wird und auch in die Hose gehen kann, steht außer Frage …

Nach kurzer Recherche über das Buch war aber ebenfalls klar: Das ist wahrscheinlich nicht nur ziemlich lesenswert, sondern auch ein interessanter Aufmacher. Am Ende stimmt beides: Das Buch ist erstklassig und lebt von einem tollen Humor aber auch viel Beobachtungsgabe und Sinn für Gefühle, und ein längerer Artikel ist das Thema auch geworden – und zwar in der aktuellen zitty (Ausgabe 5/2009). Darin ist außerdem noch meine Rezension zum distopischen Klassiker »Der Krieg mit den Molchen« zu finden, der zwischen den Jahren vom Aufbau Verlag in einer schönen Neuausgabe wiederaufgelegt wurde und entsprechend zur Wieder- oder Erstentdeckung bereit steht.

Aber noch mal zum großen Artikel über den in New York geborenen, heute aber in Berlin lebenden Mr. Wodicka und sein wirklich sehr gutes Romandebüt: Der Artikel ist ein von redaktionellen Passagen zusammengehaltener »Zusammenschnitt« eines ziemlich langen, ziemlich ausführlichen, ziemlich persönlichen und ziemlich schönen Interviews mit Tod, das ich Mitte Januar mit ihm geführt habe. Irgendwann nächste Woche geht das originale Interview auch bei Zitty online, so weit ich weiß.

Für alle Berliner, Leipziger und Kölner hier noch die Termine zu den ersten Lesungen bzw. der Buchpremiere von »Der amerikanische Ritter«.

Bullshit Nation

Mittwoch, Februar 25th, 2009

Bullshit Nation, Heyne 2009Keine Angst: Nun folgt kein Kommentar zum wirtschaftlichen oder politischen Zustand unseres Landes. Das überlasse ich anderen. Außerdem: Wenn man nichts Gutes über jemanden oder etwas sagen kann, soll man es ja bekanntlich lassen … 

Hinter Bullshit Nation verbirgt sich die Taschenbuch-Neuauflage des gelungenes Roman-Debüts von Autor James P. Othmer. Darin erzählt er von Yates, dem gefragtesten Futurologen unserer Zeit: dem populärsten Trendpapst einer ganzen hungrigen Generation auf der ständigen Highspeed-Gralssuche nach oberflächlichen Scheinwahrheiten und falscher Hoffnung – nach polierten Statistiken und schönen, trügerischen Satzkonstruktionen, um die nächsten Sponsoren in einen infizierten Müllhaufen investieren zu lassen oder um die ausgemergelte Bevölkerung noch ein wenig länger hinhalten zu können. Montags predigt Yates gegen Abtreibung, dienstags hält er eine Lobrede auf das Kondom. Er beschönigt Sterberaten, ignoriert den Hunger der Welt und dreht Zahlen und Zitate, bis der Gipfel der Gesellschaft über die Zukunftsperspektive erfährt, was er hören möchte.

Eines Tages erkennt der zwischen Hotelzimmern und Konferenzsälen tingelnde Yates jedoch, dass sein Leben als Neo-Nostradamus im Dienste zurechtgezimmerter Prognosen und ersonnener Hochglanz-Visionen nicht nur die Menschen um ihn herum, sondern auch ihn selbst betrogen und ins Unglück gestürzt hat. Eine einzige, mit Hilfe der hochprozentigen Herren Bean und Puschkin geschriebene Rede in Südafrika (Yates’ erstes Manifest der Ehrlichkeit seit vielen, vielen Jahren) krempelt das Leben des begehrten Futurologen quasi über Nacht um.

Nun verzapft Yates nicht länger den titelgebenden Bullshit, den alle Welt hören will. Er wird zum Antiheld der Zukunftsseher und überdies im Auftrag einer ominösen Organisation ausgesandt, weltweit wichtige bevorstehende Ereignise auszumachen – ein Spürhund für Krisen mehr denn für Trends. Als Yates dann nach einem Grönland-Trip auch noch kryptische Botschaften mit Nostradamus-Zitaten kriegt und u. a. Zeuge und Haupdverdächtiger eines Bombenattentats in Mailand wird, merkt er recht schnell: Die Wahrheit kann noch gefährlicher sein als das Spiel mit der falschen Hoffnung im Multimediazirkus. So gefährlich sogar, dass Yates auf einer einsamen Insel im Surferparadies abtaucht und kurz darauf in einem Kriegsgebiet landet …

Für mich ist Bullshit Nation mein persönliches 2009er-Äquivalent zu Kill Your Friends, auch wenn Othmers bis an die Schmerzgrenze überspitzte Satire weniger derb und um einiges politischer und zeitgenössischer ist. Beide Bücher begeisterten jeweils zu Beginn eines neuen Buchjahres und passen per se erst mal so gar nicht in mein übliches  literarisches/belletristisches Beuteschema – und doch haben sie mich sehr gut unterhalten, während sie ursprünglich nur wegen Cover-Gestaltung und Titel in mein Blickfeld geraten sind. Beide sind faszinierende Werke und geben mit verschiedenen Ansätzen Einblick in einen seltsamen, stark manipulativen Kosmos. 

Meine vollständige Rezension des bizarr-guten Buches zwischen Satire und Thriller gibt’s beim Fantasyguide. (Die Rezension zu Kill Your Friends gab’s vor knapp einem Jahr an gleicher Stelle). 

Und hier noch ein link zu einem Interview mit Othmer.

The Plague Dog

Dienstag, Februar 24th, 2009

Heute morgen, sieben Uhr. Auf der Straße ein Polizeiauto, das die Umgebung mit Suchscheinwerfern absucht – auf unserem Firmenparkplatz ein schwarzer Hund irgendwo zwischen Labrador und Schäferhund, der den Autos hinterher jagt, verwirrt durch die Gegend rennt und versucht, sich selbst in den Schwanz zu beißen. Drogen? Faschingssuff? Tollwut? Wer weiß. Die Kollegen mit Gleitzeit, die die arme verwirrte Töle beim Einparken fast am Hinterreifen kleben hatten, blieben zur Sicherheit im Auto sitzen, bis die wandelnde Frolic-Vernichtunsmaschine weiter gezogen war. Ob ihn die Freunde in Grün mittlerweile einkassiert haben? Auch das entzieht sich meiner Kenntnis. Richard Adams hätte an dieser Szene bestimmt seine Freude gehabt. 

Und Sherlock Holmes? Vielleicht hätte er ja wieder über Rudolph Leubuscher philosophiert, während Watson sich an ein dunkles Moor und ein ge-spens-tisch-es Heulen erinnert. Und ich? Ich seh das ganz pragmatisch und leicht genervt (und durchs Fenster im zweiten Stock):  Der verrückte, potentiell gefährliche und tollwutverseuchte Killer aus dem Totenreich war mir lieber, als der Schnee, der jetzt schon wieder herab rieselt.

Anthony Boucher

Dienstag, Februar 24th, 2009

Warum hatte ich Anthony Boucher – Autor hochgelobter Sherlock-Holmes-Radiostücke in den 1940ern und Mitbegründer des The Magazine of Fantasy & Science Fiction; für seine Redaktionstätigkeiten ab 1949 hat er sogar zwei Mal den Hugo gewonnen – eigentlich aus meinem Gedächtnis verdrängt bzw. bisher nur ein oder zwei Storys von ihm gelesen, obwohl mir sein Stil eigentlich sehr gut gefällt? 

Wie ich jetzt ausgerechnet auf den guten Mann komme und mir extra über Marketplace ein Exemplar von dem von Isaac Asimov, Martin H. Greenberg und Joseph D. Oleander herausgegeben  Feuerwerk der SF (Microcosmic tales: 100 Wondrous Science Fiction Short-Short Stories, 1980) geordert habe, in dem Bouchers Story Mr. Lupescu enthalten ist? 

Nun, neben Fritz Leiber und einigen anderen gilt Boucher als Wegbereiter der Contemporary bzw. Urban Fantasy. Und durch seine Holmes-Verbindung, bei der gestern irgendwas bei mir geklingelt hat, bin ich nun wieder zu ihm gekommen. Er kriegt eine schöne Anspielung in der Geschichte, die ich gestern geschrieben habe – Der Fluch der Nummer Zwei. Eigentlich wollte ich ja bloß als entspannende Fingerübung schauen, ob ich eine minimalistische Einszenen-Holmes-Story auf 1.000 Zeichen hinbekomme, einen richtigen Shorty. Die Idee war dann aber zu nett, und so habe ich sie richtig auf acht Manuskriptseiten ausgeführt. Referenzen diesmal? Boucher und Neil Gaiman (in Kombination), Robert Kirkman/Jason Howard und der ikonische Michael Moorcock (der einst eine schöne Holmes-Story für Mike Ashley schrieb). Moorcocks Charakter von Mrs. Hudsons Schwägerin in der Dorsett Street Nr. 2 ist auch der Co-Aufhänger der kleinen Geschichte. Bei ihr haben Holmes und Watson eine Weile im Sommer gewohnt, als die Baker Street 221B gerade rennoviert wurde. 

I like that author’s silly game. Ich hoffe nach wie vor, dass das diese “intertextuelle Suchspielchen” halbwegs angenommen werden … 

(und keine Angst: Die lange Titelstory ist nicht vergessen. Wenn sie ein oder zwei Tage ruht, schadet das aber auch nichts.)

Uhrwerk des Todes

Sonntag, Februar 22nd, 2009

Der Wecker geht morgen wieder viel zu früh, aber das muss noch sein:

Es sah heute (wie gestern nach dem Fantastikschaffenden-Stammtisch ebenfalls schon nicht) lange nicht danach aus, aber nun ist es mit der ersten Fassung der Titelstory für den Holmes-Band doch noch etwas geworden! Und nein, nicht nur Anspielungen auf »Das Zeichen der Vier«, Gustav Meyrink oder »Pinocchio« habe ich untergebracht (wie angedacht), sondern auch noch »Frankenstein« und Bernie Wrightson. Ziemlich fannish, ich weiß – aber auch recht befriedigend.

Im Moment sind es für die Titelstory von »Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes« knapp 69.000 Zeichen – vermutlich pendelt es sich bei 70.000 ein, wenn ich die Überarbeitung durch habe.

Und wenn ich Guido Latz nun vorschlage, den Titel zu ändern, bringt er mich um…  :D

Striptease-Blog, Spielberg und ein Oscar

Sonntag, Februar 22nd, 2009

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Und mit Begeisterung für eine Sache schreibt es sich am leichtesten, wie nicht nur der große Ray Bradbury weiß. Manchmal endet das dann aber nach ein paar Stunden Recherche- und Schreib-Arbeit mit einem Artikel, den letztlich dann doch niemand abdrucken möchte oder kann – die Wirtschaftskrise hat halt auch die Magazine getroffen, und als Juno im Kino lief bzw. auf DVD herauskam, war Diablo Cody eben auch schon mal vielerorts ein Thema. Immerhin, eine kürzere Rezension ihres Romandebüts »Nackt«, das dieser Tage bei Kiepenheuer als plakativ aufgemachte Klappenbroschur erschienen ist, gibt es demnächst im Berliner Zitty. Der Artikel,  den jeder zwar lobte, aber eben kein Plätzchen einräumen konnte oder wollte, gibt es indessen schon einmal hier:


Diablo Cody: Hollywoods heißeste Aufsteigerin

Nackt, Kiepenheuer 2009Dass man einen Enthüllungsroman über alle nur erdenklichen Sündenfälle und -pfuhle der modernen Unterhaltungsbranche am Besten als Insider schreibt und mit spitzer Feder und entwaffnender Offenheit munter aus dem Nähkästchen plaudert, haben Porno-Queen Jenna Jameson, Aufreißerkönig Neil Strauss und Musik-Produzent John Niven in den letzten Jahren hinlänglich bewiesen. Wer dann wie Diablo Cody auch noch ein Pseudonym hat, das nach mit Dynamit verschnittenem Viagra klingt, der muss natürlich ebenfalls über Stripperinnen, Stangentanz, Peepshows und die amerikanische Stripposphäre schreiben, und das am besten autobiografisch und nach einer Karriere als Internet-Bloggerin, die ihre anrüchig-anstrengende Striptease-Karriere genau unter die Lupe genommen hat.

Den verruchten Job im launischen Dollarregen auf der Bühne und an der vermaledeiten Stange nahm Cody ohnehin nur an, weil das bis dato viel zu brave Mädchen in ihr rebellierte und endlich mal richtig verrückt spielen wollte – was schließlich dazu führte, dass sie eines Tages vor einen Stripclub im winterlich-kalten Minneapolis stand und sich für einen Abend Tanz bis zum Höschen (und weit darüber hinaus) anmeldete. Die ultimative Flucht vor Spießigkeit und Normalität, »um nicht an Butterbroten zu ersticken, denen man die Rinde abgeschnitten hat«, wie Cody in ihrem Roman-Debüt betont. Allerdings: Nackte Mädchen sind auch nicht immer eine Lösung, wie es im kecken Enthüllungsroman, der jüngst bei Kiepenheuer auf Deutsch erschienen ist, ebenfalls so schön heißt.

Trotzdem war Codys unterhaltsame Blog-Analyse des Stripperinnen-Daseins das Startbrett für die erstaunliche Karriere von Hollywoods heißester und inzwischen wohl auch gefragtester Aufsteigerin. Denn für Diablo Cody heißt es längst nicht mehr allabendlich Hüllen fallen lassen oder just for fun bloggen – mittlerweile heißt es für sie Romane und Drehbücher verfassen, Talkshow-Auftritte, Interviews, Oscar-Verleihung und ein Job als Dialogschreiberin für eine Sitcom nach einer Idee von Regie-Altmeister Steven Spielberg.

Ob die 1978 als Brook Busey in Chicago geborene Diablo Cody (Ursprung des Pseudonyms ist übrigens der Song El Diablo, der im Radio lief, als sie nach ihrer Vegas-Hochzeit gerade durch das von Buffalo Bill mitbegründete Städtchen Cody fuhr) sich so einen Erfolg vorgestellt hat, als sie über ihr neues Stripperinnen-Ich bloggte? The Pussy Ranch, wie ihr Blog hieß, erweckte jedenfalls die Aufmerksamkeit von Filmproduzent Mason Novick. Dieser verhalf Cody zu einem Verlagsvertrag für »Nackt« und, woraus Interesse an ihrem Drehbuch zur sympathisch-witzigen Außenseitergeschichte Juno folgte. Ihren spritzigen Blogger-Charme hat Cody sich indessen auch für die Romanfassung ihrer Stripperinen-Autopsie bewahrt, wo sie abermals Alltag, Sorgen, Chancen und Gedanken der modernen Neon-Geishas aus ihrer Sicht und Erfahrung beschreibt.

Interessant an Codys Werdegang ist natürlich vor allem, dass das Internet wieder einmal als Indikator für eine Erfolgstory dient: Im Netz und gerade der Blogger-Szene pflegt man entweder gar keine oder aber eine sehr direkte, von Schnelligkeit und aggressiver Offenheit geprägte Sprachkultur. Codys Roman, aber auch ihre Drehbücher leben von ihrer frechen Schnauze und den ungeschminkten Sätzen und Dialogen – moderne Eloquenz direkt aus dem Leben und made im Web 2.0, wenn man so möchte. Und darauf aufbauend eine Karriere, so steil und rasant wie ein Raketenstart – fast schon beängstigend.

Da tat es beinahe gut, dass Cody bei der letztjährigen Orscar-Verleihung Nerven gezeigt hat, als sie von Harrison Ford den Academy Award für das beste Originaldrehbuch (Juno) entgegen nahm und bei der Danksagung am Ende die Stimme brach und die Tränen flossen.

Die Frau sieht also nicht nur gut aus, hat Witz oder schreibt draufgängerisch forsch und natürlich unverblümt – nein, am Ende ist Hollywoods coole Überfliegerin im rechten Augenblick auch noch sympathisch menschlich.

Emanzipierte Spinne

Samstag, Februar 21st, 2009

US Spider-Girl #67Zum Ende der Klonsaga war Mary Jane Watson-Parker – die Frau von Peter Parker alias Spider-Man – hochschwanger. Während ihr Mann und sein Klon-»Bruder« Ben Reilly sich mit Gaunt und dem Grünen Kobold prügelten, erlitt MJ eine Fehlgeburt. Scheinbar. In Wahrheit entführte Alison Mongraine das neugeborene Kind der Parkers im Auftrag von Norman Osborn (alias dem Grünen Kobold, genau). Marvel war sich aber nicht sicher, was man mit dem geklauten Parker-Kid machen sollte, und versenkte im Verlauf der Klonkriegs-Nachwehen kurzerhand die Yacht, auf der Mongraine sich mit der kleinen May Parker versteckte, im Mittelmeer …

Jedenfalls: Aus dem regulären 616er Marvel Comic-Universum war die Tochter von Spider-Man damit verschwunden. Hier kam jedoch Tom DeFalco (lange Zeit Redakteur und Autor des Wandkrabblers) ins Spiel, der das Mädel wohl mochte, und bastelte um May herum sein MC2 – ein alternatives Marvel Universum 20 Jahre in einer alternativen (!)  Zukunft, in dem May Parker überlebt hat und das Erbe ihres Vaters als kostümierte, netzschwingende Heldin antritt (ja, Pete kommt ebenfalls noch in den Abenteuern vor, ebenso einige andere bekannte Charakere – und genau das macht den Reiz für Spidey-Fans der 90er aus …)

Anfangs bin ich mit Mayday Parker dennoch nie so recht warm geworden, und so war ich nicht traurig, als die Serie auf Deutsch nach zwei Versuchen eingestellt wurde. Damals war mein Comic-Kapital via Taschengeld eh noch sehr begrenzt, und ich musste ohnehin selektieren. Mittlerweile bin ich aber ein bekennender May/Spider-Girl-Fan (und nein, es liegt nicht allein an den Brüsten im Kostüm, danke, Alice) und habe mir die ersten 50+ Hefte der ersten Spider-Girl-Ongoing im charmanten US-Digest-Format (etwa Taschenbuch-Größe)  nachgekauft.

Unglücklicherweise hat es Spider-Girl nie so leicht gehabt (und Leser wie ich sind daran sicherlich nicht ganz unschuldig, I know, I know), sprich: Die Serie stand oft auf der Kippe und am Rand der Einstellung, und auch nach dem Neustart als Amazing Spider-Girl überzeugten die Verkaufszahlen leider wieder nicht. Und so war’s das dann auch demnächst erst mal für Tom DeFalcos und Ron Frenz’ MC2-Serie, die uns lediglich noch in Amazing Spider-Man Family mit Kurzgeschichtenhappen erhalten bleiben wird, wie es aussieht.

Auch mit den Digest-Sammelbänden sah es lange Zeit nicht gut aus. Im Spätsommer 2007 ist der neunte Band erschienen, danach herrschte ewig und drei Tage Funkstille, sogar von einem Abbruch der Nachdrucke im Format für die Manga-Mädels war die Rede. Umso schöner, dass dieser Tage doch noch Digest #10 erschienen ist. Stolze 15,- Dollar kostet das Spaß (kein gutes Zeichen …), Vorbesteller bei Amazon & Co. konnten noch für 7,- Euro einkaufen.  Immerhin: Digest #11 ist für den Sommer bereits angekündigt.

Ich wünsche mir sehr, dass die ersten 100 Hefte komplett im Digest nachgedruckt werden. Dann könnte ich nämlich endlich die drei Amazing Spider-Girl-Trades anfangen, die ich mir aus solidarischer Unterstützung bereits zugelegt habe …

Viva la Spidey-Emanzipation!