Im ersten zitty-Heft für’s neue Jahr, das schon die Nummer 1/2010 trägt, aber eben noch vorgestern und im ausgedienten 2009 erschien, ist nun endlich mein schon lange angekündigter Artikel zu Fritz Leiber und Fafhrd und dem Grauen Mausling als Literatur-Aufmacher abgedruckt (vor einem Jahr hatte an dieser Stelle – also im ersten Heft des neuen Jahres – mein Artikel über Scott Sigler die Ehre. Und so schnell ist ein Jahr rum).
Irgendwann Anfang 2009 habe ich Lutz durch mein Geblubber dazu gebracht, sich mal die Paperbacks der Edition Phantasia zu kaufen, und er sagte kurz nach der Re-Lektüre des zeitlos brillanten Fantasy-Stoffes: »Komm, schreib einen Text, und ich nehm ihn in die Schublade, und irgendwann 2009 bringen wir ihn, so wahr ich John Byrnes Sub-Mariner liebe!«.
Den letzten August – wo das 70-jährige Jubiläum von Fafhrd und dem Mausling offiziell angestanden hätte, da im Augsut 1939 im Pulp-Magazin Unknown die erste Geschichte Leibers mit dem Duo erschien – wäre mein favorisierter Erscheinungszeitraum für den Text gewesen, aber das hat leider nicht geklappt. Immerhin, haarscharf sind wir noch im Jubiläumsjahr der Edition Phantasia (25 Jahre! Freut euch auf die kommende, bereits mit den Hufen scharrende phantastisch! #37) und dem Jubeljahr der beiden schurkischen Helden.
Als kleines Silvester-Party-Geschenk poste ich mal den unredigierten Artikel (deshalb auch noch mit meinem ursprünglichen Headline-Vorschlag und mit dem Hinweis im Text, dass Leiber auch Horror und SF geschrieben hat – verdammter Platz!) in voller Länge:
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Schwerter, Magie und ganz viel Menschlichkeit
Fritz Leibers „Fafhrd und der Graue Mausling“
Text: Christian Endres
J. R. R. Tolkien verhalf der Fantasy-Literatur mit dem „Herrn der Ringe“ zu ihrem ultimativen Archetypus, und Robert E. Howard hat ihr mit Conan ihren bekanntesten Haudegen hinterlassen. Und doch prägte neben Howard kein Autor das bis heute florierende „Schwert & Magie“-Subgenre so wie Fritz Leiber, der diesen Begriff 1961 sogar erstmals verwendete. Seine Helden – der hünenhafte Barbar Fafhrd und der kurz gewachsene Ganove namens Grauer Mausling – sind in ihrer Unzulänglichkeit auf fast fatale Weise synergistisch und waren damals ein bewusster Gegenentwurf zum unbesiegbaren Conan (die beiden scheiterten und alterten sogar). „Zwei Kameraden bis in den Tod“, schrieb Leiber im Vorwort zu „Der unheilige Gral“, 2004 erstmals ungekürzt in der vierbändigen Gesamtausgabe bei der Edition Phantasia erschienen. Dort bemüht man sich sehr um fantastische Perlen und feiert dieser Tage 25-jähriges Jubiläum. „Schwarzhumorig bis in alle Ewigkeit, lüstern, derb, weinselig, listenreich, romantisch, bodenständig, diebisch, sardonisch, humorvoll, stets auf der Suche nach Abenteuern in allen vier Winkeln der großen, weiten Welt, für alle Zeiten dazu verdammt, stets den tödlichsten aller Widersacher, den übelsten aller Übeltäter, den begehrenswertesten aller Mädchen und den heimtückischsten aller Zauberer und übernatürlichen Bestien und anderem Gelichter zu begegnen.“
Zwei Kameraden waren es auch, die das Gespann zu Zeiten der Wirtschaftskrise schufen. Erstmals Erwähnung fanden die beiden 1934 in einem Brief von Harry Otto Fischer an seinen Freund Leiber. Als es ab August 1939 zu ersten Magazinveröffentlichungen der Storys vom Planeten Nehwon kam, wurden bis auf ein Fragment in „Die Herren von Quarmall“ jedoch ausnahmslos Leibers Texte abgedruckt.
Auf den ersten Blick sind Fafhrd und der Mausling freilich nur zwei weitere schwertschwingende Abenteurer in einer antiken Fantasy-Welt. Doch hinter dieser Fassade lauerten schon vor 70 Jahren zwei Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Stärken, Schwächen, Hoffnungen, Bedürfnissen und Ängsten. Zwei konträre Freunde, die füreinander einstehen, sich aber auch mal zoffen. Lebenskünstler, die den Blick abwechselnd melancholisch nach hinten oder frohlockend nach vorn richten. Keine Überhelden, sondern zwei durchtriebene Glücksritter (mit klarer Tendenz zum Schurken, wie Leiber immer betonte). Überhaupt schrieb Leiber „Fantasy für Leute, die gerne Hardboiled-Krimis lesen“, wie Howard Chaykin in der Einleitung zu seiner Comic-Adaption der Abenteuer des Duos feststellt.
Leibers Geschichten und Figuren waren anders als die Masse. Leser schätzen ihn deshalb seit Dekaden, und Kollegen wie Michael Moorcock oder Neil Gaiman verehren ihn noch heute. Aufgrund seiner blumigen, verschachtelten Prosa war Leiber allerdings niemals leicht zugänglich. Dass seine Erzählungen trotzdem noch immer begeistern, liegt auch an dem Menschen hinter dem Autor: Als Sohn zweier Shakespeare-Schauspieler am Heiligen Abend 1910 geboren, studierte Leiber in Chicago Philosophie und beschäftigte sich mit Musik, Schach, Fechten, Architektur, Theologie und Literatur. Er war ein Schüler von H. P. Lovecraft, konnte „Hamlet“ aus dem Stegreif rezitieren und liebte das Leben mit seinen Sonnenplätzen wie mit seinen Schattenseiten. In seinen hoch innovativen Storys gab Leiber seine Einstellung zu den kleinen Freuden und Sünden des Seins an seine Vagabunden auf Nehwon weiter („Fantasy muss durch die Wirklichkeit fruchtbar gemacht werden“). Leiber starb am 5. September 1992. Seine Geschichten um Fafhrd und den Mausling sind noch heute mit das Beste, was die Fantasy zu bieten hat (gleiches gilt auch für Leibers Science Fiction- und seine Horror-Storys). Finanziell hat Leiber das allerdings selten gespürt.
Blickt man zurück, zwinkern einem dennoch zwei angenehm menschliche „Helden“ zu, die ihren Schöpfer 60 Jahre lang begleiteten und dabei stets ein Spiegelbild seiner Seele und seines Privatlebens waren (nach dem Tod von Leibers erster Frau versuchten z. B. auch Fafhrd und der Mausling verzweifelt, den Tod ihrer Geliebten in Lankhmar zu vergessen). Um literarische Unsterblichkeit zu erlangen, genügte es Leibers Duo, tapfer ihr Dasein zu meistern und mit all ihren Makeln immer sie selbst zu bleiben. Was ihnen gelang.
Und vielleicht ist diese Erkenntnis am Ende ja mehr wert als alle Schätze und Schürzen zusammen. Sicher, der Mausling würde uns was anderes sagen.
Aber der ist ja auch ein elender Halunke.
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So, wäre der also auch endlich erschienen und abgehakt. Schön.
Dann rutscht mal gut, my fellows.
Excelsior!